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Wohnpark statt Parkplatz

„Die Umwandlung bleibt ausdrücklich temporär: Wird die Fläche später anderweitig benötigt, kann sie wieder zurückgebaut werden.“ So wurde im September im Ausschuss für Kultur, Dorf- und Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung (KDSW) beschlossen, dass der Bolzplatz am Forum Aachener Tor, immer noch besser bekannt als „alte Realschule“, als vorrübergehender Parkplatz eingerichtet werden soll. Jetzt ist klar: Das Areal wird nur kurzzeitig Parkraum bieten. Bereits nächstes Jahr könnten die Bagger rollen und damit den Baubeginn des Wohnparks Pasqualini markieren. Bereits 2017 waren auf der Fläche vier Mehrfamilienhäuser mit 56 Wohnungen geplant gewesen. Der Bebauungsplan ‚Park Pasqualini‘ ist seit Mai 2021 rechtskräftig. Das neue Konzept mit rund 155 Wohneinheiten stellte Architekt Martin Schrennen, in Jülich bestens seit seinem Turbo-Bauprojekt Schneidersstraße bekannt, im jüngsten Stadtrat vor.

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Entwurf Park Pasqualini. Abbildung: wohnconform
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Schlussendlich soll nun doch neben dem Forum am Aachener Tor in der Nähe der Promenade Wohnraum entstehen. „Im Herzen der Stadt“, wie Architekt Martin Schrennen fast poetisch formulierte. Rund 200 Studierende, ältere Menschen und Familien sollen im Mehrgenerationenprojekt Park Pasqualini ein neues Zuhause finden. Vorgesehen sind ausschließlich Mietwohnungen. Ein erster Bauabschnitt könnte 2027 beginnen – vorausgesetzt, die notwendigen Entscheidungen und der Grundstückskauf kämen jetzt kurzfristig zustande, betonte Schrennen.

Auf dem rund 8000 Quadratmeter großen Grundstück sollen vier Häuser entstehen – mit eingeplant sind großzügige Freiräume. Nur ein Drittel des Areals ist für die Bebauung vorgesehen. „Das ist das schöne Geschenk dieses Grundstücks: Park und Baumanlagen können bestehen bleiben“, gerät der Architekt fast ins Schwärmen. Ein öffentlicher Weg soll durch das Quartier zur Brücke in Richtung Innenstadt führen.

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Es ist nicht nur ein Bauprojekt. Jedes der Häuser ist mit einem „Wert“ belegt: „Belebung der Innenstadt“ ist es beim ersten Gebäude. Hier sind rund 65 Wohnplätze für Studierende und Auszubildende vorgesehen. Damit soll das studentische Leben stärker in die Innenstadt rücken. Schließlich, so sagt Schrennen, würden über 3500 junge Menschen in Jülich studieren. Durch diesen ortsnahen Wohnraum würden sie auch zur Belebung der Innenstadt beitragen.

Gegen den Pflegenotstand und steigende Pflegekosten, führte der Architekt aus, wird ebenfalls „gebaut“. Gleichzeitig werde Senioren eine Möglichkeit geboten, aus zu groß gewordenen Eigenheimen oder Mietwohnungen auszuziehen. 44 kleinere Wohnungen sowie eine Gruppenwohnung für zwölf ältere Menschen sollen entstehen. Das Ziel: Gemeinschaftliches Leben mit pflegerischer Unterstützung verbinden und damit auch der Vereinsamung entgegenwirken. Hier greift ein weiterer eingeplanter Aspekt: Im Erdgeschoss des Seniorenhauses ist ein Gemeinschaftsraum vorgesehen, der sowohl der Bewohnerschaft als auch Menschen aus dem Umfeld offenstehen soll. Als mögliche Nutzungen wurden Geburtstagsfeiern, Hausaufgabenhilfe, Betreuungsangebote und gemeinsame Spieleabende genannt.

Familienfreundlich wird es in den Häusern drei und vier. Unter den 45 frei finanzierten Wohnungen sind Drei- und Vierzimmerwohnungen. Darüberhinaus greift der „Wert“: Fachkräftegewinnung. Ein „absolutes Highlight der Stadt Jülich“ nannte Schrennen das Angebot an Unternehmen, in diesen Häusern Mitarbeiterwohnungen anzumieten. Gerechnet werden könne mittelfristig am Brainergy Park mit rund 3000 Arbeitsplätzen. Wer Wohnraum anbieten könnte, erleichtere gegebenenfalls den Umzug zum neuen Arbeitsplatz. Das sei ein wichtiger Standortfaktor für die Wirtschaft.

Die Mietpreise sollen sich je nach Zielgruppe staffeln. Für die frei finanzierten Wohnungen wurde ein Ansatz zwischen 14 und 15 Euro je Quadratmeter genannt. Beim geförderten jungen Wohnen wurden 220 Euro monatlich je Wohnplatz angegeben. Die Förderung soll sich auf das junge und das altersgerechte Wohnen konzentrieren. Für die Familienwohnungen in den beiden frei finanzierten Häusern ist nach der vorgestellten Planung keine entsprechende Förderung vorgesehen.

Park Pasqualini wirbt aber nicht nur mit Wohnen im Grünen, sondern auch mit „grünem Wohnen“. Hitzeschutz und Nachhaltigkeit sind Teil der Planung. Energieeffizienz, Wärmepumpe, Photovoltaik sowie Dach- und Fassadenbegrünung gehören zum vorgestellten Nachhaltigkeitskonzept. Begrünte Fassaden und großzügige Balkone sollen zugleich vor sommerlicher Hitze schützen. Auf den Dachflächen soll Regenwasser zurückgehalten werden und verdunsten können. Schrennen führt auch den Erhalt des alten Baumbestands an: Im Sommer soll er Schatten spenden, während im Winter mehr Licht in die Gebäude gelangt. 51 Autostellplätze – davon 28 Tiefgaragenplätze – stehen 160 Fahrradstellplätze gegenüber.

Planungspartner ist das Unternehmen UrbanWohn, die in der Region bereits kleinere Wohnprojekte mit rund 20 Wohneinheiten umgesetzt hat. In Planung ist derzeit ein Objekt in Linnich. Erstmals, so betont die Firmenvertreterin, werde „frei finanziertes Wohnen mit gefördertem Wohnen“ realisiert. Was ihr ebenso wichtig war: Man plane und setze die Projekte mit lokalen Partnern um. „Das Geld bleibt in der Region.“

Die nächsten Schritte sind schon klar: Wenn in diesem Jahr noch der Kaufvertrag abgeschlossen würde und die erforderlichen Genehmigungen vorlägen stellte Schrennen einen Baubeginn der frei finanzierten Wohnungen bereits 2027 in Aussicht. Bekanntermaßen können erst nach erfolgter Fördergenehmigungen auch die geförderten Wohnungen gebaut werden. Dieser zweite Bauabschnitt könne möglicherweise 2028 angegangen werden.

Abschließend wurde es im Stadtrat noch einmal philosophisch. Pasqualini sei nicht nur Festungsarchitekt, sondern auch Städteplaner gewesen. „Wir hoffen, eine ähnliche Qualität zu erreichen“, legte Martin Schrennen die eigene Messlatte hoch. Der Anspruch sei Wohnraum für alle, für eine offene, vielfältige Gesellschaft „und dass wir das hoffentlich noch sehr lange genießen dürfen, in dieser Gesellschaft leben zu dürfen“.

Bürgermeister Axel Fuchs kündigte an, dass das Vorhaben bereits im nächsten Haupt- und Finanzausschuss erneut Thema werden könnte.

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HERZOGin mit Leib und Seele. Mein HERZ schlägt Muttkrat, Redakteurin gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach und Magistra Artium der Kunstgeschichte mit Abschluss in Würzburg. Versehen mit sauerländer Dickkopf und rheinischem Frohsinn.

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