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Eine, die vor allem Hirn im Kopf hat

Seit mehr als 25 Jahren kartiert sie das menschliche Gehirn, in verschiedenen wissenschaftlichen Projekten, mit unterschiedlichen Teams. Ergebnis der unermüdlichen Forschungsarbeit von Katrin Amunts ist ein neuer Atlas des Gehirns, mit inzwischen 270 Hirn-Arealen - mehr und detaillierter als je zuvor ein Atlas gezeigt hat.

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Katrin Amunts. Foto: Forschungszentrum Jülich / Sascha Kreklau
Katrin Amunts. Foto: Forschungszentrum Jülich / Sascha Kreklau
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Irgendwann wollte sie mal Tonmeisterin werden, so wie der Papa, der bei der DEFA (Deutsche Film AG) für den richtigen Klang sorgte. „Das wäre sicherlich auch ein spannender Beruf gewesen“, sinniert Professor Dr. med. Katrin Amunts kurz. Bedauern über die spätere Berufswahl gibt es jedoch ganz ausdrücklich keines, schließlich sei die Medizin „so unglaublich vielfältig“.
Schon vor dem Schulabschluss gewann die Faszination für Medizin die Oberhand. Als sie dann auch noch hörte, dass man im Ausland studieren könne, stand ihr Entschluss fest: Gleich nach dem Abitur zog Katrin Amunts nach Moskau. Sechs Jahre dauerte das Studium in der im Winter bitterkalten russischen Hauptstadt – ihr persönlich erlebter Rekord liegt bei -28° Celsius. Dafür, dass es die gebürtige Potsdamerin ausgerechnet nach Moskau zog, gab es einen guten Grund: Die dortige Hochschule bot die eher ungewöhnliche Fachrichtung Medizin mit der Spezialisierung für Biophysik an.
Das ohnehin anspruchsvolle Studium wurde durch die fremde Sprache nicht unbedingt einfacher. Zwar habe sie, wie alle Schulkinder in der DDR, von der 5. Klasse an, russisch lernen müssen, dennoch „hat sich rausgestellt, dass man noch viel lernen muss“, kann Amunts in der Rückschau lächeln.

Seit Jahrzehnten gilt einem sehr speziellen Fachgebiet das besondere Interesse der Forscherin: dem menschlichen Gehirn in all seinen Facetten. „Ich erstelle einen Atlas des Gehirns“, bringt sie ihr täglich Brot (oder besser: einen Teil dessen) kurz und bündig auf den Punkt. Das sei durchaus vergleichbar mit Google Maps, erläutert Amunts dem leicht verdutzten Gegenüber. Und genau wie es bei der allgegenwärtigen Landkarte längst Usus ist, kann tatsächlich jeder Otto-Normal-User auf die in jahrelanger mühevoller Forschungsarbeit gewonnenen Daten zugreifen. Bei der Datenaufbereitung und Analyse hilft übrigens der berühmte Supercomputer JUPITER, der für Katrin Amunts stellvertretend für die vielen Vorteile des Forschungsstandorts Jülich steht. Das interdisziplinäre Umfeld am Forschungszentrum FZJ, die europäische und internationale Vernetzung, die starken Partner seien es, die ihre Forschung so überhaupt erst möglich machen.

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Auch über das Berufliche hinaus fühlt sie sich in ihrer Wahlheimat Jülich wohl und das hat viele Gründe: die vielen jungen Leute, die kurzen Wege und auch, „dass man sich hier kennt“ – kurz und gut ist die Herzogstadt für Katrin Amunts einfach ein „gutes Umfeld“. Zurück zum Beruf: Gleich zu Beginn ihrer Karriere am FZJ hat sich das hiesige Pflaster als ein gutes erwiesen. Ein von Professor Joachim Treusch, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden, initiiertes „Frauen-Sofort-Programm“ half der promovierten Medizinerin in ihrer neuen Funktion als Arbeitsgruppenleiterin entscheidend weiter. Eine Kombination aus Institutionenkenntnis, Coaching und Mentoring bot den jungen Wissenschaftlerinnen Unterstützung. „Meine Mentorin war Frau Süssmuth“, berichtet Katrin Amunts, und weiter: „Ich habe das ganze Programm als etwas sehr besonderes empfunden.“

Inzwischen leitet die Professorin das Institut für Neurowissenschaften und Medizin INM-1 am Forschungszentrum, ist als CEO für EBRAINS, die europäische digitale Infrastruktur für Hirnforschung verantwortlich und hält als Direktorin auch am Cécile und Oskar Vogt Institut der Universität Düsseldorf die Fäden in der Hand. Auf die Frage, wie sie das alles unter einen Hut bringt, muss Katrin Amunts lachen. „Gute Organisation“ lautet wohl die Zauberformel. Natürlich sei das manchmal sehr viel, anspruchsvoll und habe sicherlich seinen Preis, aber „es macht Spaß“. Ihre vielen Aufgaben empfindet Amunts denn auch eher als Bereicherung. Für Entspannung sorgen Sport, lesen, Gartenarbeit, Filme schauen und sehr gerne auch Reisen, am liebsten ins Lieblingsland Italien. „Ich mag die Kultur, die Mentalität, das Essen. Es ist einfach schön“, gerät sie förmlich ins Schwärmen. In Konzerte gehen und Museen besuchen würde sie auch gerne, ergänzt Katrin Amunts dann noch. Wann für alle diese Dinge Zeit bleibt? Ach, auch das sei wohl eine Frage der Organisation: „Wenn man wenig Zeit hat, nutzt man sie eben um so intensiver.“

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Britta Sylvester
Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinische Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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