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Spuren

Wenn man schon nicht in die Welt hinausgehen kann, kommt die Welt im Idealfall nach Hause. Am besten geht das per Fantasiereise.

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Foto: Verlag
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Die Leiche treibt in einiger Tiefe im Wasser. Die langen schwarzen Haare noch unversehrt, erinnern an Gorgonenarme. Das Gesicht ist dem Meeresgrund zugewandt…“

Spuren – etwas, das wir alle gerne im Leben hinterlassen möchten. Auch Emilie hinterlässt Spuren… Rückwirkend, verwirrend, ergreifend. Nicolas Michels Roman „Emilies letzte Reise“ versteht man nur langsam und ebenso rückwirkend. Datum für Datum rückwärts erzählt, entwirrt sich die Geschichte um die schöne wie talentierte Emilie – ein Leben, schon früh zum Tod bestimmt. Ein fiktives Realitätstagebuch, in dem die Schöne an vielen Orten den unterschiedlichsten Menschen begegnet, wenn man bei einer Toten noch von Begegnung sprechen kann. Der Autor streift in diesen episodenhaften Ausschnitten die Lebensgeschichten höchst verschiedener Menschen, und alle werden durch Emilie beziehungsweise ihre Leiche an einem Punkt ihrer Seele berührt, der sie erinnert an tief verborgene Wünsche oder bestärkt in schon bekannten Leidenschaften. Als würden sie durch die Besonderheit Emilies zu neuem Leben erweckt oder zumindest in ihren Sehnsüchten bestärkt. All diese Menschen mitsamt ihren Geschichten reiht der Autor auf wie auf einer Perlenkette, verbunden durch ihren Kontakt zu Emilie.

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Nach etwa zwei Dritteln seines Romans setzt Nicolas Michel einen zweiten Teil an. Beginnend mit einem Gedankenstrich, einer gedanklichen Pause, bricht er mit seiner Geschichte und setzt neu an im Zeitfluss. Und endlich darf der Leser der lebendigen Emilie begegnen, darf erfahren, wie sie lebte, wo sie herkam, wie außergewöhnlich sie war, und auch wie es zu all dem anderen kommen konnte. Überraschend auch die Erklärung für ihren Tod: Wer mit einem Verbrechen gerechnet hat, wird in die Banalität der Realität zurückgezogen. Ihr Tod ist nichts als Natürlichkeit.

Nicolas Michels zweiter Roman behält über die ganze Länge seine Poesie und Bild- haftigkeit. „Emilies letzte Reise“ ist ein träumerisches Buch für alle, die gerne über das Leben, die Liebe und den Tod grübeln.

BUCHINFORMATON
Nicolas Michel: Emilies letzte Reise | 159 Seiten | Klett-Cotta | ISBN-13: 978-3608933499 | 16,- Euro

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Andrea Esser
In Jülich geboren und dann nach der Schule ab in den Süden zum Studium der Wortjonglage. Nach einer abwechslungsreichen Lehrzeit mit den Prominenten dieser Welt, überwog das Heimweh nach dem schönen Rheinland und Jülich im Speziellen. Deckname Lottofee, liebt ihre Familie, Süßigkeiten, Kaffee, alles Geschriebene und Torsten Sträter. Anfällig für sämtliche Suchtmittel (nur die legalen natürlich). Hat schon mal eine Ehrenurkunde gewonnen und ihre erste Zeitung bereits mit zehn Jahren herausgegeben. Hauptberuflich strenger Händchenhalter eines Haufens vornehmlich junger Männer. Der Tag hat notorisch zu wenige Stunden für alle Pläne und kreativen Vorhaben, die meiste Zeit etwas verwirrt.

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