
Neugierige bis irritierte Blicke im Vorbeigehen. Dazwischen Tische und Bänke voller Leckereien unterschiedlichster Kulturen – und viele ganz unterschiedliche Menschen. Die Premiere der „längsten Tafel Jülichs“, eine Kooperation des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration (ACI) mit verschiedenen Vereinen und Initiativen, sollte die Vielfalt Jülichs zeigen. Und, ganz niedrigschwellig, für Berührungspunkte sorgen. Das galt für unterschiedliche Kulturen wie andere gesellschaftliche Minderheiten, passend für den Anfang der Interkulturellen Woche.
Das Prinzip der Veranstaltung: Es wurden „Patenschaften“ für die einzelnen Tische übernommen. Dabei sollten die Organisationen je ein bis zwei Tische mit – gern landestypischem – Essen decken. Wie Integrationsbeauftragte Beatrix Lenzen erzählte, kamen im Vorhinein etwa 20 verpatete Tische zusammen. Und wenn man an selbigen herumfragte, erhielt man den Eindruck: Für die Aktiven war die Aktion, trotz Premiere, ein voller Erfolg. Was auch am Engagement und der Herzlichkeit gelegen haben mag, mit der so einige Tische an selbigen einluden und ihr Essen anboten.
Egal ob Ideal Bildungsverein, AK Asyl oder Stammhaus – nicht nur sie selbst schienen Spaß zu haben und sich untereinander zu vernetzen, sondern auch zufrieden mit dem Zulauf zu sein. Fast schon überrascht wirkten die Teilnehmenden, wie gut das Konzept funktionierte. Zu beobachten war etwa eine Dame, die mit ihrer Mobilitätsunterstützung an diversen Tischen hielt und um Geschmacksproben bat. Und die gab es reichlich: Ukrainische süße wie herzhafte Pfannkuchen und kamerunisches Bananen-Gebäck gesellten sich zu türkischem Bulgur-Salat und klassisch deutschem Schokokuchen. Gespräche und Lachen waren passend dazu von überall zu vernehmen. Das einzige Manko, das übereinstimmend berichtet wurde: Vielleicht sollte die Veranstaltung nächste Mal eine Stunde später, gegen elf Uhr, beginnen. Denn die Meile füllte sich gegen diese Uhrzeit offenbar deutlich.
Das Ziel, Menschen zusammen und ins Gespräch zu bringen, ist wohl geglückt. Der Wunsch, die Veranstaltung zu wiederholen, aus mehreren Richtungen deutlich. Auch Doina Rück, Vorsitzende des ACI, hoffte auf ein erneutes Stattfinden im nächsten Jahr. Sie betitelte die diesjährige als „sehr schöne Veranstaltung“ und resümmierte: „Ich glaube, das war den Leuten am Anfang nicht klar, dass sie sich einfach dazusetzen können.“ Aber im späteren Verlauf, als viele Menschen dies einfach taten, habe sich die Hemmschwelle verringert. Bei aller auch eigener Euphorie musste Lenzen, die das Bindeglied zwischen Ausschuss und Stadt darstellt, allerdings etwas einbremsen: Erst müsse die Premiere ausgewertet werden. Sollte sich der Aufwand mit dem Erfolg rechnen, könne man sicher über eine Neuauflage reden. Besonders schlecht stehen die Chancen allerdings vermutlich nicht, denn im Vergleich zu anderen Veranstaltungen habe diese einen bewusst etwas niedrigeren Arbeitsaufwand. „Mit relativ wenig Mitteln ist es gut aufzubauen und zu organisieren und lebt halt davon, dass die Leute einfach mitmachen.“
„Die längste Tafel Jülichs“ solle eine Plattform sein, um ins Gespräch zu kommen und mögliche Vorurteile abzubauen, hieß es von Beatrix Lenzen. Gästen war es etwa freigestellt, selbst etwas zu Essen mitzubringen oder nicht – und im Vorhinein sei übrigens bereits angerufen worden, mit der Frage, wie man sich beteiligen könne. Jülich sei Stadt der Vielfalt, inzwischen lebten über 130 Nationalitäten in der Herzogstadt. Es gehe darum, das gute Klima des Zusammenlebens zu erhalten. Darum waren auch alle Menschen an der Tafel willkommen.
Foto: Volker Goebels, Ariane Schenk, Dorothée Schenk








































