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Menschen und freie Wünsche

Wenn man schon nicht in die Welt hinausgehen kann, kommt die Welt im Idealfall nach Hause. Am besten geht das per Fantasiereise.

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„Das Problem mit Idioten ist, dass sie zu idiotisch sind, um ihre Idiotie einzusehen!“

Eine Fee und ein paar freie Wünsche, für viele Menschen die Traumvorstellung schlechthin. Aber nur die wenigsten wissen, was sie sich konkret wünschen würden. Und was bitte soll man von einer Fee halten, die zwar gerade befördert wurde, die aber keine Wünsche erfüllen kann, die in die Bereiche Unsterblichkeit, Gesundheit, Geld oder Liebe fallen?

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Genau einer solchen Fee sehen sich die fünf Protagonisten der Märchen von Jakob Arjouni gegenüber. Sie reagieren wie nahezu erwartet: Sie stellen sich die großen Fragen der Menschheit, fallen ins Grübeln und plötzlich weiß keiner mehr, was er sich wünschen will, weil er das Wesentliche in seinem Leben schon lange aus den Augen verloren hat. „Idioten“ beleuchtet die Abgründe menschlichen Lebens und Wünschens – die materielle Gier und Egozentrik. Die unglaubliche Beschränktheit jedes Einzelnen, der hoffnungslos in seinem eigenen Mikrokosmos gefangen ist – nicht in der Lage sich zu befreien. Denn die Fünf hängen, jeder auf sich allein gestellt, in ihrer eigenen kleinen Welt fest. Nicht fähig, sich auch nur ein wenig von sich selbst zu entfernen, um einen Blick auf ihr eigenes Leben werfen zu können. Arjouni schafft fünf Geschichten und Umfelder, denen nichts Menschliches fremd ist. Fünf Protagonisten, die allesamt höchst eigenartig sind und dabei nicht wirklich sympathisch. Hätte das Buch eine Aura, wäre diese bestimmt grau. Da der Autor die Geschichten so düster und ausweglos hält, dass es fast zum Heulen wäre, würde man die Protagonisten nicht sowieso nicht mögen.

„Idioten“ zu lesen ist wie der ungeliebten und unsympathischen Seite eines Selbst beim Versagen zu zuschauen und deshalb absolut empfehlenswert.

BUCHINFORMATON
Jakob Arjouni: Idioten – Fünf Märchen | 160 Seiten | Diogenes Verlag 2003 | ISBN 978-3-257-23389-6 | 10,- Euro

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Andrea Esser
In Jülich geboren und dann nach der Schule ab in den Süden zum Studium der Wortjonglage. Nach einer abwechslungsreichen Lehrzeit mit den Prominenten dieser Welt, überwog das Heimweh nach dem schönen Rheinland und Jülich im Speziellen. Deckname Lottofee, liebt ihre Familie, Süßigkeiten, Kaffee, alles Geschriebene und Torsten Sträter. Anfällig für sämtliche Suchtmittel (nur die legalen natürlich). Hat schon mal eine Ehrenurkunde gewonnen und ihre erste Zeitung bereits mit zehn Jahren herausgegeben. Hauptberuflich strenger Händchenhalter eines Haufens vornehmlich junger Männer. Der Tag hat notorisch zu wenige Stunden für alle Pläne und kreativen Vorhaben, die meiste Zeit etwas verwirrt.

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