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Unser Dorf soll Disko werden

Fortsetzungsroman: Teil 10 – Als Schwarz noch schwarz und Weiß noch weiß war

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Fortsetzungsroman Teil 10 | Foto: HERZOG
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Die Fahrt dauert nicht mehr lange und das ist auch gut so, denn die Geschichten aus den hinteren Reihen beginnen so langsam meine Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Wieso lacht der ganze Bus, obwohl ich das gar nicht lustig finde? Helmi stellt sich, bevor wir anhalten kurz noch auf den Gang des Busses und erklärt was jetzt Sache ist:

1. Bus verlassen, Hotel beziehen

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2. 15 Uhr Aufbau, 16 Uhr Soundcheck

3. Heute Abend mal nicht übertreiben, Normen

Ich bedanke mich und schleiche an ihm vorbei um in meinem kleinen Hotelzimmer, welches ich mir wie in der Nacht zuvor mit Helmi teile, etwas Ruhe zu suchen. Das klappt auch, denn er selbst hat auch keine Lust mehr darüber zu reden, was alles passiert ist. Also nach vorne schauen: „Aber der Gig war geil.“, lobt er mich. „Ich meine ihr alle habt ne fette Show abgezogen, aber du warst richtig gut.“ „Danke.“, bedanke ich mich, ohne mir ein ehrliches breites Grinsen auf meinen Lippen nicht verkneifen zu können oder gar zu wollen. „Bei dir denn alles gut?“ „Was soll denn nicht gut sein? Die Tour ist erst zwei Tage alt.“ „Ja, aber Probleme zeigen sich doch meist früh und bleiben lang.“ „Nein. Alles cool.“ „Ich dachte nur, weil du im Bus auch immer alleine sitzt und so.“ „Muss mich wohl noch was einleben.“, kann ich Helmi entgegnen und ihn damit auch erstmal zufrieden stellen.

Bei meinem anschließenden Spaziergang durch Eschersheim fallen mir nur zwei Möglichkeiten ein, die dieses Gespräch erklären. Erstens: Helmi hat eine verdammt hohe Aufmerksamkeitsrate. Zweitens: Den anderen fällt auf, dass ich mich abkapsel, während ich noch darüber nachdenke, ob ich das tue. Klar ist jedoch, dass ich mehr in Gedanken auf Tour bin als in Taten. Schade eigentlich, denn so passiert hier ziemlich wenig, sagt eine Stimme in meinem Kopf mit einem Ton, als wäre der Gedanke gerade per E-Mail gekommen. Aber wozu Dramatik, wenn es auch gemütlich geht? Muss denn immer alles aufregend sein? Ich kaufe mir ein Eis und mache mich schlussendlich auf in Richtung Batschkapp. Die Band wird sicher schon warten und der Soundcheck kann sicher bald beginnen. Kein Wunder, dass so wenig passiert. Ein Tourtag ist irgendwie immer gleich – es sei denn man leistet sich ein paar Eskapaden – sagt die Stimme im Kopf. Aber diese Eskapaden wurden mir ja nun verboten.

Als ich im Backstage der Batschkapp stehe, wartet Dan schon, aber nicht nur auf mich, sondern auch auf Torben. Dass dieser zehn Minuten zu spät kommt, bleibt bis dahin auch das Aufregendste. Ein schwarz-weißer Tag ist auf Höhe Halbzeit. Ein paar Stunden später, kurz vor unserem Auftritt, macht es auf ein mal „Schwupp!“ und was soll ich sagen: Mein Puls ist hoch, meine Hände schwitzen, mein Atem wird schneller. Wir stehen hinter der Bühne und warten darauf, dass das Licht gedimmt wird, warten darauf, dass die Menge leiser wird, warten darauf, dass Helmi uns raus schickt. Der komplette Tag mit seiner Monotonie, mit seiner Langweiligkeit, mit seiner langen Busfahrt und mit den nervigen Geschichten… Wir betreten die Bühne und der schwarz-weiße Tag wird bunt.


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