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Tourismus noch vor dem See

Einheimische und Gäste sollen den Wandel des indelands schon vor der Zeit der Seen hautnah erleben können . Die touristische Entwicklung des indelands sei laut Fachleuten bereits auf gutem Weg.

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Das könnte der baldige Indesee sein. Grafik: EwiG / HHVision
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Vom Tagebau zum See, vom Braunkohlerevier zur attraktiven Freizeitregion: Das ist der rote Faden des Wandels im indeland, der gleichsam die Richtung für den wachsenden Tourismus in der Region vorgibt. Mit dem Ende der Kohleförderung sollen Einheimische und Gäste die Umgebung des Tagebaus Inden erkunden und die Veränderung der Landschaft unmittelbar erleben können. Die Eckpunkte dieser Entwicklung sind im neuen Tourismuskonzept für das indeland beschrieben. Es wurde 2022 mit kommunalen und regionalen Fachleuten erarbeitet und jetzt vom indeland Tourismus e. V. veröffentlicht.

Das Konzept zielt besonders auf die „Zeit der Zwischennutzung“ ab, also den Zeitraum der Befüllung des Indesees ab 2030. Erarbeitet wurde es von der Beratungsagentur Project M unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack. Die renommierten Tourismusexpertinnen und -experten bestätigen dem indeland bereits jetzt gut unterwegs zu sein: Die touristische Entwicklung sei interkommunal abgestimmt und biete viele Schnittstellen zu regionalen Partnern. Wenn das indeland die bisher diskutierten Projektansätze weiterverfolge und in den nächsten Jahren konsequent ausbaue, werde die Region ihre touristischen Ziele wie geplant erreichen können.

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„Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, ein Imageträger und ein Motor der Lebensqualität in unserer Region. Deshalb wollen wir das Freizeitangebot im indeland aufwerten und den Strukturwandel zum Thema der touristischen Entwicklung machen“, sagt Sabine Spohrer, Geschäftsführerin des indeland Tourismus e. V. „Wir werden dabei umso erfolgreicher sein können, je mehr die Menschen in der Region die Entwicklung mittragen. Kurz gesagt: Was den Gästen gefallen soll, muss vor allem und zuerst den Menschen in der Region gefallen. Die Aufgabe des Tourismusvereins ist es daher auch, die Entwicklung eines neuen Wir-Gefühls zu fördern und ein
Gastgeberbewusstsein im indeland zu etablieren.“ Der indeland Tourismus e. V. will dazu unter anderem bessere Rahmenbedingungen für neue Übernachtungs-, Gastronomie- und Freizeitangebote schaffen. Hier ist laut Sabine Spohrer auch die Politik gefragt, weiterhin die richtigen Entscheidungen zu treffen, um die Region für Projektentwicklungen und Investitionen interessant zu machen.

„Die See-Entstehung soll zum spannenden Erlebnis werden. Wir wollen potenziellen Gästen in der Zeit der Zwischennutzung jedes Jahr neue Anlässe für einen Besuch im indeland bieten“, sagt Spohrer und verweist auf die lange Dauer der Füllphase. „Der See bleibt zunächst eine Zukunftsvision. Aber der Wandel der Landschaft wird sichtbar und in dieser Form einzigartig sein. Die Frage, die wir jetzt beantworten werden, lautet: Wie können wir die Veränderungen der Landschaft so inszenieren und gestalten, dass Besucherinnen und Besucher sie hautnah miterleben können und wollen?“ Konkret geht es darum, neue und innovative Freizeitangebote rund um den künftigen Indesee zu entwickeln, ob in der „Lucherberger Lagune“, am „Lamersdorfer Kanal“ oder auch in der Weiterentwicklung bisheriger Projektansätze wie auf der Sophienhöhe.

Die Stärken und Chancen des indelands liegen vor allem in seiner geografischen Lage. Das Einzugsgebiet ist enorm und reicht von Münster bis Trier, Antwerpen und Utrecht: Rund 31 Millionen Menschen können den künftigen Indesee innerhalb von zwei Stunden erreichen und künftig für Tagesausflüge und Kurzreisen in die Region angesprochen werden. Um dorthin zu kommen werden im Konzept der Experteinnen und Experten werden allerdings auch bisherige Risiken und Schwächen genannt, zum Beispiel kleinteilige Zuständigkeiten, langwierige Prozesse und eine Vielzahl von beteiligten Akteuren. Die Kommunikation untereinander müsse noch besser werden, so die Analyse der Fachleute. Die „Destination Quality“ im indeland liegt unter dem Landesdurchschnitt in NRW. Der Großteil der Beherbergungsbetriebe ist nicht professionell online sichtbar. Es gibt zu wenige Schlechtwetterangebote. Die begleitende Infrastruktur für die Rad- und Wanderwege fehlt.

Aus Sicht der Fachleute muss sich der Tourismus im indeland strategisch weiterentwickeln: In der Region müsse zuerst ein Tourismus- und Gastgeberbewusstsein entstehen. Danach sollten innovative Angebote und Produkte entwickelt werden. Dafür sei ein starker Schulterschluss kommunaler und privatwirtschaftlicher Akteure nötig. Die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismus soll aber auch durch die zahlreichen Infrastruktur-Förderprojekte gestärkt werden. Das zentrale touristische Alleinstellungsmerkmal des indelands ist „die Erlebbarkeit der energetischen Transformation mit ihrer vielfältigen Geschichte und einer nachhaltigen Zukunft“. Oder anders gesagt: Es geht darum, den Wandel der Landschaft zu inszenieren. Damit diese Botschaft die Gäste des indelands auch erreicht, muss die Geschichte des Wandels im indeland noch stärker kommuniziert werden. Der Tourismus muss die Möglichkeiten und den Mehrwert der Zwischennutzung erlebbar machen.

In den Workshops haben sich die Fachleute auf diese Entwicklungsleitlinie verständigt: „Der Tourismus im indeland greift den Strukturwandel im Rheinischen Revier auf und verstärkt ihn durch eine partizipative und zukunftsorientierte Entwicklung als Lebens-, Arbeits- und Erlebnisraum. Die energetische Transformation im indeland ist einzigartig – dies wird kommuniziert, sichtbar und unmittelbar erlebbar gemacht. Die Entwicklungsphasen über den zukünftigen Indesee hinaus verlangen ein koordiniertes Regional- und Destinationsmanagement, das Partizipation, Infrastrukturentwicklung, Baukultur und Kommunikation gemeinsam vorantreibt. In Ergänzung zu den bestehenden Attraktionen werden nachhaltige Infrastrukturen und innovative Angebote entwickelt, um die Voraussetzungen für den Tourismus von morgen zu schaffen und bereits heute einmalige Erlebnisse für die Einwohnenden und Gäste zu bieten.

Auf dem Weg zu einer eigenständigen Destinationsentwicklung im Rheinischen Revier kann der indeland Tourismus eine Vorreiter- und Vermittlerrolle einnehmen. Er ist ein wichtiger Partner für die lokalen Leistungsträger, aber auch Treiber und Kompetenzzentrum für die koordinierte Freizeit- und Tourismusentwicklung in der Region. Dafür sollten die kommunalen Ressourcen für den Tourismus weiterhin in einer den Aufgaben entsprechend ausgestatteten Geschäftsstelle konzentriert werden. Die Fachleute appellieren: Es muss eine Schnittstelle in der Kooperation mit den Regionen um Hambach und Garzweiler geschaffen werden. Dies ist zu intensivieren und beinhaltet auch die Abstimmung von Produkten und Entwicklungslinien. Außerdem empfehlen sie, auch mit anderen Fachplanungen zusammenzuarbeiten: „Die Freizeit- und Tourismusentwicklung ist nicht isoliert von anderen Branchen zu betrachten, sondern weiter zu verschränken, z. B. mit Regionalplanung, Innovation und Wirtschaftsförderung.“


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