Asthma bronchiale ist nicht nur ein einfacher gelegentlicher Husten, es ist eine komplexe chronische Erkrankung der Atemwege, die den Alltag der Betroffenen massiv einschränkt. Im Rahmen der Jülicher Gesundheitsstunde, dem gemeinsamen OPatientenforum des Krankenhauses Jülich und der AOK, gaben Experten tiefe Einblicke in den aktuellen Stand von Diagnosen und Therapien. Unter dem Titel “Luft nach Oben” hielten Abudlbassit Alshian, Sektionsleiter der Pneumologie, und Dr. Christoph Walter, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, einen Vortrag zu den neusten Erkenntnissen, wie moderne Medizin aktuell helfen kann, die Atemnot zu besiegen.
Die Relevanz des Themas belegen aktuelle Zahlen: Mehr als vier Prozent der deutschen Bevölkerung sind an Asthma erkrankt. Regional gibt es deutliche Unterschiede, berichtete Alshian: Mit einer Rate von 4,92 Prozent liegt Nordrhein-Westfalen im bundesweiten Vergleich weit oben.
Ein zentraler Punkt des Vortrags war die Unterscheidung zwischen Asthma und der Lungenerkrankung COPD. Während Asthma oft bereits im Kindesalter beginnt und durch allergische Auslöser geprägt ist, tritt die als COPD bekannte Chronisch Obstruktive Pulmonare Krankehit (Desease) meist erst nach dem 40. Lebensjahr auf. Lungenspezialist Alshian erklärte das Ziel der Behandlung: „Bei der medikamentösen Therapie geht es vor allem darum, die Entzündung in den Bronchien zu unterdrücken und die Überempfindlichkeit der Atemwege zu senken. Das Ziel ist eine bestmögliche Asthmakontrolle – also ein Alltag ohne ständige Beschwerden.“
Neben der klassischen Therapie mit Inhalationssprays rückt die moderne Präzisionsmedizin immer weiter in den Fokus. Bei schwerem Asthma, das trotz herkömmlicher Behandlung unkontrollierbar bleibt, bieten sogenannte Biologika neue Hoffnung. Diese biotechnologisch hergestellten Antikörper greifen gezielt in die Entzündungsprozesse des Körpers ein, wie Dr. Walter erläuterte. Anders als Kortison, das eher unspezifisch im gesamten Körper wirkt, unterbrechen diese Medikamente präzise die Entzündungskette. Dadurch lassen sich nicht nur Asthmaanfälle reduzieren und die Lungenfunktion verbessern, sondern vor allem auch der Bedarf an belastenden Kortisongaben senken.
Besonders interessant für die Besucherinnen und Besucher des Vortrags war die Vorstellung neuer ultra-langwirksamer Medikamente, die nur zweimal jährlich angewendet werden. Das Ziel dieser modernen Ansätze ist die sogenannte klinische Remission. Ein Zustand, in dem Patienten weitgehend symptomfrei leben können. „Je nach Definition erreichen 30 bis 38 Prozent der Patienten nach einer Biologika-Therapie diesen Zustand der Beschwerdefreiheit‘, berichteten die Mediziner.
Im Jülicher Krankenhaus können sich Betroffene beraten lassen. Das Krankenhaus bietet eine spezialisierte Unterstützung an. Die Pneumologische Ambulanz steht für Termine und weiterführende Diagnostik zur Verfügung. Die Terminvereinbarung ist unter der Telefonnummer 02461 / 620-2371 möglich.



















