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Aufklären, mahnen, informieren

Hunderte rote Herzen, allesamt mit schwarzem Trauerflor, zogen auf dem Schlossplatz die Blicke auf sich. Sie sollen an viele vermeidbare Sepsis-Tode erinnern und gleichzeitig aufrütteln und für Aufklärung sorgen.

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Plakataufruf. Foto: Britta Sylvester
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Aufklären, informieren und die lebensbedrohlichen Gefahren einer Sepsis stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken, das ist es, was die Jülicherin Kerstin Martensen umtreibt, seit vor zwei Jahren ihr Sohn Jann an den Folgen einer unerkannten Sepsis gestorben ist.

Zum zweiten Mal hat sie deshalb – mit „viel Unterstützung von tollen Menschen“ – auf dem Jülicher Schlossplatz eine Aktion mit Mahnmal, Infostand und Informationswänden initiiert. Eine Aktion, die unter anderem von der Landesbehinderten- und Patientenbeauftragten Claudia Middendorf begleitet wurde. „Sie hat sofort zugesagt“, freute sich die Initiatorin.

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Auch der Mediziner Professor Michael Booke, der als Sepsisforscher in der „Vorreiterregion Sepsis“ im Main-Taunus-Kreis engagiert ist, kam eigens nach Jülich. Gemeinsam mit Kerstin Martensen standen sie Interessierten Rede und Antwort, bevor bei einem anschließenden Treffen im Stammhaus nächste Schritte besprochen wurden.

Eine der wichtigsten Forderungen, die Martensen und die Deutsche Sepsis-Stiftung haben, ist die Ausstattung von Rettungswagen mit Warnaufklebern. Sepsis ist genauso ein Notfall wie ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt, nur müssten die Symptome rechtzeitig erkannt werden. Eine Forderung, die auch bereits beim zweiten runden Tisch gegen Sepsis gestellt wurde.

380 rote Herzen auf dem Schlossplatz. Foto: Britta Sylvester

Ziel von Mahnmal und Infoständen ist insbesondere, über Symptome und Früherkennung aufzuklären und deutlich zu machen, dass eine Sepsis ein medizinischer Notfall ist. Viel zu wenigen Menschen sei die Gefahr bewusst, weiß Kerstin Martensen. So sei es auch ihrem Mann und ihr selbst gegangen.

Aber auch medizinisches Fachpersonal wisse oftmals viel zu wenig über die Symptome, weswegen so häufig die richtige Behandlung zu spät komme. An der Stelle verweist Martensen nach Großbritannien, wo „Martha’s Rule“ im Kampf gegen die Sepsis seit zwei Jahren dazu beiträgt, Leben zu retten.

Marthas Regel geht zurück auf ein 13-jähriges Mädchen, das 2021 nach einem Fahrradunfall an den Folgen einer Sepsis starb. Im Krankenhaus hatte man nicht auf besorgte Fragen der Familie reagiert. Vereinfacht dargestellt, besagt „Martha’s Rule“, dass Angehörige meist schneller verstehen, dass mit einem Patienten „etwas nicht stimmt“ und das medizinische Personal diese Hinweise ernst nehmen und abklären sollte.

Kerstin Martensen (rechts) sorgte für Aufmerksamkeit für ihr wichtiges Anliegen. Foto: Britta Sylvester

Für die hiesige Vorreiterregion – und am liebsten für ganz Deutschland – soll „Janns Regel“ greifen. Sie steht für J wie „Jede Verschlechterung ernst nehmen“, A wie Angehörige aktiv einbeziehen, N wie Neubewertung niedrigschwellig einbeziehen und das zweite N wie Notfälle konsequent ausschließen. Sicherlich auch das ein Thema beim geplanten Sepsis-Gipfel im nordrhein-westfälischen Landtag, den Martensen und ihre Mitstreiter jetzt anstreben.

Auf einer eigenen Internetseite informiert die Jülicher Initiative um Kerstin Martensen unter anderem über geplante Aktionen und Forderungen.


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