Was haben ein Heiliger, ein Dutzend Oberstufenschüler, eine deutsche Schriftstellerin und eine Goldschmiedin gemeinsam? Die neu geschaffene Franz-von-Sales-Medaille bringt sie alle zusammen. Was ein wenig nach Quadratur des Kreises klingt, ist recht naheliegend, folgt man Marco Maria Emunds. Als Schüler selbst Teil einer Jury, verfiel „Leseratte“ Emunds der Idee, einen eigenen Preis zu kreieren und so Overbacher Schülerinnen und Schüler für zeitgenössische deutschsprachige Literatur zu begeistern.
Passenderweise hält Franz von Sales als Heiliger seine schützende Hand nicht nur über Journalisten. Auch Schriftsteller zählen zu seinen Schutzbefohlenen. Da „seine“ Ordensgemeinschaft, die „Oblaten des Heiligen Franz von Sales“, als Schulträger eng mit dem GHO verbunden ist, lag auch hier die Verbindung nahe. Nun prangt das Antlitz des heiligen Mannes auf einer Medaille, die von der Koslarer Goldschmiedemeisterin Anja Schlader geschaffen wurde. „Das hat richtig Spaß gemacht“, strahlt die Kunsthandwerkerin, „so ein Auftrag ist etwas Besonderes.“ Auf ihrem Modell aus Silber und Messing ist der Heilige mit Mitra, Schriftrolle und Feder dargestellt, erhabene Buchstaben rahmen sein Bildnis ein. Für die „ganz andere Tiefe“ hat die Goldschmiedin alle Lettern einzeln ausgesägt und aufgesetzt. Auf der Rückseite bleibt Platz für den Namen der Preisträgerin. In diesem Jahr geht die Medaille an Caroline Wahl für ihren Roman „Windstärke 17“.
Warum die, Achtung Wortspiel, Wahl auf sie gefallen ist, haben die zwölf Schülerinnen und Schüler selbst erklärt: Innerhalb von sechs Monaten haben die Mitglieder des „Literaturclubs“ fünf Bücher gelesen, alle von ihnen selbst vorgeschlagen – die beiden beteiligten Lehrkräfte hatten ebenfalls ein Vorschlags- und später auch das Stimmrecht. In die engere Auswahl kommen nur Werke, die folgende Kriterien erfüllen: zeitgenössisch, sprich höchstens drei Jahre alt, deutschsprachig und maximal 500 Seiten stark. Ausgeschlossen sind Sachbücher.
Über die Gründe für den Sieg des Romans „Windstärke 17“ ist sich die Jury einig: anders formulierte Dialoge, ein moderner Sprachstil und ein ernstes Thema. Die Szenenbeschreibungen einer jüngeren Person hat ihnen besonders zugesagt. Das Lesen fiel dadurch einfach, so dass es den jungen Lesern und Leserinnen leichtfiel, in dem Buch zu versinken. Ein guter Einstieg, um als Jugendlicher oder Jugendliche die Lesefreude zu wecken oder wiederzufinden.
Sympathie und Sorge um die Protagonistin Ida spielten im Leseprozess einiger eine große Rolle. Auch wenn das Schicksal von Ida nicht mit dem eigenen übereinstimmt, finden die Schüler sich in Alltagssituationen wieder. Der Roman werde dadurch greifbarer, und es gelingt, sich in sie hineinzuversetzen. „Windstärke 17“ ist die Fortsetzung des Romans „22 Bahnen“. Einige Jury-Mitglieder konnten mit dem Vorwissen aus dem ersten Roman gut an den zweiten Band anknüpfen. Aber auch wer den Erstling nicht kannte, hatte keine Probleme, mit dem Gewinner-Roman direkt in die Geschichte einzusteigen. Während manche gerne wissen würden, was zwischen den beiden Romanen bei den zwei Schwestern passiert ist, betitelt Tim Postma „Windstärke 17“ als einen „runden Abschluss“. Doch die Mitglieder des Clubs hoffen auf noch mehr Literatur von Caroline Wahl.
Die erste Franz-von-Sales-Medaille wird am 22. April in der Aula des Gymnasiums verliehen. Caroline Wahl erhält nicht nur ihre Auszeichnung verbunden mit Urkunde und gestiftetem Preisgeld, sondern liest auch aus ihrem Werk. Bücherverkauf und Signierstunde sind ebenfalls geplant.
Wer dabei sein möchte, kann über diesen link eine Karte bestellen pretix.eu/GymHausOverbach/Medaille2026/. Zusätzlich gibt ab dem 23. März auch in der Stadtbücherei Eintrittskarten zu kaufen.
Künftig soll die Franz-von-Sales-Medaille alle drei Jahre verliehen werden. „Damit“, so Marco Maria Emunds, „hat jeder, der bei uns die Oberstufe besucht, die Möglichkeit, einmal Jury-Mitglied zu sein.



















