
Hier gehen gerade die letzten Zertifizierungen des Jahres über die Bühne. Profinos-Qualitätsbeauftragte Vanessa Clemens war jetzt zu Gast in der Kirchberger Einrichtung St. Michael, die mit einem Abschlussgespräch und einer Elternbefragung den letzten Schritt zum angestrebten Siegel gemacht hat.
„Die Zertifizierung ist ein Prozess“, erläutert Clemens. In sieben verschiedenen Bereichen werden die Mitarbeitenden der Kitas geschult. Dabei gehe es vor allem darum, genau hinzuschauen, erläutert die Pädagogin und meint damit, jeden einzelnen Aspekt im Kindergarten-Alltag unter die Lupe zu nehmen.
Als Beispiel nennt sie das tägliche gemeinsame Mittagessen, das zum Oberbereich „Kinder“ gehört. Hier gehe es nicht nur darum, was aufgetischt wird – also die Qualität des Essens – sondern auch, welche Werte vermittelt werden sollen. Vermeintlich Banales wie gegenseitige Rücksichtnahme auch beim Essen gehören ebenso dazu wie die Wertschätzung der Lebensmittel.
Wenig überraschend für einen katholischen Träger zählt der Glaube ebenfalls zu den sieben Qualitätsbereichen. „Wie wird Glaube im Alltag gelebt? Wie vermitteln wir Kindern unseren Glauben? Welche Haltung haben wir zu anderen Religionen und ihren Festen?“, nennt Vanessa Clemens einige Aspekte, mit denen sich die Kita-Teams im Zuge des Qualifizierungsprozesses auseinandersetzen.
Und spricht damit einen weiteren wichtigen Punkt an: „Der ganze Prozess liegt nicht alleine bei der Leitung. Das ist Teamsache.“ In Schulungen setzt sich das Personal intensiv mit den einzelnen Bereichen auseinander, zu denen auch der Sozialraum rund um die Einrichtung, die Zusammenarbeit mit den Eltern, aber auch der pastorale Raum gehören.
Als Qualitätsbeauftragte ist Vanessa Clemens seit vier Jahren für die Zertifizierung der Einrichtungen mit dem sogenannten Qualitätsbrief zuständig. Auch die Schulungen führt Clemens selbst durch.
Dabei nutzt sie gerne das Bild vom Haushalt, erklärt sie ihren alltagspraktischen Ansatz. Da reiche es ja auch nicht, die Wäsche zu waschen und zu bügeln. In den Schrank müsse man sie auch noch räumen.
Was sie damit meint: Es reiche nicht aus, Leitlinien zu definieren. Es müsse sich auch jemand zuständig fühlen und schließlich für die Umsetzung des Beschlossenen im Alltag sorgen.
In jährlichen Qualitätsgesprächen mit dem ganzen Team schließlich würde genau diese Umsetzung überprüft. Im Fokus hat Clemens bei diesen Gesprächen Fragen wie: „Was hat geklappt, was nicht? Wo hakt es? Aber immer auch: Was braucht ihr?“
Gespräche stehen auch immer am Abschluss des Zertifizierungsprozesses. Dazu reisen Evaluatoren, die vom Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder KTK ausgebildet werden, in die Einrichtungen und werfen gemeinsam mit der Kita-Leitung einen prüfenden Blick auf das erarbeitete Konzept.
Ein bisschen erinnert diese Abschlussrunde an den TÜV-Bericht fürs Auto: Hinweise, Empfehlungen und positive Anmerkungen seitens der Evaluatoren geben den weiteren Weg vor. „Stillgelegt“ wird allerdings keine Einrichtung.
„Viele Hinweise lassen sich schnell umsetzen“, weiß Vanessa Clemens inzwischen, „und manches fällt erst im Tun auf.“ Doch genau das sei eigentlich die wichtigste Erkenntnis: „Es geht um Weiterentwicklung und darum, die Teams in ihrer Arbeit zu bestärken.“
Für die Kita St. Michael ist diese letzte Hürde jetzt genommen. Damit sind nun 32 von 42 Profinos-Einrichtungen zertifiziert. Sieben weitere sollen bis Jahresende noch folgen. Die restlichen drei werden bedingt durch Leitungswechsel im kommenden Jahr nachziehen.
Nach fünf Jahren können die Einrichtungen dann eine Re-Zertifizierung anstreben und ihre Arbeit erneut gründlich unter die Lupe nehmen.




















