Start Galerie Wenig Publikum, viel Energie

Wenig Publikum, viel Energie

Im KuBa in Jülich standen an diesem Abend Fluegge und Malheur auf der Bühne, die alles geben – doch vor der Bühne bleibt es überraschend leer. Zwischen druckvollem Punkrock und atmosphärischen Momenten entsteht eine fast private Konzertstimmung, die zugleich eine größere Frage aufwirft.

0
0
TEILEN
Malheur rockt die KuBa-Kneipe. Foto: Ariane Schenk
- Anzeige -

Die Band Fluegge, die mittlerweile fast schon zum Hausinventar des KuBa gehört, eröffnete das Konzert. Die aus Jülich stammende Gruppe ist vor allem für ihren deutschsprachigen Punkrock mit melancholischen Einflüssen bekannt. An diesem Abend stand Fluegge jedoch nicht nur auf der Bühne, sondern übernahm zugleich die Rolle des Veranstalters – ein Prinzip, das in der Szene fast schon überlebenswichtig ist. Wie sich die beiden Bands kennengelernt haben, erklärt Fluegge-Frontmann Tobi: „Wir haben letztes Jahr viel gespielt, da ist auch unsere EP rausgekommen. Im Zuge dessen waren wir in Münster in der Baracke.“ Dort entstand schließlich auch der Kontakt zu Malheur. „Wir machen das immer so: Wenn wir Bands kennenlernen und bei ihnen spielen können, holen wir sie im Gegenzug auch zu uns. Man spielt sich die Bälle hin und her, weil es sonst einfach schwierig ist, an Auftrittsmöglichkeiten zu kommen“, so Tobi.

Nach Fluegge betrat die Punkband Malheur die Bühne im KuBa. Der Auftritt begann energiegeladen und mit atmosphärischer Stimmung – ähnlich wie zuvor. Im weiteren Verlauf entwickelte sich der Sound jedoch deutlich in Richtung härterer Rock, teilweise sogar Metal. Auch vereinzelte Growling-Passagen des Frontsängers waren zu hören – eine Gesangstechnik aus dem Metal-Bereich, bei der ein tiefes, raues und aggressives Knurren erzeugt wird. Die Energie auf der Bühne war deutlich spürbar: Gitarrist und Frontsänger – zugleich auch am Bass – bewegten sich viel und sprangen über die Bühne. Die aus Münster stammende Band besteht aus Sänger und Bassist Merten, Gitarrist Jens und Schlagzeuger Hannes. Kennengelernt haben sich die Mitglieder allerdings nicht auf klassischen musikalischen Wegen, sondern eher zufällig – bei einem Sportkurs. Aus ersten gemeinsamen Sessions entwickelte sich Schritt für Schritt das heutige Projekt; komplettiert wurde das Line-up schließlich durch eine Empfehlung aus dem Freundeskreis. Musikalisch bewegt sich das Trio zwischen Druck und Gefühl: deutschsprachiger Post-Hardcore, der nicht nur nach vorne geht, sondern auch mit Sprache spielt. Die Band selbst beschreibt ihren Sound als „wuchtig und atmosphärisch romantisch“ – eine Mischung, die sich vor allem live entfaltet.

- Anzeige -

Obwohl nur wenige Leute anwesend waren, war die Stimmung unter den Zuschauern gut. Vielleicht lag es gerade daran, dass die geringe Besucherzahl eine fast private Atmosphäre entstehen ließ. Gleichzeitig zeigt sich hier ein Problem, das in der lokalen Konzertszene immer häufiger zu beobachten ist: Vor der Bühne standen an diesem Abend nur rund 20 Besucher – kein Einzelfall. Woran es liegt, bleibt offen. Zieht es die Menschen bei wärmeren Temperaturen eher nach draußen? Gibt es einen Generationswechsel im Publikum? Oder erreicht die Werbung nicht mehr genügend Interessierte? Wahrscheinlich ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Dabei bietet das KuBa beste Voraussetzungen für Live-Veranstaltungen: zwei Bühnen, eine zentrale Lage direkt am Bahnhof und eine gewachsene Szene, besonders im Bereich Punk und Metal. Dennoch stellt sich die Frage, wie lange sich diese Situation noch tragen lässt. Ohne ausreichend Publikum geraten selbst engagierte Projekte irgendwann unter Druck. Ein möglicher Ansatz wäre, das Programm behutsam zu erweitern – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Andere musikalische Richtungen oder alternative Veranstaltungsformate könnten helfen, neue Besuchergruppen anzusprechen und den Altersdurchschnitt stärker zu durchmischen. Fest steht: Orte wie das KuBa sind für Städte wie Jülich keine Selbstverständlichkeit. Sie leben von Unterstützung, Interesse und Beteiligung. Umso wichtiger ist es, solche kulturellen Räume zu erhalten – damit Live-Musik auch in Zukunft ihren Platz in der Region behält.

Wer selbst im KuBa dabei sein will, kann am 3. Juni zum dritten „Klare Kante“-Konzert im KuBa gehen, was auch von Fluegge veranstaltet wird. Dabei werden sie aber nicht selber auf der Bühne stehen, sondern The Snouters mit Support von Kommando Butterfahrt und Wegbier.

Tickets dazu gibt es auf der Webseite vom KuBa und über folgenden Link: https://www.ztix.de/kuba-juelich/events/klare-kante-3-8EQVmo

Galerie: Oliver Garitz, Ariane Schenk


§ 1 Der Kommentar entspricht im Printprodukt dem Leserbrief. Erwartet wird, dass die Schreiber von Kommentaren diese mit ihren Klarnamen unterzeichnen.
§ 2 Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.
§ 3 Eine Veröffentlichung wird verweigert, wenn der Schreiber nicht zu identifizieren ist und sich aus der Veröffentlichung des Kommentares aus den §§< 824 BGB (Kreditgefährdung) und 186 StGB (üble Nachrede) ergibt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here