Am 13. September 1996 verstarb mit Tupac Shakur einer der wichtigsten Rapper und Musiker aller Zeiten. Als Erinnerung daran, dass seine Musik auch 30 Jahre nach seinem Tod noch relevant ist, ist die LP des Monats sein drittes Studioalbum „Me Against the World“ – beziehungsweise sein viertes, wenn man das „Thug Life“-Projekt mitzählt.
Das Album zählt nicht nur zu 2Pacs besten Werken, sondern gilt als eines der bedeutendsten Alben überhaupt. Es zeigt eindrucksvoll, warum 2Pac bis heute einen so großen Einfluss auf Hip-Hop und die Musik insgesamt hat.
Fast könnte man es als Soul-Album bezeichnen – nicht unbedingt wegen seines Sounds, sondern vor allem wegen seiner persönlichen, emotionalen und leidenschaftlichen Texte. Besonders deutlich wird das bei „Temptations“. Der Song handelt von Einsamkeit, Sehnsucht und dem Verlangen nach Nähe und vermittelt eine leidenschaftliche, intime Stimmung.
Auch „Dear Mama“ zeigt diese persönliche Seite. 2Pac rappt über seine tiefe Liebe, seinen Respekt und seine Dankbarkeit gegenüber seiner drogenabhängigen Mutter Afeni Shakur. Gleichzeitig schildert er seine schwierige Kindheit, Erfahrungen mit Armut und die Stärke einer alleinerziehenden Frau im Ghetto. Diese Mischung aus Verletzlichkeit, Ehrlichkeit und Wertschätzung war damals etwas Neues im Hip-Hop.
Zur Entstehungszeit befand sich 2Pac in mehreren schwierigen Situationen, die den düsteren Ton des Albums prägten. Er musste sich wegen einer Anklage wegen sexueller Übergriffe vor Gericht verantworten, beteuerte bis zu seinem Tod seine Unschuld und sah darin eine gezielte Falle. Misstrauen, Paranoia und die Angst vor dem eigenen Tod ziehen sich deshalb durch Songs wie „If I Die 2Nite“, „So Many Tears“, „Lord Knows“ und „Death Around the Corner“.
Nur einen Tag vor der Urteilsverkündung wurde 2Pac am 30. November 1994 auf dem Weg zu einem Musikstudio fünfmal angeschossen. Er überlebte den Anschlag und erschien am nächsten Tag im Rollstuhl und mit Verbänden im Gerichtssaal. Das Urteil lautete auf eine Haftstrafe von eineinhalb bis viereinhalb Jahren. Obwohl die Aufnahmen zu „Me Against the World“ bereits kurz zuvor abgeschlossen waren, prägten diese Ereignisse die Stimmung des Albums maßgeblich.
Das Album erschien am 14. März 1995, während 2Pac bereits im Gefängnis saß. Trotzdem erreichte es Platz 1 der Billboard-Charts und war damit das erste Album, das diese Position erreichte, während sich der Künstler bei Veröffentlichung im Gefängnis befand.
Was 2Pac besonders macht, ist seine Rolle als Stimme der US-amerikanischen Unterschicht. Wie kaum ein anderer verstand er es, Wut, Armut, Hoffnung und Träume in poetische Worte zu fassen. Seine Texte waren von Schmerz, aber ebenso von Hoffnung und Lebenswillen geprägt. Er gab Menschen eine Stimme, die sich von der Gesellschaft übersehen oder nicht gehört fühlten. Diese Mischung aus Härte, Verletzlichkeit und ehrlichen Geschichten macht seine Musik bis heute bedeutend.
Mit gerade einmal 25 Jahren verstarb Pac – doch zur Stimme des Volkes war er längst geworden. Sein Einfluss prägte eine ganze Generation und reichte weit über die Musik hinaus. In dieser Hinsicht lässt er sich durchaus mit Musikikonen wie John Lennon und Bob Dylan vergleichen, die ebenfalls für ganze Generationen zu Sprachrohren ihrer Zeit wurden. Dass Pacs Worte Jahrzehnte nach seinem Tod noch immer Menschen erreichen und bewegen, zeigt die außergewöhnliche Bedeutung seines Vermächtnisses und macht ihn zu einem der wichtigsten Musiker der Musikgeschichte.



















