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Ein Stück Zukunft mit viel Vergangenheit

Die Grundsteinlegung des Neubaus für die Diakonie, die Superintendentur und das Verwaltungsamt des Kirchenkreises Jülich vollzogen Superintendent Jens Sannig und Verwaltungsleiter Christian Preutenborbeck. Martin Schulz (Beigeordneter der Stadt Jülich), Christian Fensterer (Hahn Helten Architekten) und Hermann Dulle (Vorstand der BOB AG) vermittelten Grüße und persönliche Eindrücke.

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Foto: Arne Schenk
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„Wer zu mir kommt, also wer in dieses Haus kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Mit ergänzender Formulierung münzte Superintendent Jens Sannig die Jahreslosung für 2022 nach Johannes 6,37 auf den Neubau für Diakonie, Superintendentur und Verwaltungsamt des Kirchenkreises Jülich. Dann fügte er nach Jesaja 28,16 noch hinzu: „Mögen die Menschen, die in diesem Haus arbeiten und an der sichtbaren Kirche Jesu Christi mitgestalten, von Jesus und von Gott gesegnet sein.“

Immerhin soll es ein Gebäude sein, in dem sich die Menschen wohlfühlen. Dazu las Sannig ein Beschreibung der Verwaltungsgeschichte vor, die anschließend mit der Zeitkapsel in einen dafür vorgesehenen Fach am Neubau eingeschlossen wurde, um die Anwesenden dadurch ein kleines Stück durch die Geschichte mitzunehmen. Vom kreiskirchlichen Rentamt, das neben der Abwicklung der Kassengeschäfte für die Kirchengemeinden und den Kirchenkreis die Verwaltung und Verteilung der Kirchensteuer zur Aufgabe hatte, vollzog sich allmählich über die Jahre ein Wandel, so dass zusätzliche Aufgaben hinzukamen. Das ursprüngliche Rentamt sei übrigens zunächst in einem kleinen Raum in einem Privathaus am Propst-Bechte-Platz untergebracht gewesen.

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Zwischenzeitlich zog die Verwaltung 1966 in das damals neue Gebäude Ecke Düsseldorfer / Schirmerstraße, in dem die Superintendentur, der Kreissynodalrechner und zugleich Geschäftsführer des synodaler Hilfswerks, das Rentamt mit der Kirchensteuerverteilungsstelle, der kirchliche Jugendleiter und die Synodalbücherei zusammengebracht wurden. Nach einigen Änderungen ist es zum jetzigen Sitz von Diakonie, Superintendentur und Verwaltung geworden.

Foto: Arne Schenk

Als 2012 energetische Renovierungen anstanden, entwickelten sich Überlegungen, ob diese an einem Ort, der ohnehin zu klein für die aktuellen Ansprüche war, sinnvoll seien. Allmählich kristallisierte sich die Vision heraus, ein neues Gebäude auf dem Alten Evangelischen Friedhof zu errichten. Daran konnte sich Martin Schulz, der in Vertretung von Bürgermeister Axel Fuchs die Stadt Jülich bei der Grundlegung vertrat und bereits unter dem damaligen Bürgermeister Heinrich Stommel als Technischer Beigeordneter fungierte, noch gut erinnern.

„Das war eine lange Planungsphase“, erzählte er von dem Zeitpunkt, als er zum ersten Mal von Verwaltungsleiter Christian Preutenborbeck eingeladen worden war, um die Idee vorzustellen. Das Grundstück, wo der Bau entstehen sollte, sei aus unterschiedlichen Gründen ganz besonders: aus der Historie heraus als Evangelischer Friedhof sowie wegen seiner Nähe zur Zitadelle. Dies habe somit zu vielen Diskussionen geführt, auch in der Ratsversammlung. Dabei habe Heinrich Stommel als umsichtiger Vermittler gewirkt. Somit könne die Verwaltung des Evangelischen Kirchenkreises Jülich mit dem gesamten Mitarbeiterstab in das neue Gebäude am alten Standort Propst-Bechte-Platz umziehen.

Mit dem Architekten Helten hätten die Bauherrn großes Glück gehabt, „dass sie jemanden gefunden haben, der hier ein Gebäude hingesetzt hat, das wirklich dem Ort gerecht wird“. Es sei „ein Gebäude, das dem Ort Ruhe gibt, das nicht aufgeregt ist, das trotzdem die Leute willkommen heißt“. Beeindruckt ließ er sich im Anschluss von Preutenborbeck durch das Neue Amt führen und alles erklären.

Im Sinne des klimagerechten Wirtschaftens soll der Neubau ein außerordentlich umweltverträgliches, energieeffizientes und naturschonendes Bürogebäude sein und einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens 2015 leisten, hatte zuvor Jens Sannig bereits betont. Etwas Angemessenes und dabei eine moderne Zukunftswelt schaffen, ohne „das große Feuerwerk abzufackeln“, sei die ursprüngliche Überlegung gewesen, erklärte Christian Fensterer vom Architektenbüro Hahn Helten. „Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen.“ Obwohl arg über Materialien und Schadstoffe gerungen wurde, empfand er den Austausch im Nachhinein als gut. „Für mich ist es schön, auch einmal einen Bauherrn zu erleben, der diese Haltung hat, dem das nicht egal ist.“

Nach dem „Ur-BOB“, das seit über 20 Jahren in Aachen betrieben wird, sei dies eines der ersten Projekte das in der weiteren Welt umgesetzt worden sei, unterstrich Hermann Dulle, Vorstand der BOB AG. „Es ist sehr zeitgemäß.“ Auch wenn es dem Gebäude nicht anzusehen sei, „ist es schon ein Stück Zukunft. Wir verheizen kein Gas.“ Stattdessen werde als regionaler Energieträger Erdwärme und Erdkühlung benutzt. Der dafür benötigte Strom entstehe zu großen Teilen per PV-Anlage auf dem Dach. „Also ein dezentrales Kraftwerk, das wirklich zukunftsweisend ist und das in die Zeit passt. Ein Stück Anstoß für die Klimawende.“

Klimagerechtes Bauen mit heimischen Energieträgern und Baustoffen ließe sich auch ohne großen Verzicht realisieren. Es stehe der Evangelischen Kirche gut zu Gesichte, dabei Vorreiter zu sein. So erhält das Gebäude als Auszeichnung auch die entsprechende DGNB-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.

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