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IHK-Konjunkturumfrage: Stimmung in der Wirtschaft kippt

Die aktuelle Lage der Wirtschaft in der Städteregion Aachen und in den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg ist noch überwiegend positiv, die Unternehmerinnen und Unternehmer blicken jedoch äußerst pessimistisch in die Zukunft. Das sind die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen.

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Die IHK legt das Konjunkturbarometer Rheinland an. Foto: pixabay
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Rund 330 Unternehmen mit mehr als 29.000 Beschäftigten haben sich an der IHK Konjunkturumfrage beteiligt. „Die Wirtschaft steht vor einem Wendepunkt – oder hat ihn sogar schon überschritten“, bewertet Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen, das aktuelle Konjunkturklima in der Region.

Ein Drittel der befragten Betriebe ist mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden, bei knapp jedem vierten haben sich die Geschäfte verschlechtert. „Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine, die weiterhin hohen Energiekosten sowie die starke Inflation führen zu einer deutlichen Kaufzurückhaltung und einem Nachfragerückgang, was wiederum die Planungssicherheit der Unternehmen belastet“, erklärt Bayer. In der Industrie haben inzwischen bereits 15 Prozent aller Betriebe Kurzarbeit angemeldet, weitere 5 Prozent rechnen damit kurzfristig.

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Im Kreis Düren bewertet eine kleine Mehrzahl der Unternehmerinnen und Unternehmer die aktuelle Lage negativ: 25 Prozent melden gute Geschäfte, bei 28 Prozent sind sie schlecht. Die überwiegende Zahl der Befragten glaubt nicht an eine Verbesserung in den kommenden Monaten: Nur 13 Prozent erwarten bessere Geschäfte, 35 Prozent sind skeptisch.

Die gegenwärtigen Herausforderungen wirken sich auch auf die Ertragslage aus, die sich bei der überwiegenden Zahl der Befragten verschlechtert hat. Infolgedessen haben sich die Erwartungen der Unternehmerinnen und Unternehmer deutlich eingetrübt. Rund ein Drittel rechnet mit schlechteren Geschäften in den kommenden Monaten, kaum jeder Fünfte geht von einer Verbesserung aus. Auch beim Export erwartet die Mehrzahl der Befragten einen Rückgang der Geschäfte.

Trotz aller Sorgen bleiben die Investitionspläne noch weitgehend stabil. Gleiches gilt für die Beschäftigungsabsichten. Aufgrund des unverminderten Arbeits- und Fachkräftemangels bemühen sich die Unternehmerinnen und Unternehmer, das Personal trotz der schwierigen konjunkturellen Lage zu halten. Gleichzeitig gibt die Hälfte aller Antwortenden an, dass sie offene Stellen gegenwärtig nicht besetzen können.

Sorge vor einem Einbruch der Inlandsnachfrage wächst
Als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung sehen sechs von zehn Unternehmerinnen und Unternehmern inzwischen einen Rückgang der Inlandsnachfrage, geringfügig weniger befürchten, dass der Arbeits- und Fachkräftemangel die Konjunktur ausbremst. Steigende Energie- und Rohstoffpreise werden von 56 Prozent der Befragten als Herausforderung genannt – deutlich weniger als zum Jahresbeginn, da waren es noch 78 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit hat sich kaum verändert. Die Quote in der Region Aachen liegt aktuell bei 6,6 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte niedriger als bei der zurückliegenden Befragung. Auf Landesebene (7,2 Prozent) sowie auf Bundesebene (5,7 Prozent) liegt die Quote auf demselben Niveau wie im Frühjahr.

Geschäftslage und Erwartungen der Befragten im Detail
In der Industrie berichtet eine kleine Mehrzahl der Unternehmerinnen und Unternehmer von einer guten Geschäftslage, die negativen Bewertungen sind seit der zurückliegenden Befragung jedoch weiter gestiegen. Jeder Vierte ist mit der Lage nicht zufrieden, jeder Dritte meldet noch gute Geschäfte. Bei der überwiegenden Zahl der Betriebe sind die Umsätze in den vergangenen Monaten gesunken. Die Auslastung der Produktionskapazitäten ging um 2 Prozentpunkte auf 80 Prozent zurück und liegt damit unter dem langjährigen Durchschnitt von 81,0 Prozent.

Bei den Dienstleistern hat sich die Lage seit dem Frühjahr leicht verschlechtert, bleibt aber noch deutlich im positiven Bereich. 42 Prozent der Befragten geben an, dass sie mit ihren Geschäften zufrieden sind, 19 Prozent sind es nicht. Bei 44 Prozent sind die Umsätze in den zurückliegenden Monaten gestiegen, bei jedem Dritten gesunken.

Der Handel leidet weiterhin unter der hohen Inflation und der Kaufzurückhaltung der Kunden. Nur jeder sechste Befragte ist mit der aktuellen Lage zufrieden, 29 Prozent berichten von einer negativen Lage. Das sind die niedrigsten Werte seit 20 Jahren. Im Großhandel hat sich die Geschäftslage deutlich verschlechtert: Nur noch 8 Prozent sind mit den aktuellen Geschäften zufrieden, vier von zehn Befragten sind unzufrieden. Im Einzelhandel bewerten die Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Lage weiterhin nahezu ausgewogen. Jeder Vierte berichtet von guten Geschäften, annähernd jeder Fünfte von schlechten.

Die Befragten im Baugewerbe bewerten die aktuelle Geschäftslage weiterhin positiv. 42 Prozent sind zufrieden, bei nur 4 Prozent haben sich die Geschäfte verschlechtert. Jeder zehnte Betrieb meldet darüber hinaus eine gestiegene Bauproduktion in den vergangenen Monaten, bei jedem vierten Unternehmen ist sie zurückgegangen. Die Auslastung der Maschinen und Geräte hat wieder leicht zugelegt.

Der Exportumsatz in der Industrie hat sich in den zurückliegenden Monaten rückläufig entwickelt. 27 Prozent der Befragten berichten von Umsatzwachstum, bei 37 Prozent ist der Umsatz gesunken. Die Auftragseingänge aus dem Ausland haben sich ebenfalls rückläufig entwickelt. 22 Prozent der Betriebe melden eine steigende, 38 Prozent eine sinkende Exportnachfrage. Dementsprechend erwarten die Betriebe in den kommenden Monaten mehrheitlich auch keinen Anstieg des Exports. Nur rund ein Sechstel rechnet mit mehr Nachfrage aus dem Ausland, jeder Vierte mit einem Rückgang.

Wegen der überwiegend schlechten Stimmungslage rechnen die Unternehmerinnen und Unternehmer in den kommenden Monaten nicht mit einem Anstieg der Mitarbeiterzahlen – von einem Personalabbau gehen sie jedoch auch nicht aus. 22 Prozent der Befragten erwarten, dass die Zahl der Mitarbeitenden steigen wird, ebenso viele rechnen hingegen mit weniger Beschäftigten. Die Hälfte Betriebe gibt an, dass offene Stellen derzeit für einen längeren Zeitpunkt nicht besetzt werden können. Das gilt vor allem für das Gastgewerbe (64 Prozent), den Handel (58 Prozent) und das Baugewerbe (57 Prozent). Im Schnitt sind bei diesen Unternehmen derzeit sechs Positionen unbesetzt.

Gesucht werden vor allem Arbeitskräfte mit einer dualen Ausbildung. Sie sind bei 60 Prozent aller Betriebe gefragt, im Handel sind es sogar 69 Prozent. Aber auch Fachwirte, Meister und Menschen mit vergleichbaren Weiterbildungsabschlüssen werden von 49 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer und damit überdurchschnittlich oft gesucht – im Baugewerbe sogar von zwei Dritteln der Befragten.
Bei der aktuellen Konjunkturumfrage hat die IHK Aachen mit den Vereinigten Industrieverbänden von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung e. V. (VIV) kooperiert und Unternehmerinnen und Unternehmer gemeinsam befragt. Der Konjunkturbericht ist auf der Internetseite der IHK Aachen unter www.ihk.de/aachen zu finden.


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