Eine alte Schreibmaschine wird in Jülich zum Museumstück. Keine außergewöhnliche Schönheit, kein Schatz, sondern vielmehr ein Alltagsgegenstand, der Geschichte erzählt. Beim Sammelmittwoch des Hauses der Geschichte Nordrhein-Westfalens brachten Jülicher Einwohner genau solche Dinge vorbei.
Was zunächst unscheinbar wirken mag, steht für einen Wandel in der Museumsarbeit: Weg von kostbaren Einzelstücken, hin zu Geschichten aus dem Alltag und nah an den tatsächlichen Lebensrealitäten der Menschen. Neben der Schreibmaschine wurden im Laufe des Nachmittags weitere Gegenstände genannt, etwa Skiwachs, eine Sektflasche oder ein altes Fotoalbum, welche die Jülicher dem Museumsmobil entweder zeigten oder auch abgaben.
Schon vor Beginn des Sammelmittwochs, wartete eine Dame gemeinsam mit ihrem Mann voller Vorfreude auf die Abgabe ihres Gegenstands. Dabei handelte es sich um eine Schreibmaschine der Firma „Adler“. Diese sei ein Weihnachtsgeschenk aus dem Jahr 1961 gewesen und wurde ihr zusammen mit einem bis heute gut erhaltenen Lehrbuch überreicht. Die Schreibmaschine hatte einen prägenden Einfluss auf Leben, denn später wurde sie Bürokauffrau.
Dr. Jürgen Peter Schmied berichtete, dass ab 16 Uhr ein großer Andrang am Sammelmittwoch herrschte. Unter anderem wurde ein altes Skiwachs aus den 1960er Jahren abgegeben. Die Besitzerin erzählte, dass sie als Kind mit ihrer Familie regelmäßig in die Eifel und ins Sauerland gereist sei, um dort Wintersport zu betreiben. Darüber hinaus wurde laut Schmied eine sehr schöne Sektflasche aus den 2000er Jahren abgegeben mit dem Aufdruck Deutscher Meister Bayer Leverkusen. Reinhold Wagner hatte diesen Schatz gehütet. Die Flasche blieb ungeöffnet, da der Verein in letzter Sekunde doch nicht Meister wurde – aber die bedruckte Flasche schon im Umlauf war. Außerdem wurden einige Dokumente aus der Nachkriegszeit eingereicht, wie zum Beispiel ein Reisepass aus der britischen Besatzungszone und eine Postkarte, die ein Sohn während der Kriegsgefangenschaft an seinen Vater schrieb.
Zudem wurde den Experten des Museumsmobils ein altes Fotoalbum gezeigt, dass das gesamte Leben des Vaters des Besitzers dokumentierte. Dieser war gegen Ende des zweiten Weltkriegs als Flakhelfer eingesetzt und arbeitete später an einem Institut für Textilforschung in Krefeld. An dem Album zeigten die Experten großes Interesse, jedoch wurde es letztlich nicht abgegeben.
Gebeten wurde bei dem Sammelmittwoch vor allem um Gegenstände aus der Zeit nach 1946. Gegenstände, welche zeigen sollen, wie sich Leben und Erinnerungen in der Nachkriegszeit entwickelt haben. Dr. Jürgen Peter Schmied betonte, dass gerade das Unvorhersehbare den Reiz des Sammelmittwochs ausmache. Es sei spannend, weil man nie wisse, welche Objekte gebracht würden und genau darin liege die besondere Qualität. Jedes Mal entstehe so eine positive Überraschung. Außerdem zeige sich immer wieder, welch unterschiedliche Bedeutungen Gegenstände für Menschen haben und welche persönlichen Erinnerungen oder Lebensgeschichten mit ihnen verbunden sind.
Als das Ausstellungsstück des Ortes Jülich erwies sich die Mittelwellensenderöhre, die im Kalten Krieg verwendet wurde, um zum Beispiel die deutsche Welle zu übertragen. Sie wurde in den 2000er Jahren abgebaut.
Begleitend zum Sammelmittwoch war eine Woche lang auf dem Kirchplatz das sogenannte MuseumMobil aufgebaut, das Exponate aus dem Düsseldorfer Haus der Geschichte in verschiedene Orte und damit direkt zu den Menschen bringt. Die Idee zur mobilen Ausstellung ist quasi aus der Not geboren, denn der Behrensbau, der das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens beherbergt, wird derzeit renoviert und ist deshalb geschlossen. Weitere Informationen zum MusuemMobil gibt es auf der Seite des Haus der Geschichte NRW.

haben und hatten die Möglichkeit, in einem 90-minütigen Workshop neue Seiten am bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland sowie seiner historischen Entwicklung zu entdecken. Begleitet werden sie dabei von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Düsseldorfer Stiftung sowie Lehrkräften des Gymnasium Haus Overbach (GHO).
GHO-Schulleiter Thorsten Vogelsang freut sich über das nicht ganz alltägliche Angebot zur Auseinandersetzung mit der Geschichte Nordrhein-Westfalens: „Dass in diesen 80 Jahren häufig und erfolgreich um Kompromisse gerungen wurde, kann uns sicherlich auch für die Zukunft ein Beispiel sein.“ Die Erfahrungen während der Workshops werden im Anschluss von allen Projektbeteiligten gemeinsam evaluiert und ausgewertet.























