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Weiter „rollern“

Paris verbannt als erste Metropole E-Scooter aus dem Stadtbild. In Jülich werden sie weiterhin zu sehen sein – wenn der neue Vertrag unterschrieben wird.

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Ein Standort der E-Scooter ist am Bahnhof Jülich. Foto: Riccardo Caruso
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Die Probephase ist abgeschlossen: Ein Jahr lang hatte der Betreiber „Lime“ Zeit, um zu testen, ob Jülicher in Stadt und Stadtteilen das Angebot von E-Scootern annehmen. Die Bilanz fällt, wenn auch nicht für alle Ortsteile gleichermaßen, durchaus positiv aus: Bei gerundeten 68.600 Ausleihen wurden über 98.000 Kilometer innerhalb eines Jahres zurückgelegt. Die Spitzenmonate liegen erwartungsgemäß zwischen Frühjahr und Herbst.

Nur 14mal, so das LIME-Beschwerdemanagement, hätte es Meldungen gegeben. Eine Zahl, die sich „gefühlt“ mit den Erkenntnissen der politischen Vertretungen deckt, die im jüngsten Stadtentwicklungs-Ausschuss über die Verlängerung des „E-Scooter-Angebotes“ zu entscheiden hatten. Es war kein „durchlaufender Posten“, wie die Betreiberfirma vielleicht gehofft hatte.

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Alle Fraktionen waren sich einig: Nach anfänglichen Eskapaden ist „wenig passiert“. Im Klartext: Die Scooter landete nicht wie befürchtet auffällig oft in der Rur oder wurden an den falschen Stellen „entsorgt“. „Das große Chaos ist ausgeblieben“, formulierte Marco Johnen, CDU-Fraktionschef, stellvertretend und war der Meinung: „Die Roller sind für Jülich grundsätzlich ein Erfolg.“ Der Meinung war Harald Garding, SPD-Fraktionsspitze, allerdings nicht. „Die Innovation, als die sie angepriesen wurde, ist es sicher nicht. Durch die Roller ist keine Autofahrt gespart worden.“ Das sahen Bündnis 90/ Die Grünen ebenso. „Die Scooter lösen nicht die Probleme der Mobilität im ländlichen Raum“, betonte Christine Klein und kündigte an, das ihre Fraktion einer Verlängerung nicht zustimmen werde.

Karl-Philipp Gawel (CDU) hinterfragte diese Entscheidung, da die Ausschussmitglieder nicht die Nutzergemeinde der E-Scooter seien. Vor allem junge Menschen würden dieses zusätzliches Mobilitätsangebot nutzen und sprach sich daher für einen Erhalt aus. Eine weitere Erkenntnis der Auswertung des Unternehmens Lime war: Je weiter der Standort von der Kernstadt entfernt ist, desto weniger hoch ist die Nutzung. Das allerdings, so war der Diskussion im Ausschuss zu entnehmen, könne auch daran liegen, dass die Akku-Leistung nicht immer das hielte, was sie verspricht. Die Folge: Die E-Scooter blieben schon mal auf halber Strecke zwischen Ortschaften liegen. Matthias Hoven (UWG JÜL) berichtete von Rollern, die auf Radwegen zwischen Jülich und Stetternich sowie in Welldorf und Broich stünden und erntete zustimmendes Kopfnicken. Darüber hinaus wurde laut, dass die Abholung der Roller zum Wiederbeladen nicht so regelmäßig erfolge, wie es notwendig wäre. Oft stünden die Fahrzeuge tagelang an denselben Stellen, wo sie „leer“ abgestellt worden seien. Einen verbesserungswürdigen Service mahnte auch Heinz Frey (UWG JÜL) an.

Weiterer Kritikpunkt war das Vorhaben von Lime, wegen der geringeren Ausleihzahlen in den Ortsteilen, das Angebot nicht mehr flächendeckend zu betreiben. Sprich: Einige Dörfer sollten als E-Scooter-Standorte aufgegeben werden. Grundsätzlich steht die Überlegung im Raum, die Zahl von rund 220 auf 150 Roller zu reduzieren. „Es darf kein Dorf A und Dorf B geben“, meinte Wolfgang Steufmehl für die FDP und gab damit auch die Meinung der Ausschussmitglieder wieder. Die Betreiberfirma sollte, so Gawel, über eine Mischkalkulation die Bestückung aller Stadtteile ermöglichen.

Apropos Kosten: Einigkeit herrschte darin, dass nach der Testphase, in der Lime keine Nutzungsgebühren an die Stadt entrichten musste, jetzt Geld fließen müsse. Was die Stadt von Gastronomen verlange, müsste auch bei den Scooter-Anbietern zum Zuge kommen. „Die Betreiber sollen Geld verdienen“, formulierte es Garding, „aber wir müssen auch auf den Städtischen Haushalt gucken.“ Letzter Punkt war schließlich das „wilde Parken“, das zur Sprache kam. Karl-Philipp Gawel regte an, feste „Parkplätze“ zu installieren, denn ein Fußweg von 200 Metern sei jedem Nutzer zuzumuten. Auch Harald Garding sprach sich für eine verbindliche Regelung aus, da sie teilweise eine Verkehrsbehinderung seien.

Zustimmung für eine Vertragsverlängerung gab es darum in diesem Ausschuss nicht. Aber eine Zustimmung zur Fortführung des Testbetriebes, bis die neuen Vertragsmodalitäten ausgehandelt und unterschriftsfähig sind. Das war der Vorschlag von Bürgermeister Axel Fuchs. Bis zur Sitzung am 16. November soll das Vertragswerk stehen.

Bei vier Gegenstimmen der Grünen wurde dieses Beschluss verabschiedet.


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