Start Hintergrund Kandidaturrede von Mo Khomassi

Kandidaturrede von Mo Khomassi

Der SPD-Kreisverband Düren-Jülich hat Mo Khomassi für den Wahlkreise Düren I – 011 benannt. Er wirbt um Stimmen in Inden, Langerwehe, Merzenich, Niederzier, Nörvenich, Vettweiß, Aldenhoven, Jülich, Linnich, und Titz. Seine Rede zur Kandidatur hat er dem HERZOG zur Verfügung gestellt.

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Mo Khomassi. Foto: Dorothée Schenk
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Liebe Genossinnen und Genossen,
Ich bin Mo Kohmassi. Ich bewerbe mich für die Landtagskandidatur im Nordkreis und ich bitte euch heute um eure Unterstützung und um euer Vertrauen. Ich möchte euch von mir erzählen. Von meinem Leben und weshalb ich in der Politik bin.

Ich bin 43 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei wundervollen Kindern. 1989 sind meine Eltern mit mir und meinen Geschwistern aus dem Libanon geflohen. Wir kamen in ein fremdes Land. Ohne Sprache. Ohne zu wissen, was uns erwartet.
Meine Eltern waren im Libanon Pflegekräfte. Doch ihre Abschlüsse wurden hier nicht anerkannt. Das bedeutete: Ohne Sprache konnten sie erstmal nicht arbeiten. Sie waren auf Unterstützung angewiesen. Deshalb ist für mich das Thema Integration so wichtig. Denn viele Strukturen sind bis heute schwierig: zu bürokratisch,zu kompliziert und manchmal auch einfach unfair.

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Ich persönlich hatte Glück. Ich habe schnell die Sprache gelernt. Ich hatte großartige Menschen um mich herum, die sich um mich gekümmert haben. Ich hatte Mentoren, die gesehen haben, dass ich lernen will und lernen kann.
Ich habe eine Ausbildung als Verpackungsmittelmechaniker in einer Papierfabrik gemacht und danach viele Jahre im Schichtsystem gearbeitet. Das war eine Zeit, die mir gezeigt hat, wie wichtig Respekt gegenüber arbeitenden Menschen ist. Nach einer Nachtschicht nach Hause zu kommen, wenn die Kinder gerade zur Schule gehen. Und wieder zur Arbeit zu gehen, während sie schlafen. Das war hart. Eine wirklich anstrengende Zeit.

Und dann kam ein Moment, der mein Leben komplett verändert hat. Die Geburt unseres zweiten Kindes. Mein Sohn hat eine schwere Behinderung, die man nicht sofort sieht. Er war es, der mir etwas ganz Entscheidendes gezeigt hat: was es wirklich bedeutet zu leben – und dafür zu kämpfen Mit einem Mal stand unsere Familie vor ganz neuen Herausforderungen: Meine Frau ist gelernte Lehrerin – sie hat ihren Beruf geliebt. Aber durch die Situation mit unserem Sohn war sie gezwungen, zu Hause zu bleiben, damit ich weiterarbeiten konnte.
Es gab damals kaum Unterstützung. Uns hat niemand richtig erklärt, welche Möglichkeiten es gibt. Viele Dinge mussten wir selbst herausfinden. Viele Wege mussten wir alleine gehen. Und genau in dieser Zeit habe ich gemerkt, wie schwer unser System für Familien sein kann. Nicht, weil Menschen nicht helfen wollen. Sondern weil Informationen fehlen, Strukturen zu kompliziert sind und vieles nicht zusammenpasst.

Nach der Zeit in der Fabrik habe ich mich deshalb neu orientiert. Ich habe eine Umschulung zum Kaufmann gemacht. Danach habe ich einen Job bei der Stadt Jülich bekommen – als Hausmeister. Dort war ich unter anderem für Flüchtlingsunterkünfte verantwortlich. Und plötzlich habe ich etwas gemerkt: Meine eigene Geschichte wurde zu meinem Beruf.

Menschen zu helfen. Für sie da zu sein. Sie zu begleiten. Anpacken und sich kümmern. Aus diesen Erfahrungen und aus meiner eigenen Geschichte weiß ich, wo viele Probleme anfangen: Ganz unten, in der Praxis, bei uns vor Ort.
Wenn Menschen zu uns kommen und eine Ausbildung oder einen Beruf haben, dann müssen die Anerkennungsverfahren schneller und einfacher werden. Denn Menschen, die arbeiten wollen, sollen auch arbeiten dürfen. Denn Arbeit bedeutet nicht nur Einkommen.
Arbeit bedeutet Würde! Teilhabe! Integration!

Und ich weiß aus eigener Erfahrung: Wenn Menschen eine Chance bekommen, dann nutzen sie diese auch. Diese Einstellung ist für mich SPD pur.
Und deshalb bin ich in die SPD eingetreten. Ich kenne die Menschen, die jeden Tag früh aufstehen, in die Fabriken und die Büros gehen und ihren Job durchziehen – ich bin einer davon!

Diese Malocher und Macher: Ob früher in Siersdorf unter Tage oder heute bei SIG Combibloc in Linnich. Ob als Polizist in Titz, als Grundschullehrerin in Langerwehe, oder als Pflegekraft in Nörvenich, ob im Tagebau bei Niederzier oder in den Laboren im Jülicher Forschungszentrum.

Auf jede und jeden, der sich anstrengt, arbeitet und einsetzt, kommt es an. Gerade in Zeiten des Umbruchs, den wir hier im Rheinischen Revier hautnah erleben. Für diese Menschen müssen wir als SPD die Stimme sein, in Düsseldorf, in Berlin und in jedem einzelnen Ortsverein.

Liebe Genossinnen und Genossen,
ein weiteres großes Thema für mich ist Bildung, Ich weiß, wie schwierig der Alltag für Familien sein kann. Mit einem kranken Kind zu Hause. Mit einer kleinen Tochter im Kindergarten. Und dann kommt zwei- oder dreimal in der Woche der Anruf: „Bitte holen Sie Ihr Kind ab – wir haben nicht genug Personal.“ Das darf so nicht sein. Wir müssen mehr in Bildung investieren. Mehr Fachkräfte. Mehr Unterstützung. Und auch mehr Möglichkeiten für Umschulungen, damit Menschen leichter in diese Berufe kommen. Der Beruf der Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte muss wieder attraktiver werden. Und auch hier gilt: Diese Menschen verdienen Respekt.

Aus diesem Grund unterstütze ich den Plan von Jochen Ott, ein Ministerium für Schule und Kita einzurichten, Bildung als langen Weg zu denken, von der Kita bis zum Studium, vielleicht sogar lebenslang. Gute Lehrerinnen und Lehrer, gute Schulsozialarbeit, gute Förderung, gute Durchlässigkeit zwischen den Schulformen – in diesen Dingen liegt der Schlüssel einer wirklichen Verbesserung unseres Bildungssystems. Und Bildung darf nicht von der Herkunft oder dem Geldbeutel der Eltern abhängen, wie es leider in Deutschland immer noch so oft der Fall ist.

Und praktische Arbeit und Lebenserfahrung müssen wieder eine größere Rolle spielen. Das Handwerk muss in unseren Schulen wieder stärker vorkommen. Ein Studium ist wichtig – ja. Aber praktische Arbeit und handwerkliche Erfahrung sind genauso wertvoll.

Liebe Genossinnen und Genossen,
das ist ein kurzer Einblick in die Themen, die mich umtreiben und für die ich mich im Landtag einsetzen möchte. Weil es Dinge sind, die mein Leben selbst geprägt haben. Und weil ich glaube, dass meine Geschichte genau das widerspiegelt, wofür die SPD immer stand.
Ein Weg von ganz unten.
Bis hierhin.
Vor euch.
Ich bin Mo Kohmassi
und ich bitte euch um eure Unterstützung und um euer Vertrauen.
Vielen Dank!


Zum Artikel Erste Kandidaten für die Landtagswahl nominiert


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