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Erfolgsmodell „Mitbring-Abend“

„Wahres für Rares“ hieß es erneut in der Landschaftsgalerie im Kulturhaus am Hexenturm. Der Mitbring-Abend vom Museum Zitadelle wird immer beliebter. Privatleute können dabei Landschaftsgemälde aus Familienbesitz im Museum im Kulturhaus am Hexenturm begutachten lassen.

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Foto: Stephanie Decker
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In einer öffentlichen Führung stellte Museumsleiter Marcell Perse Verbindungen zu den Gemälden der Museumssammlung her, wodurch man vieles über „Omas Schätzchen“ erfahren konnte. Ein Gemälde aus Aachen des Schirmerschülers August Becker mit Sicht über den Genfer See durfte danach direkt als großzügiges Geschenk im Museum bleiben.

Ein anderes Landschaftsgemälde eines Dresdener Malers zeichnete eine bewegte Familiengeschichte mit Flucht aus der DDR nach. Ein weiteres Bild früher Souvenirmalerei entführte zur Tellkapelle am Vierwaldstättersee. Alle Ergebnisse ergaben sich aus der direkten Gegenüberstellung mit Vergleichen in der Ausstellung.

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Sogar aus der Schweiz stammte ein eingesandtes Gemälde. Die Vermutung, dass das Werk aus dem Atelier des Jülicher Malers Johann Wilhelm Schirmer stammt, ließ sich nicht erhärten, aber ein spannender Ausflug in die Entwicklung des Maler-Bedarfs gab stattdessen interessante technische Einblicke in den Werkzeugkasten von Kunstdetektiven.

Ein barockes Landschaftsgemälde mit Rinderherde fand ein Geschwisterbild in der Sammlung und beleuchtete Entwicklungslinien von der niederländischen Malerei des 17. zur Düsseldorfer Malerei des 19. Jahrhunderts. Beides sind Phänomene einer selbstbewussten bürgerlichen Gesellschaft.

Dagegen fiel ein Gemälde typischer Kaufhauskunst der 1960er Jahre mit einem üppigen Frauenakt richtig aus dem Rahmen. Der Maler signierte traditionsbewusst mit Vincent. Davon blieb aber vor allem die provokative Frage „Müssen Frauen nackt sein, um ins Museum zu kommen?“, mit der die Aktivistinnen der Guerrilla Girls die Kunstwelt seit 1985 aufmischen.

Eine gute Steilvorlage zur Beschäftigung mit dem Jülicher Forschungsschwerpunkt von Künstlerinnen in der Landschaftsmalerei. Abschließend lenkte ein Gemälde des Jülicher Kunstmalers Viktor Stuplich auf die Bildersehnsucht der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Die über 20 Teilnehmenden des Abends, ob sie mit oder ohne Gemälde gekommen waren, erhielten einen lebendigen Einblick in die Methoden und Hintergründe der Museumsarbeit und interessante Momentaufnahmen aus der Entwicklung der Kunst und des Kunstmarktes, immer in Verbindung mit der Zeitgeschichte und gesellschaftlichen Entwicklung. Das kurzweilige Vermittlungsformat hat erkennbar Lern- und Spaß-Potential gleichermaßen und wird deshalb im nächsten Jahr fortgesetzt.

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