
Was für eine Party! Schon von Ferne war das eindeutig freudige Gebell rund um das Nichtschwimmer- und Planschbecken auszumachen. Beim Näherkommen musste man Acht geben, dass man nicht zwischen die umherflitzenden Hunde geriet. Es sei denn, sie tummelten sich gerade in den Becken, fischten dort platzierte Bälle und Ähnliches aus dem Wasser, um es – es darf ruhig freudestrahlend genannt werden – Herrchen und Frauchen zurückzubringen, die artig am Beckenrand warteten. Denn sichtbar großen Spaß hatten nicht nur die Hunde, die zu dieser regional ungewöhnlichen Premiere ins Freibad gekommen waren, sondern auch die zugehörigen Zweibeiner. Keineswegs nur Rurstädter waren anwesend. Aus Titz, Linnich, Eschweiler oder auch Hückelhoven kamen beispielsweise Gäste, die über Freunde oder das Internet von der Gelegenheit erfahren hatten.
Ausgesprochen entspannt war die Atmosphäre. Wer nicht Apportiergegenstände ins Wasser warf oder dem Liebling beim Planschen zusah, tat das, was man auf einem guten „Spielplatz“ tut – man kam ins Gespräch, plauderte mit den benachbarten Tierbesitzern, fachsimpelte über Haltung und Erziehung. Natürlich! Und ebenso natürlich waren immer wieder Ordnungsrufe zu hören. Es mag erstaunen: Es gab keine Auseinandersetzungen ums Spielzeug, keine großen Rangeleien oder gar mehr. „Es war ja vorher klar“, meinte ein Frauchen im Gespräch, „dass nur sozialverträgliche Hunde kommen durften.“ Na ja, meinte der Skeptiker, und woher wusste man das? Das wusste man, war die einhellige Antwort auf die Nachfrage. Und die aktuelle „Party“ bestätigte das offenbar.
Vom Dackel bis zum Schäferhund, von richtigen Wasserratten bis hin zu ganz vorsichtigen Schwimmern war alles dabei. Manche Hunde stürzten sich voller Begeisterung ins Wasser, andere waren etwas zurückhaltender, so manch einer begegnete dem ungewohnten Vergnügen auch etwas skeptisch. Vor allem Labradore hatten Hochkonjunktur am Becken. Es sind absolute Wasserliebhaber – für gewöhnlich.
Labradorhündin „Happy“ tauchte anfangs, so die zugehörige Zweibeinerin, etwas zögerlich ins Nass ein. Der Grund sei der Untergrund, meinte das Frauchen: „Es ist halt ganz anders als im See oder am Strand, wo man flacher reingehen kann.“ Das bestätigte eine Hückelhovenerin, die mit ihrem Mann und „Paula“ gekommen war, „einem Labradoodle ohne Locken“, wie sie lachend erläuterte. „Normalerweise geht sie immer ins Wasser. Aber der Untergrund“, sagte sie und zuckte mit den Schultern. „Ja, wenn ich mit reinkönnte! Dann würde sie hundertprozentig mitgehen.“ Aber Zweibeiner mussten an diesem Tag draußen bleiben. Herrchen berichtete, wie sehr Paula den Wellengang im Urlaub am Atlantik liebte, aber das Becken mit seinem reflektierenden Boden war ihr wohl nicht geheuer. „Außerdem ist hier ja alles aufregend!“
Aber auch Exoten konnte man kennenlernen: Ein Husky war dabei, ebenso Sam, ein Australian Cobberdog. „Wir kannten die Rasse vorher auch nicht“, räumte die Linnicherin mit deutlicher Besitzerfreude ein, „darum haben wir uns dafür entschieden.“
Tascha und Kira hatten nach zwei Stunden genug. Die Bernersennendamen, die mit ihren Erziehungsberechtigten aus Titz gekommen waren, zeigten deutliche Erschöpfungserscheinungen. „Die sind platt“, meinte das Frauchen pragmatisch. Es seien auch keine Wasserhunde: Spielen am Wasser ja – ins Wasser gehen eher nicht. Abschließend äußerte eine Besucherin allerdings noch einen Wunsch – abseits dessen, dass das Hundeschwimmen wiederholt werden sollte: „Es wäre schön, wenn es grundsätzlich eine Hundewiese gäbe, auf der die Tiere auch mal frei laufen und spielen könnten.“ Schließlich zahle man ja auch Hundesteuer.
Eine gelungene Veranstaltung
„Wir freuen uns wirklich sehr über die tolle Resonanz und dass so viele Menschen mit ihren Hunden gekommen sind“, sagte Lena Malmen. Sie war Mitarbeiterin im Marketing-Team der Stadtwerke und hatte die Veranstaltung mitbetreut. „In unserem Jubiläumsjahr wollten wir den Abschluss der Freibad-Saison ganz besonders gestalten. Ich bin sicher, das ist uns gelungen“, ergänzte Fabian Künne. Er war Privat- und Gewerbekundenbetreuer der Stadtwerke und gehörte zum Jubiläums-Organisationsteam. Viel Lob von den Hundebesitzern erhielten die Stadtwerke für diese Premiere.
Neben dem Schwimmvergnügen für die Tiere und der Möglichkeit zum Austausch für Herrchen und Frauchen gab es rund um die Becken auch Informationsangebote zu Hundehaltung, Erziehung, Spielen und Ernährung.
Erlös wird gespendet
Der Erlös der Eintrittsgelder ging komplett an den Verein SAMT (Soziale Arbeit für Mensch und Tier e. V.). Der Jülicher Verein setzt sich für Menschen und Tiere in schwierigen Lebenslagen ein. „Die Spende macht die Veranstaltung sogar doppelt erfolgreich“, sagte Lea Malmen. „Auf der einen Seite hatten viele Hunde und Menschen einen schönen Tag und gleichzeitig haben wir alle gemeinsam noch etwas für eine gute Sache erreicht“, betonte sie.
Nach dem Hundeschwimmen gingen für das Team des Jülicher Freibads die Saison-Nachbereitung und die Einwinterungsarbeiten wie gewohnt weiter. Das Wasser aus dem Nichtschwimmer- und Planschbecken, in denen das Hundeschwimmen stattgefunden hatte, sollte über den Winter abgelassen werden. „Das ist möglich, da diese beiden Becken aus Edelstahl sind“, erklärte Schwimmmeister Nikolai von Bock. Sportbecken und Sprungbecken sollten über den Winter gefüllt bleiben; dort sollte das Wasser im Frühling ausgetauscht werden.
Fotos Volker Goebels
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