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Nibirii: Düren mal anders sehen und hören

Utz, utz, utz. Drei Tage lang wummerte der Bass vom Dürener Badesee über das Festivalgelände hinaus. Vom 28. bis 30. August fand dort die sechste Ausgabe des Nibirii Festivals statt.

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Im Wortsinne ein Feuerwerk musikalischer Unterhaltung. Foto: Oliver Garitz
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Das Festival war ausverkauft: Insgesamt 60.000 Besucher kamen an den drei Tagen zum Badesee. Mehr als 140 Artists und fünf unterschiedliche Bühnen machten das Gelände zu einer eigenen kleinen Welt – und die hatte weit mehr zu bieten als nur Musik.

Techno, Trance und Drum and Bass bilden die drei musikalischen Säulen des Festivals. Genau diese Mischung gehört zum Konzept von Nibirii und sorgt dafür, dass sich die einzelnen Bereiche des Geländes deutlich voneinander unterscheiden. Wer zwischen den Bühnen unterwegs war, bekam entsprechend unterschiedliche elektronische Klangwelten zu hören.

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Eine der auffälligsten Anlaufstellen war die Pyramid Stage. Schon durch ihre namensgebende pyramidenartige Konstruktion stach sie aus dem Festivalgelände heraus. Besonders in den Abendstunden wurde die Bühne durch Licht und Feuer zu einem der optischen Höhepunkte. Auch das Publikum konnte hier Teil der Show werden: Wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort war oder lange genug wartete, hatte die Möglichkeit, hinter dem DJ auf der Bühne mitzutanzen.

Ähnlich war es auf der Unreal Stage, wo es musikalisch allerdings deutlich härter zuging. Über die langgezogene Konstruktion der Bühne konnten auch hier Besucher hinter dem DJ tanzen und wurden so selbst Teil des Geschehens. Musikalisch standen vor allem Techno und Hard Techno im Mittelpunkt. Die langgezogene Konstruktion machte die Unreal Stage dabei nicht nur zu einem besonderen Ort zum Tanzen, sondern auch optisch zu einem der markanteren Bereiche des Festivals.

Wer dagegen auf Drum and Bass und basslastige elektronische Musik aus war, fand auf der Forest Stage seinen Platz. Die Bühne lag mitten im Grünen und war damit schon durch ihre Lage anders als die großen offenen Festivalflächen. Zwischen Bäumen und Lichtinstallationen entstand dadurch eine ganz eigene Atmosphäre.

Direkt am Wasser wartete die Lagoon Stage. Hier konnte barfuß im Sand getanzt werden, während im Hintergrund das Wasser lag. Damit war die Bühne nicht nur musikalisch, sondern auch optisch ein Kontrast zu den großen Hauptbühnen. Etwas abseits versteckte sich die Hidden Stage in einem kleinen Wäldchen. Sie war kleiner und abgeschiedener als die großen Bühnen und bot dadurch eine intimere Atmosphäre. Wer sich vom Trubel der Hauptbereiche entfernen wollte, fand hier eine etwas ruhigere, gleichzeitig aber nicht weniger elektronische Alternative.

Gerade der Wechsel zwischen den fünf Bühnen machte einen großen Teil des Festivalerlebnisses aus. Gleichzeitig zeigte sich aber auch eine Schwäche des Konzepts: Innerhalb der einzelnen Bereiche blieb der Sound teilweise sehr ähnlich. Obwohl mehr als 140 Künstler auf dem Programm standen, waren die Unterschiede zwischen einzelnen Sets nicht immer deutlich zu hören. Die größte musikalische Abwechslung entstand deshalb vor allem durch den Wechsel von einer Bühne zur nächsten.

Doch Nibirii lebt nicht ausschließlich von seinen DJs. Ein großer Teil des Erlebnisses spielte sich zwischen den Bühnen ab. Auf dem weitläufigen Gelände gab es zahlreiche Möglichkeiten, sich auch abseits der Musik zu beschäftigen. So konnten Besucher unter anderem kostenlos Wasserski fahren oder Banana-Boat fahren. Gerade für Menschen, die mit elektronischer Musik nicht besonders viel anfangen können, bot das Festival damit einen zusätzlichen Grund, sich auf dem Gelände aufzuhalten.

Überhaupt war das Publikum ein wesentlicher Bestandteil der Veranstaltung. Auffälliger als so mancher musikalische Moment waren die zahlreichen ausgefallenen Festival-Outfits. Von nahezu gar nichts bis hin zu dicken Mänteln war alles vertreten.

Viele Besucher hatten sich sichtbar Gedanken über ihre Kleidung gemacht und mit ungewöhnlichen Kombinationen ihre eigene Vorstellung von Festivalmode umgesetzt. Dadurch entstand ein Bild, das mindestens genauso sehr zum Charakter von Nibirii gehörte wie die Musik.

Auch die Bühnen selbst waren mehr als bloße Konstruktionen für DJs. Jede Stage hatte ihren eigenen Stil und war aufwendig gestaltet. Licht, Visuals, Dekorationen und technische Effekte sorgten dafür, dass die einzelnen Bereiche auch ohne Musik erkennbar gewesen wären.

Besonders nach Einbruch der Dunkelheit zeigte sich, wie stark Nibirii auf die visuelle Inszenierung setzt. Ein Höhepunkt war die erstmals integrierte Drohnenshow am Samstagabend. Rund 200 Drohnen zeichneten gemeinsam mit dem Feuerwerk leuchtende Bilder in den Himmel über dem Badesee.

Seit der Gründung im Jahr 2019 hat sich Nibirii zu einem festen Bestandteil der Festivalszene entwickelt. Was zunächst regional begann, zieht inzwischen Besucher und Künstler weit über den Kreis Düren hinaus an. Internationale Acts machen Düren für ein Wochenende zu einem Treffpunkt der elektronischen Musikszene.

Genau darin liegt auch eine Besonderheit des Festivals: Nibirii versucht nicht, ausschließlich über große Namen zu funktionieren. Musik, Bühnen, Natur, Freizeitangebote und das Publikum greifen ineinander. Selbst wer mit Techno, Psytrance oder Drum and Bass wenig anfangen kann, findet auf dem Gelände Möglichkeiten, den Tag zu verbringen. Und wer sich einfach treiben lässt, entdeckt zwischen Badesee, Wald, Sand, Lichtshows und ungewöhnlichen Outfits eine Festivalwelt, die mit dem normalen Düren nur noch wenig gemeinsam hat.

Dass das Festival trotz seiner Größe weitgehend reibungslos verlief, zeigt auch die Bilanz der Polizei Düren. Insgesamt rund 60.000 Besucher kamen über die drei Festivaltage zum ausverkauften Nibirii-Festival. Aus Sicht der Polizei verlief die Veranstaltung insgesamt ruhig und weitgehend störungsfrei. Neben vereinzelten Lärmbeschwerden, Drogendelikten und einem Platzverweis blieb die Veranstaltung friedlich. Ein 32-jähriger Mann wurde wegen Körperverletzung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und eines offenen Haftbefehls festgenommen.

So wurde für drei Tage der Badesee damit nicht nur zur Konzertfläche, sondern zu einem Ort, an dem elektronische Musik und Festivalleben miteinander verschmolzen. Nibirii zeigt, warum das Festival inzwischen weit über die Region hinaus bekannt ist.

Und es soll weiter wachsen: Die siebte Ausgabe des Nibirii Festivals wurde bereits für den 27. bis 29. August 2027 angekündigt. Damit steht fest, dass der Dürener Badesee auch im kommenden Jahr wieder zum Treffpunkt für Fans elektronischer Musik werden soll. Die Voranmeldung für die Tickets für nächstes Jahr läuft bereits.


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