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Die Euregio liest

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Ein ganzes Leben & Das größere Wunder
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Schaut man sich die Sieger und die Nominierten der vergangenen Jahre an, entdeckt man manche Überraschung und ausgezeichnete Tipps. 2003 gewann Ludovic Roubaudi mit „Der Hund von Balard“, eines meiner Lieblingsbücher, 2011 siegte „Der Engelmacher“ von Stephan Brijs mit seinem Euregio-Thriller. 2012 setzte sich Kristoff Magnusson mit „Das war ich nicht“ gegen sehr starke Konkurrenz durch. Herman Koch, Michael Köhlmeier, Eric-Emmmanuel Schmitt und Dimitri Verhulsts gingen leer aus. Herman Koch holte sich den Preis dann zwei Jahre später.
So langsam wird es spannend, denn man weiß nie, wie die jüngeren Leser entscheiden. Als deutschsprachige Bücher sind in diesem Jahr zwei Österreicher im Rennen. Als heißer Favorit gilt meines Erachtens Robert Seethaler mit „Ein ganzes Leben“. Für die, die dieses kleine Buch noch nicht gelesen haben, hier das Wichtigste in Kürze.
Als Andreas Egger in das Tal kommt, in dem er sein Leben verbringen wird, ist er ungefähr vier Jahre alt. Er wächst zu einem gestandenen Hilfsknecht heran und schließt sich als junger Mann einem Arbeitstrupp an, der eine der ersten Bergbahnen baut und mit der Elektrizität auch das Licht und den Lärm in das Tal bringt. Dann kommt der Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird. Erst viele Jahre später, als Egger seinen letzten Weg antritt, ist sie noch einmal bei ihm. Und er, über den die Zeit längst hinweggegangen ist, blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen. Eine einfache und tief bewegende Geschichte ohne viele Worte. Robert Seethaler, 1966 in Wien geboren, sein 2014 erschienenes „Ein ganzes Leben“ wurde euphorisch von der Presse gefeiert.
Der zweite deutsche Beitrag hat eher Außenseiterchancen und ist mein Geheim-Tipp für Leser, die wissen, wie sich das Leben in einer Höhe über 5000 m Höhe anfühlt. Glavinic schickt seinen Lieblingshelden Jonas, den wir schon aus „Die Arbeit bei Nacht“ und „Das Leben der Wünsche“ kennen, auf den Mount Everest. Doch jeder Jonas ist ein anderer und hier ist er Tourist in der Todeszone, er nimmt an einer Expedition zum Gipfel des Mount Everest teil. Während des qualvollen Wartens auf den Aufstieg hängt er seinen Erinnerungen nach. An seine wilde Kindheit, an das grausame Schicksal seines Bruders Mike, an seine Beziehung zu Werner, seine Reisen zu allen Surf-Paradiesen und zu seinem Baumhaus nach Norwegen. Und schließlich an die magische Begegnung mit Marie, seiner großen Liebe, die sein ganzes Leben verändert. Thomas Glavinics neuer Roman ist eine Expedition ins Ungewisse – eine ständige Begenung mit der Gefahr und der Todessehnsucht und doch ein Buch der Liebe.
Thomas Glavinic wurde 1972 in Graz geboren. 1998 erschien sein Debüt Carl Haffners Liebe zum Unentschieden. Das größere Wunder (2013). Aktuell hat er mit dem „Jonas-Komplex ein weiteres Buch veröffentlicht, erneut mit seinen Konstanten Jonas, Werner und Marie.

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