Für die Osterferien hatte das Museumsteam zwei Workshops in den Rucksack gepackt: Beim „Upcycling“ durften und sollten Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren ihrer künstlerisch-erfinderischen Ader freien Lauf lassen und aus alten, kaputten, ausrangierten Dingen etwas Neues erschaffen. Künstler Ernesto Marques übernahm die „Reiseleitung“ beim ersten der beiden Frühlingsangebote des Museums, Ziel: das antike Rom.
„Eigentlich finde ich Ägypten cooler als die Römer“ hielt Viertklässlerin Tia für sich fest, ihrer Kreativität tat das jedoch wenig Abbruch. Im Handumdrehen wurde zwei abgenutzte Trennscheiben zur Halskette umfunktioniert. Bis aus Holzresten, Schaschlikspießen und einem Stückchen Metall jedoch der geplante Streitwagen wurde, brauchte es ein wenig mehr Geduld, Farbe und vor allem: Kleber. Die Heißklebepistole erwies sich als fast wichtigstes Utensil, ab und an musste Marques zum Elektrowerkzeug greifen und die Hölzer auf die gewünschte Länge einkürzen. Denn: „Elektrisches Werkzeug ist Chefsache“, grinst der Profi. Die Teilnehmerinnen selbst hantierten mit „harmloseren“ Dingen wie Schleifpapier, Schraubenzieher oder Cuttermesser, und das hochkonzentriert, jedenfalls meistens – Zeit für ein bisschen Spaß abseits der „Baustelle“ blieb natürlich auch.
Leider hatten sich nur drei Schülerinnen für den „Upcycling“-Workshop angemeldet, bedauert Miriam Schwarz vom Museum Zitadelle. Die Vorlaufphase samt Werbung sei leider etwas knapp ausgefallen. Die drei Mädchen und ihren künstlerischen Mentor störte das wenig, gemeinsam arbeiteten sie mit viel Spaß an ihren Römer-Projekten. Mit spitzem Bleistift und kritischem Blick etwa widmete sich eine junge Baumeisterin ihrer „Festung“, die noch ein Portal benötigte. Bei Carlotta entstand derweil aus den Resten einer Dämmplatte das Fundament des Colosseums. Zwischendurch wanderte Marques‘ Blick immer wieder auf die Wanduhr, denn schließlich stand noch ein Ausflug auf dem Tagesprogramm. „Der Besuch im Museum gehört immer dazu“, erläutert Miriam Schwarz. An diesem Tag sollte es in den Schlosskeller gehen, schließlich gab es dort noch römische Originale zu bewundern.
Für die Sommerferien haben sich Schwarz und ihre Kollegen bereits zahlreiche kreative Angebote überlegt. So sollen Marionetten gebaut werden, auch Gestalten mit Pappmaché steht auf dem Zettel, ein gemeinsames Kunstwerk aus Naturmaterialien und Selbstporträts anhand von digitalen Selfies als Vorbild sollen ebenfalls entstehen. Carlotta jedenfalls hat für ihre Sommerferien bereits einen Workshop fest eingeplant.
Die Idee hinter dem Landesprojekt „Kulturrucksack“ ist es, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen möglichst früh einen breiten Zugang zu kultureller Bildung zu ermöglichen. Um das zu erreichen, stellt das Kulturministerium jährlich rund 4 Millionen Euro zur Verfügung, die als Fördergelder von interessierten Kommunen beantragt werden können. In Jülich gibt es über diesen Weg unter anderem kostenlose Angebote in Kooperation mit dem Museum, der Musikschule und der Volkshochschule. Zu finden sind die Jülicher Angebote am besten über die Homepage des Museums oder des Kulturbüros der Stadt.



























