Ein neues Land, eine fremde Sprache, eine Zukunft voller Möglichkeiten und die Hoffnung auf Schnee. Für Jithin Siby und Aravind Sabu beginnt in Deutschland ein neuer Lebensabschnitt. Die beiden hatten durchaus Vorstellungen davon, was sie hier in Deutschland erwartet. Dass es hier so viel Natur gibt, überrascht Aravind Sabu allerdings. Und Jithin Siby? Der wartet noch auf den ersten richtigen Schnee.
Seit Anfang August leben die beiden jungen Männer aus Kerala im Süden Indiens in Deutschland. Ihr Ziel: eine Ausbildung zur Pflegefachkraft über den Caritas Verband Düren-Jülich. Hier in Jülich teilen sich die beiden eine WG und machen sich Schritt für Schritt mit ihrem neuen Alltag vertraut.
Das sie heute hier sind, hat persönliche Gründe. Jithin Siby sammelte bereits Erfahrungen in der Pflege in Indien. Nach seinem Bachelorstudium half er an den Wochenenden in einem Altersheim, unterstützte Bewohnende beim Waschen und Duschen und entdeckte dabei Interesse für den Beruf. Als er von der Möglichkeit erfuhr, stand für ihn fest, dass er die Chance nutzen wollte. Ein Jahr lang lernte er Deutsch und bestand schließlich die B2-Prüfung.
Aravind Sabu hat ebenfalls eine persönliche Geschichte, die seinen Wunsch zu helfen erklärt. Sein Onkel starb an Krebs. Er selbst ließ sein Haar wachsen, um es an Krebskranke zu spenden. Menschen zu unterstützen, ist ihm wichtig. „Ich glaube wir müssen immer den Menschen helfen, die Hilfe brauchen. Das motiviert mich für die Ausbildung“, erklärt er.
Der Schritt nach Deutschland war trotzdem nicht selbstverständlich. Eine neue Sprache, ein unbekanntes Umfeld und damit einhergehendes Heimweh und die Entfernung zur Familie gehören zum Neuanfang dazu. Der Kontakt über Videoanrufe nach Indien hilft den beiden dabei sehr. Aravind Sabu musste seine Eltern zunächst davon überzeugen, dass sich der Schritt nach Deutschland für seine neue Zukunft lohnt. Heute blickt er zuversichtlich nach vorn: „Wenn ich hier arbeite, kann ich sie auch unterstützen“. Zudem sagt er: „Jetzt habe ich mein Ziel erreicht, weil ich hier bin“.
Dass die beiden diesen Weg nicht alleine gehen müssen, ist ein wichtiger Teil des Caritas-Projektes. Insgesamt sechs Auszubildende aus Indien hat der Verband aufgenommen, zwei davon leben in Jülich, zwei in Düren und zwei in Kreuzau. Es ist das erste Mal, dass der Caritas Verband Düren Jülich diesen Weg geht. Hintergrund ist auch der Bedarf an Pflegefachkräften. Die Ausbildung dauert drei Jahre und verbindet Theorie mit praktischen Einsätzen in verschiedenen Einrichtungen. Im November stehen für beide die nächsten Schritte in der Praxis an.
Doch bevor es soweit ist, geht es zunächst ums Ankommen. Seit September besuchen Jithin Siby und Aravind Sabu die Schule in Birkesdorf. Obwohl sie in unterschiedlichen Klassen sind, helfen sie sich gegenseitig beim Lernen. Zu Hause kochen sie gemeinsam, lernen und verbringen die Zeit miteinander. In der Schule unterstützen sie Lehrkräfte geduldig beim Verbessern ihrer Deutschkenntnisse. Fachbegriffe sind manchmal noch eine Herausforderung, aber die beiden bleiben dran.
Mitarbeitende der Caritas sind für die beiden da. Vor der Ankunft hatte es nur zweimal Videokontakt gegeben. Wie der stellvertretende Pflegedienstleiter Walter Scarsella erzählt, waren sie anfangs selbst gespannt und ein bisschen skeptisch, wie die Zusammenarbeit funktionieren würde. Beim persönlichen Kennenlernen am Düsseldorfer Flughafen war dies schnell verflogen. „Wir haben sie direkt ins Herz geschlossen“, erzählt er. Besonders beeindruckt ist er von der respektvollen und offenen Art der beiden.
Für Jithin Siby und Aravind Sabu beginnt jetzt erst einmal der praktische Teil ihrer Ausbildung. Bis dahin lernen sie weiter, entdecken ihre neue Umgebung, warten auf Schnee und lernen vielleicht die ein oder andere Muttkrat kennen. Und während sie sich hier eine Zukunft aufbauen, haben sie schon jetzt Menschen gefunden, die ihnen dabei zur Seite stehen.





















