Das Deutsch-Südafrikanische Jugendwerk e. V. (DSJW) wurde am 23. März 1991 im damaligen Hotel Kaiserhof in Jülich gegründet. Initiator und 33 Jahre lang Bundesvorsitzender war Michael Lingnau, der den Verein bis 2024 leitete und über Jahrzehnte maßgeblich prägte. Aus einer lokalen Initiative entwickelte sich so eine Organisation mit deutschlandweiter Strahlkraft.
Der Ursprung des DSJW liegt in einer politischen Auseinandersetzung Ende der 1980er-Jahre. In Jülich organisierte die Junge Union eine große Veranstaltung zum Thema Südafrika und Apartheid. Kurz darauf reiste 1990 eine Delegation junger Leute unter Lingnaus Leitung für drei Wochen nach Südafrika. Sie erlebten ein Land im historischen Umbruch – die Freilassung von Nelson Mandela, die politische Öffnung, das Ende der Apartheid in greifbarer Nähe. „Es kann doch nicht sein, dass wir jetzt wieder landen und einfach zum Alltag übergehen“, beschreibt Lingnau rückblickend den Moment im Flugzeug auf dem Rückweg. Noch über den Wolken fiel die Entscheidung: Es braucht eine dauerhafte Brücke zwischen Deutschland und Südafrika. Ein Jahr später wurde das Jugendwerk in Jülich gegründet.
Das Deutsch-Südafrikanische Jugendwerk ist eine gemeinnützige Organisation, die junge Menschen für mehrere Monate nach Südafrika vermittelt und sie während ihres Aufenthalts intensiv begleitet. Angesprochen werden vor allem 18- bis 25-Jährige, die praktische Erfahrungen im Ausland sammeln und ihren persönlichen wie beruflichen Horizont erweitern möchten. Die Aufenthalte dauern in der Regel zwischen drei und zwölf Monaten. In dieser Zeit engagieren sich die Teilnehmenden in Praktika, Studienprogrammen, Freiwilligendiensten oder in sozialen und gemeinnützigen Projekten. Inhaltliche Schwerpunkte liegen dabei insbesondere in der Jugendhilfe, im Gesundheitsbereich, in der Bildungsförderung sowie in der Landwirtschaft und Umweltbildung. Neben fachlichen Einblicken geht es immer auch um das Leben und Arbeiten in einem neuen kulturellen Umfeld und um die Erfahrung gesellschaftlicher Verantwortung. Das Jugendwerk übernimmt die vollständige Organisation des Programms. Vor der Ausreise finden Auswahlgespräche und eine umfassende Vorbereitung in Deutschland statt. Während des Aufenthalts werden die Teilnehmenden vor Ort betreut und begleitet, nach ihrer Rückkehr schließt sich eine Nachbereitung an. So entsteht ein verlässlicher Rahmen, der Orientierung bietet und die Auslandserfahrung nachhaltig absichert.

Auch wenn die Geschäftsstelle zu Beginn in Bonn saß, heute in Bad Honnef sitzt und das Jugendwerk bundesweit arbeitet, liegt der Ursprung in Jülich. Heute zählt das DSJW rund 250 Mitglieder und hat seit 2024 mit Meike Brückmann eine würdige Nachfolgerin für Michael Lingnau, der seitdem die Position des Ehrenvorsitzenden innehat. Für Lingnau war das Jugendwerk immer mehr als nur eine Organisation: Es entsprach seiner Überzeugung, offen zu sein für andere Kulturen und über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Die Erfahrungen in Südafrika hätten ihn selbst geprägt und verändert. Mehr Informationen über das Jugendwerk findet ihr auf der offiziellen Website des DSJW.


















