„Momentan legen wir hier die Fläche frei“, sagt Stefan Sistemich, Amtsleiter des Tiefbauamtes der Stadt Jülich, beim erbetenen Ortstermin. Am Morgen war bereits der Archäologe vor Ort. „Er hat geguckt, ob er etwas findet“, sagt Sistemich. Gefunden wurde bislang nichts. Noch nicht.
Ab Montag geht es tiefer – buchstäblich. Dann beginnen die Arbeiten für den Kanalanschluss an der Kölnstraße, anschließend wird der Entwässerungskanal für das Oberflächenwasser über den Platz hinweg verlegt. In denselben Graben kommen Strom, Glasfaser und weitere Versorgungsleitungen. Alles, was später gebraucht wird: für Veranstaltungen, für Buden beim Weinfest, für den Kunsthandwerkerinnen-Markt, für WLAN-Hotspots, die künftig über die Lampen laufen sollen.
Der ursprüngliche Plan, den Schlossplatz zu einer „wohnlichen Begegnungsstätte“ zu entwickeln, mit charmant geschwungen Wegen und Verweilgelegenheiten ist den schwindenden Finanzmitteln zum Opfer gefallen. Im Dezember 2024 fiel der Ratsbeschluss für eine große, zusammenhängende Veranstaltungsfläche, die mit einem sogenannten Klimastein gepflastert wird. „Der ist als Festplatz kommuniziert worden“, sagt Sistemich. Die Kunstrasenfläche, die viel Zuspruch erhalten hat, ist Geschichte. Der Klimastein sei nicht grün, aber funktional. Er speichert Wasser und gibt es zeitverzögert wieder ab. Wenn die Sonne auf den Platz brennt, heizt er sich weniger stark auf. „Ein ökologischer Mix“, nennt Sistemich das. Über das Design hätten andere entschieden. Und bewegliches Grün auf dem Platz, wie beispielsweise Blumenkübel? Möglich. Aber auch das ist noch nicht entschieden.
Der Zeitplan für die Umsetzung ist ambitioniert. Zum Weinfest im Juli soll hier wieder gefeiert werden können. „Das ist das Ziel“, sagt Sistemich. Aktuell sehe es gut aus, auch weil mit zwei, teilweise sogar drei Kolonnen gearbeitet werden könne. Doch ein großes Fragezeichen bleibe: die Archäologie. Unter dem Schlossplatz verläuft die alte Stadtmauer. Derzeit habe man den Platz stellenweise bereits bis zu 60 Zentimeter freigelegt. Für die Leitungen muss jedoch bis zu 1,20 Meter tief gegraben werden. „Wir werden die Mauer mit Sicherheit irgendwo finden“, sagt Sistemich. Was dann passiert, entscheide die Archäologie. Vorgesehen ist, so Sistemich, die Mauer punktuell zu durchbrechen und die Leitungen hindurchzuführen. Während der Archäologe seine Arbeit tue, könne an anderer Stelle weitergearbeitet werden. Planung unter Vorbehalt.

Auch das Thema Ausstattung ist noch in Bewegung. Feste Bänke sind ausgeschrieben, aber das Eventmanagement der Stadt wünscht sich herausnehmbare Sitzmöglichkeiten für bessere Flexibilität. Die Laternen – das Modell vom Marktplatz – werden ebenfalls aufgestellt. Möglicherweise nicht rechtzeitig zum Kunsthandwerkerinnen-Markt. Hier berührt der Zeitplan allerdings die Festivitäten nicht, denn „im Juni und Juli ist es lange hell“, stellt Sistemich fest.
Ein Bauschild mit Visualisierung soll bald zeigen, wie der Platz einmal aussehen wird. Geplant ist ergänzend ein Selfie-Point, der gemeinsam vom Innenstadtbeirat und dem Verein Stadtmarketing e.V. initiiert wurde. Im Gespräch, so gibt Stefan Sistemich schmunzelnd zu wissen, sei auch eine Eislaufbahn. Ob das ganz ernst zu nehmen ist, bleibt ungewiss. Im Sommer? Vielleicht eine Rollschuhbahn? Der Amtsleiter zuckt mit den Schultern. Sicher ist: Die neue Treppenanlage mit Blick auf die Zitadelle kommt. Sie soll zum Sitzen, Verweilen, Zuschauen einladen.
Noch müssen Fußgängerinnen und Fußgänger aber bis mindestens Juni um den Platz herumgehen. Weitere Sperrungen sind geplant, aber erst nach Karneval. „Ich möchte vorher nicht zu viel sperren“, sagt Sistemich. Schritt für Schritt. Fast am Ende fällt Dierk Timm, kommissarischer Leiter des Tiefbauamtes, noch etwas ein: „Der Trinkbrunnen.“ Der kommt auch noch. Mit einer neuen Baumscheibe auf der linken Seite.




















