
Der Grundstein für das neue Rathaus ist eigentlich ein Meilenstein für den Neuanfang. Es ist, so formulierte es Richard Schumacher, der in Doppelfunktion als Stellvertreter des Bürgermeisters und Dezernent vor Ort war, „ein lang, man darf schon fast sagen, seit Jahrzehnten ersehntes und längst überfälliges Bauprojekt“.
Die akuten Probleme des sogenannten Neuen Rathauses an der Großen Rurstraße, das von seiner Infrastruktur her ein Nachkriegsprodukt ist, sind vielfältig. In den vergangenen Jahren litten die Mitarbeiter und das Gebäude unter anderem unter Heizungsausfällen, Wassereinbrüchen, Asbestbelastung und Schwermetallen im Leitungswasser.
Als einen Wendepunkt beschrieb Schumacher ein Starkregenereignis, als der Bürgermeister und er gemeinsam vor einem Stromkasten gestanden hätten, „durch den tatsächlich fast unvorstellbar und lebensgefährlich Wasser lief“. Es gehe also auch um die Fürsorgepflicht.
Dabei unterstrich Richard Schumacher, dass der Neubau keinem Selbstzweck diene, sondern der Verwaltung als Ort der Dienstleistung für die Bürgerschaft. Als Beigeordneter erläuterte er später, wie gut das am neuen Standort Brainergy Park gelingen soll – nämlich durch Digitalisierung.
„Die Zeit, in der Akten in Papierform in Schubladen und Schränken schlummerten und Bürger von Fachbereich zu Fachbereich laufen mussten, soll vorbei sein. In diesem Haus werden wir weiterhin die Verwaltung von morgen organisieren: vernetzt, weitestgehend papierlos und effizient.“
Soweit die Vision, die Schumacher pointiert in zwei Sätzen zusammenfasste: „Ziel ist eine Verwaltung, die im Hintergrund arbeitet, damit die Bürger im Vordergrund stehen können.“ Und: „Möge dieses neue Rathaus viele Jahre lang ein Ort sein, der uns zusammen- und voranbringt.“
SEG-Geschäftsführer Martin Jungmann berichtete über die Standortsuche und die Funktion der SEG als Mittler – ohne dabei eine hierarchische Ordnung zu meinen. Er verglich die Projektplanung mit dem Erklimmen eines Berges. Wer auf dem Berg stehe, der sehe den Berg und die Mühe nicht mehr.
Auf die vielen Gedankengänge, Abstimmungsrunden und Workshops, die im Vorfeld nötig waren und jetzt Formen annehmen sollen, blickte Jan Weisel, Geschäftsführer der Generalunternehmung Valeres. „Form folgt Funktion“ sei die Grundidee.
Die blanken Eckdaten: Das neue Rathaus im Brainergy Park soll drei- und viergeschossig entstehen. Vorgesehen sind unter anderem Photovoltaik, eine Dachterrasse und ein offenes Raumkonzept. Viel Glas wird zu sehen sein – als Signal, dass die Bürgerschaft willkommen sei und die Prozesse transparent sein sollen.
Das zielt auf einen Punkt, der in der langen Diskussion um den Standort eine Rolle spielte: Wie bürgernah kann eine Verwaltung sein, die auf der Merscher Höhe angesiedelt wird?
Deutlich gemacht wurde, dass vor allem das „Backoffice“ mit Planung, IT und weiteren Verwaltungsaufgaben dort angesiedelt werden soll. Die bürgernahen Dienstleistungen sollen weiterhin in der Innenstadt angeboten werden – nach der energetischen Sanierung wieder im Kopfbau des heutigen Rathauses am Schwanenteich.
Zur Grundsteinenthüllung brachte SEG-Geschäftsführer Jungmann abschließend fünf Wünsche mit – von starken Fundamenten und einer wachsenden Stadt bis zu „jederzeit mindestens einer Handbreit Demokratie unter dem Sockel“. Und auch ein augenzwinkernder Wunsch durfte nicht fehlen: ab und zu ein defekter Knöllchendrucker im Ordnungsamt.
Die Fundamente dazu sind bereits im Bau. Der Rohbau soll im März 2027 fertiggestellt sein.
Zur Chronologie der Rathaus-Sanierung seit 2007
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