Start Magazin Geschichte/n Geförderte Forschung zur Villa Buth

Geförderte Forschung zur Villa Buth

Die eindrucksvolle Summe von 6,8 Millionen Euro wird der Landschaftsverband Rheinland LVR im kommenden Jahr in die rheinischen Städte und Gemeinden verteilen. 115 Kulturprojekte im gesamten Rheinland kommen in den Genuss finanzieller Förderung.

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Jahrzehnte alte Akten erzählen, was die Menschen in der Villa erleben mussten. Foto: Britta Sylvester
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Darunter ist auch ein Jülicher Projekt, das man getrost als Herzensprojekt bezeichnen kann. Der Jülicher Timo Ohrndorf wird die Geschichte der „Judenhaus“ genannten Villa Buth in Kirchberg erforschen.

„Mit diesem Buch fing eigentlich alles an“, lächelt Historiker Timo Ohrndorf und weist auf den neben ihm liegenden Band „Villa Buth – Zwischenstation zum Holocaust“. Gemeinsam mit dem Jülicher Geschichtsverein und – das macht diese Veröffentlichung besonders – erarbeitet mit Schülerinnen und Schülern seines damaligen Geschichtskurses am Heilig-Geist-Gymnasium in Würselen.

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Wie so häufig begann auch diese Geschichte eher zufällig. Neu-Jülicher Timo Ohrndorf ließ sich von seiner Frau die Gegend zeigen. Auch eine Fahrt nach Kirchberg gehörte dazu. Die einst prächtige Industriellen-Villa sei ihm „natürlich ins Auge gefallen“. Welche Geschichte dahinterstand, enthüllte ein zufällig irgendwo gelesener Satz wenigstens ansatzweise.

Die Historiker-Neugierde war geweckt. Bei seinem Geschichtskurs fiel das Thema auf fruchtbaren Boden. „Ja, und seit dem Schulprojekt habe ich nicht mehr wirklich aufgehört“, fasst es Ohrndorf beinahe nüchtern zusammen.

Eine intensive Forschungstätigkeit lässt sich mit einer Vollzeit-Lehrerstelle, ehrenamtlichem Engagement sowohl zum Erhalt der Villa als auch zur Verlegung von Stolpersteinen und einem Alltag als Familienvater nur schwer unter einen Hut bringen. Die Förderzusage nun bringt ein wenig Erleichterung: „Ich bleibe mit einer 70-Prozent-Stelle an der Schule“, erläutert Ohrndorf.

Die übrigen 30 Prozent entfallen auf eine Stelle bei der Stadt Jülich und gehören ausschließlich der Forschung. Und diese ist zeitintensiv. So steht etwa eine Fahrt ins Bundesarchiv nach Berlin an. Auch das rheinische Landesarchiv in Duisburg wird Ohrndorf besuchen.

Aktuell verbringt er bereits viel Zeit im Jülicher Stadtarchiv. Seine Schulleitung sei ausgesprochen entgegenkommend, freut sich der Lehrer über einen geschickt geplanten freien Tag für Recherchen. Hier schiebt er gleich noch ein weiteres Dankeschön für die „tolle Unterstützung“ im Stadtarchiv ein und verweist auf einen weiteren Stapel Akten, der für ihn bereitliegt.

Diese Akte erweist sich als Fundgrube für Timo Ohrndorf. Foto: Britta Sylvester

Neben der zusätzlichen Zeit, die er nun in seine Forschung investieren kann, gibt es noch eine weitere Änderung, die Ohrndorfs Arbeit etwas einfacher macht: Zahlreiche Akten sind inzwischen digitalisiert, sprich aus der Ferne erreichbar, was weniger Archivbesuche nötig macht.

Zudem seien vielfach Sperrfristen abgelaufen, weil die Menschen, um die es ging, vor hundert oder mehr Jahren geboren worden seien. „Nach hundert Jahren dürfen persönliche Daten eingesehen werden“, erläutert der Forscher.

Neue Akten bringen neue Erkenntnisse, meistens jedenfalls. Nicht jedes vermeintlich passende Schriftstück birgt interessante Informationen. Als wahre Fundgrube erweist sich aber ein grüner Hefter aus Pappe.

Auf leicht knisterndem, erstaunlich gut erhaltenem Papier steht maschinengeschrieben, manchmal auch in schwer leserlicher steiler Handschrift, was die Menschen in der Villa Buth durften – oder auch nicht. En détail ist dort zu lesen, wie und zu welcher Gelegenheit ein Passierschein ausgefüllt werden musste, oder auf welchen Wegen die dort eingepferchten Juden in den Ort gehen durften.

Akten sind das Eine. Weitere Puzzleteile ergeben sich aus Gesprächen mit Zeitzeugen oder deren Nachkommen. Wohl wissend, dass die Erinnerung nach so langer Zeit manchen Streich spielen kann, hält Ohrndorf diese Gespräche für besonders aufschlussreich.

So erinnert er sich etwa an eine Unterhaltung mit einem alten an Demenz leidendem Mann. Er habe zwar nur noch Bruchstücke gewusst, sei aber so tief in die Vergangenheit eingetaucht, dass sich für den Historiker ein sehr unvermitteltes, erschütterndes Bild ergab. Wenn auch aus wissenschaftlicher Sicht nicht zitierfähig, hätte gerade diese Episode die Schrecken der Nazi-Zeit auf besondere Weise deutlich gemacht.

Hier schließt sich für Timo Ohrndorf der Kreis: „So etwas darf sich niemals wiederholen. Darum muss die Erinnerung an diesen Ort genau an diesem Ort wachgehalten werden.“ Seine Forschung trage zum Schutz der Demokratie bei, ist der Lehrer und Historiker überzeugt.

Zur Chronologie der Ereignisse rund um die Villa Buth.

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Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinischen Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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