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Von digitalen Zwillingen und realen Fluten

Nasse Füße bekommt er bei der Arbeit eher selten. Dabei dreht sich der berufliche Alltag von Dr. Christian Poppe Terán hauptsächlich um das nasse Element.

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Eigentlich ist er lieber draußen: Hydrologe Dr. Christian Poppe Terán forscht unter anderem über die Rur. Foto: Britta Sylvester
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„Ich verbringe die meiste Zeit im Büro“, erzählt Dr. Christian Poppe Terán mit leichtem Bedauern. Eigentlich sei er nämlich viel lieber draußen, gerne auch am Ufer eines Flusses.

Mögliche Katastrophenszenarien habe er dabei nicht vor Augen, verneint der Wissenschaftler die entsprechende Frage lachend. „Ich sehe immer noch den Fluss und finde es schön hier“, lächelt der „Wasserforscher“ und schaut über die beschaulich dahinfließende Rur.

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Sein täglich Brot allerdings sind tatsächlich die weniger schönen Szenen, die sich an Gewässern abspielen können – Stichwort Flut 2021. Das arg in Mitleidenschaft gezogene Karl-Knipprath-Stadion und auch das naheliegende Freibad könnten ein Liedchen davon singen.

Ein Blick auf die Rur zeigt aktuell eher Gegenteiliges: Der Wasserstand ist trotz einigen Regens immer noch eher niedrig. Extremes Niedrigwasser hat auch in diesem Sommer unter anderem zu starken Einschränkungen im Schiffsverkehr geführt.

Szenarien wie diese sind es, an denen der Hydrologe Poppe Terán arbeitet, sie modelliert, berechnet und erforscht. Und zwar gemeinsam mit vielen anderen „Stakeholdern“, wie es der Wissenschaftler formuliert.

Im sogenannten „Solution Lab Rur-Erft“ arbeitet das Team von Professor Stefan Kollet und Christian Poppe Terán mit Partnern wie der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, dem Erftverband und dem Wasserverband Eifel-Rur WVER gemeinsam an Wegen, zum Beispiel kommenden Hochwasserereignissen besser begegnen zu können. Denn „Hochwasser generell werden mehr werden“, konstatiert der Wissenschaftler nüchtern. Mithilfe eines digitalen Zwillings, also eines virtuellen Abbilds konkreter Gegebenheiten, werden „Was wäre wenn“-Fragen beantwortet.

Im Januar dieses Jahres hat das Lösungslabor seine Arbeit aufgenommen. Ende September gab es einen zweiten Workshop mit allen Beteiligten. Mindestens drei Jahre lang wird das gemeinsame Projekt unter dem Dach der „Helmholtz Wasserinitiative“ versuchen, verschiedenen Interessensgruppen wie etwa Landwirten, aber auch Städteplanern Mittel und Wege aufzuzeigen, damit kommende Fluten möglichst wenig Schaden anrichten können.

Dazu gehöre sicherlich, den „Flüssen mehr Raum zu geben“, aber auch die Anlage von Deichen sei mancherorts denkbar. „Es braucht viele Modelle“, weiß der Wasserforscher und verweist darauf, dass diese anwendungsorientierte Forschung ein „iterativer“ Prozess sei, sich den Lösungen also schrittweise annähere.

Zwar fließt der Rhein in einiger Entfernung vom Solution Lab Rur-Erft, eine Rolle spielt der gewaltige Strom für das Forschungsteam dennoch. Strukturwandel lautet hier das Stichwort, das Christian Poppe Terán fallen lässt. Mit einem Ansteigen des Grundwasserspiegels sei zu rechnen, wenn die Tagebaue mit Rheinwasser geflutet würden.

Auch das ein Thema in den „Storylines“, mit denen sich der Hydrologe befasst. Hat ein solcher Anstieg möglicherweise positive Folgen auf die Landwirtschaft? Was bedeutet höher stehendes Grundwasser für die Flüsse in unserer Region? Die Querverbindungen, die der Wissenschaftler nur streift, sind komplex.

Dürreperioden spielen, wenig verwunderlich, ebenfalls in die Modelle des Forschungsteams. Auch hier die Frage: Welche Auswirkungen auf landwirtschaftliche Erträge sind, vor allem auf lange Sicht, zu erwarten? Folgerichtig werden im Lösungsraum der Forscher auch wirtschaftliche Überlegungen angestellt: Was bedeutet das für die Betriebe? Werden mehr Landwirte ihren Betrieb aufgeben?

Der kurze Einblick in die Wasserforschung macht eines deutlich: Einfache Lösungen gibt es nicht, dafür umso mehr betroffene Interessensgruppen. Umso wichtiger erscheint der praktische Ansatz hinter der Wissenschaft. „Wir wollen hier nicht am Ende einfach sagen: Hier habt ihr unser wissenschaftliches Produkt. Um die Lösung müsst ihr euch selber kümmern.“

Mehr zum Solution Lab Rur-Erft und der Helmholtz Wasserinitiative.

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Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinischen Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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