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Braucht Jülich einen Hundeführerschein?

Hundeführerschein – ist das Tierschutz oder kann das weg? Zum heutigen Welttag des Hundes hat sich der Jülicher Hundeflüsterer Max Meier auf einer seiner Runden mit dem herzöglichen Praktikanten Timo Dolfen über einen Antrag der SPD-Fraktion unterhalten, der genau das fordert.

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Hundetrainer Max Meier und sein Mischlings-Duo Henry und Felie. Foto: privat
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Der beste Freund des Menschen ist aus vielen Jülicher Haushalten gar nicht mehr wegzudenken. Viele Menschen erfreuen sich an neuen Bewegungsmöglichkeiten, Gesellschaft und Spielereien. Doch als fühlendes Lebewesen ist der Hund mehr als nur ein netter Zeitvertreib. Er benötigt Pflege, Erziehung und vor allem einen guten Umgang – viel Verantwortung also, die Tierhalter hier übernehmen.

Aus diesem Grund verlangt ein Antrag der SPD den Ausbau eines Sachkundenachweises für Hundehalter. Ganz neu ist die Idee nicht: Schon heute müssen Halter von großen Hunden in Nordrhein-Westfalen einen Sachkundenachweis erbringen. Der Antrag spricht nun davon, die Pflicht auf alle Halter auszuweiten.

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Ob dieser „Hundeführerschein“ tatsächliche Probleme lösen wird, lässt sich für den Laien nur grob abwägen. Doch das geschulte Auge weiß mehr. Kann eine Umstellung tatsächlich sinnvoll sein? Der Jülicher Hundeflüsterer Max Meier berichtet während eines Spaziergangs mit seinen beiden Mischlingen Henry und Felie von seinen Eindrücken.

„Der Gedanke, was mit Hunden zu machen, war immer groß“, beginnt Max Meier. Seit seiner Kindheit ist er ein großer Hundefreund und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Während eines Praktikums lernte er bei Martin Rütter. Mittlerweile hat er jedoch seinen eigenen Stil gefunden – er ist selbstständig und betreut Menschen im Umgang mit ihren vierbeinigen Freunden.

Foto: privat

„Am besten ist es einfach, wenn sich die Leute noch vor der Anschaffung mit dem Lebewesen Hund auseinandersetzen“, erklärt der Hundetrainer. Leute sollten erkennen können, was die Bedürfnisse des Hundes sind und wie sie diesen in ihrem eigenen Alltag gerecht werden können, denn: Der Alltag verändere sich stark, wenn ein Hund in diesen hineinkommt.

Da er selbst mit Hundefreunden zusammenarbeitet, kennt Meier diese Probleme nur zu gut. Dort sieht sich Max oftmals als „Übersetzer“ zwischen Mensch und Tier.

„Der muss gut hören, damit er in unsere Welt passt“ ist eine Perspektive, der sich Meier oftmals stellen muss. „Klar ist da was dran, aber wir zwingen die Hunde in unsere Welt“, bedauert er. Dessen müsse man sich bewusst sein, denn die große Verantwortung liegt darin, dass der Hund zu 100 Prozent von seinem Besitzer abhängig ist.

Das Hauptproblem sei der Perspektivwechsel – die Bedürfnisse des Tieres müssen verstanden werden, um eine gute Lösung für den Alltag zu finden. Hier könne der Hundeführerschein ansetzen. Doch damit sollte es das noch nicht gewesen sein. Meier differenziert klar zwischen Theorie und Praxis: „Wissen ist immer noch was anderes als die tatsächliche Gestaltung des Alltags.“

Was beim Autoführerschein seit langer Zeit mit einer Kombination aus Theorie und Praxis funktioniert, ist bei Hunden nicht so einfach. Wie sollte man auch Praxiserfahrung sammeln können, ohne sich einen eigenen Hund anzuschaffen?

„Autos haben vier Räder und einen Motor, aber Hunde sind Persönlichkeiten.“ Diese Aussage untermauerten die beiden Hunde während des Spaziergangs sehr eindrucksvoll, denn abgesehen von dem Fell und den vier Beinen teilten die Mischlinge kaum eine Gemeinsamkeit.

Während Henry die Rolle des zurückhaltenden Beobachters einnahm, war Felies Erkundungsdrang kaum zurückzuhalten. Deshalb ließe sich das Verhalten eines Hundes auch nicht nur auf die Hunderasse reduzieren, so Meier.

Den größten Kritikpunkt am Antrag der SPD sieht der Hundetrainer darin, dass im Antrag Tierschutzvereine aufgrund ihrer Expertise und praktischen Erfahrung als geeignete Institutionen zur Durchführung der Sachkundeausbildung beschrieben würden.

Tierschutzvereine erkennen zwar, dass Hunde aufgrund von mangelndem Vorwissen und Alltagsstress abgegeben werden. Aber das allein würde nicht reichen, um jemanden tatsächlich darin zu schulen und für eine Qualifikation zu prüfen. Ein Tierarzt mit beruflichem Werdegang und Akkreditierung für den Hundeführerschein wäre hier nach Max Meiers Ansicht die bessere Lösung.

Foto: privat

Wichtig sei dabei nicht nur die Kommunikation innerhalb der Politik, sondern auch dem Hundehalter gegenüber. „Zukünftige Hundebesitzer sollten mit einem Hundeführerschein nicht erst mal in die Ecke gestellt werden“, findet der Profi.

Stattdessen sollte die Politik es schaffen, den Hundeführerschein „schmackhaft“ zu machen, indem sowohl der verbundene Spaß als auch die Wichtigkeit an die Verbraucher gebracht werden. Der Hundeführerschein sollte also alltagsnah ausfallen und angehende Hundehalter nicht abschrecken.

Ein weiterer Aspekt, bei dem der Hundeführerschein Abhilfe schaffen könnte, liegt in der Bekämpfung illegalen Tierhandels. Das Problem: Käufer wissen kaum etwas über die ehemaligen Lebensverhältnisse ihres neuen Haustiers.

Nach Meiers Erfahrungen sind diese Tiere oftmals krank oder verhaltensgestört, da derartige Verkäufer das Wohl der Tiere vernachlässigen. Dennoch werden Käufer oftmals zum Kauf gedrängt, indem der unseriöse Händler beispielsweise emotionalen Druck ausübt.

Unerfahrene Tierfreunde werden dabei mit Sätzen wie „natürlich kannst du morgen wiederkommen, aber wer weiß, ob der Kleine dann noch da ist“, gelockt. Mit einem Hundeführerschein würden Leute direkt vor der Anschaffung ein besseres Bewusstsein für gesundes Verhalten und einen seriösen Händler kriegen.

Wichtig ist für Meier, dass das Ergebnis dem Hund dienlich ist. Damit die Sachen nicht nur auf Papier stehen, sondern tatsächlich gemacht werden, könnte eine Prüfung unterstützend sein. Somit würden auch weniger Hunde abgegeben, da sich Menschen für den richtigen Hund entscheiden.

„Nicht nur der Hund, der einfach nur süß aussieht, soll es werden, sondern ein Hund, der tatsächlich in mein Leben passt“, betont der Hundeflüsterer. Dadurch könnten Hundefreunde bereits im Vorfeld mit ihren Tieren agieren, anstatt erst bei unerwünschtem Verhalten des Tieres zu reagieren.

Wenn am Ende alles zufriedenstellend funktioniert, könnte Nordrhein-Westfalen als gutes Beispiel für andere Bundesländer vorangehen und deutschlandweite Veränderungen bewirken. Aktuell gelten nämlich in jedem Bundesland noch unterschiedliche Regelungen.


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