Schloss Overbach hat schon einiges erlebt: Erstmals erwähnt im Jahr 1341 als Rittergut hat das ehrwürdige Gemäuer diverse Besitzerwechsel und familiäre Tragödien genauso überstanden wie Abriss, Neubau und die beinahe vollständige Zerstörung durch die Bomben des Zweiten Weltkriegs. Und jetzt kämpfen die Mauern des alten Wasserschlosses mit einer neuen Herausforderung.
Denn wie sich das für eine echte rheinische Wasserburg gehört, umgibt ein breiter Graben das Bauwerk. Genau dieser Graben ist es, den eine Biberfamilie sich als Wohngebiet ausgesucht hat. Hier tun sie, was Biber für ihren Lebensunterhalt eben machen: Bäume anknabbern, um satt zu werden, aber auch fällen, um Wasser zu stauen.
Und hier liegt das Problem, wie Biologe Dr. Lutz Dalbeck von der biologischen Station des Kreises Düren von eigenen Besuchen vor Ort weiß: „Der Wasserstand im Burggraben muss konstant bleiben.“ Steigt der Pegel zu stark an, beschädigt das auf lange Sicht das Mauerwerk. Sind Bauwerke, aber auch landwirtschaftliche Flächen durch die Arbeit der fleißigen Baumeister gefährdet, gibt es „immer eine Lösung“, ist sich Lutz Dalbeck sicher. Für das Barmener Wasserschloss heißt diese Lösung zur Zeit, dass die Biberdämme „abgetragen“, nicht aber vollständig entfernt werden dürfen.
Diese Einschränkung hat einen Grund: „Die Erfahrung lehrt, dass große Eingriffe immer auch eine starke Reaktion nach sich ziehen.“ Deshalb sei es am besten, sich mit kleineren Maßnahmen heranzutasten, um herauszufinden, ob der Biber „einverstanden“ ist oder aber mit Reparaturarbeiten in größerem Stil beginnt. Damit wäre nichts gewonnen, so Dalbeck. Gleiches gilt auch für eine Umsiedlungsmaßnahme, die theoretisch trotz des geltenden Artenschutzes auf Antrag möglich sei.

Biber sind „territorial unterwegs“, so der Fachmann. Haben die Tiere sich erst einmal ein Wohngebiet ausgesucht, bleiben sie diesem Standort treu. Im Familienverbund von drei bis zwölf Tieren lassen sich die Biber an einer Wasserfläche nieder, die bevorzugt zwischen einem und drei Kilometern lang ist.
Ansonsten sind sie nicht sehr anspruchsvoll, was die Bedingungen betrifft. Sie schaffen sich die passenden Voraussetzungen ganz einfach selbst. Mit gefällten Stämmen, Ast- und Strauchwerk stauen sie das Wasser auf die gewünschte Höhe. Der Eingang zum Biberhaus liegt unter der Wasseroberfläche, der „Wohnkessel“ selbst liegt trocken und etwas erhöht. Meist ist es ein Erdloch im Uferbereich, das häufig zusätzlich von Ästen bedeckt und so geschützt wird.
Wird eine Bibersippe nun umgesiedelt, was zwar nicht einfach, aber machbar sei, ist es nach Auskunft von Lutz Dalbeck lediglich eine Frage der Zeit, bevor ein Biber-Jungtier auf der Suche nach einem eigenen Territorium sich genau dort niederlässt, wo eine Wohnung durch die Umsiedelung frei geworden ist.
Wer sich mit einem Nachbarschaftsstreit mit den großen Nagern konfrontiert sieht, findet bei der Biologischen Station des Kreises die richtigen Ansprechpartner, verspricht Dalbeck: „Wir gucken uns an, was da los ist und was man tun kann.“ Je nachdem in wessen Zuständigkeit das Gewässer liegt, an dem die Biber siedeln, wird beispielsweise der Wasserverband Eifel-Rur WVER als Partner mit ins Boot geholt.
Werden Maßnahmen nötig, um „menschengemachte Strukturen“ zu schützen, muss eine Ausnahmegenehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises eingeholt werden. „Einfach mal selbst machen“ ist nicht erlaubt. Biber sind durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Eigenmächtige Maßnahmen können mit Bußgeldern belegt werden.
Bei Konflikten mit Bibersiedlungen bieten auch die Biberberater des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND in Nordrhein-Westfalen Unterstützung an. Individuelle Lösungen können beispielsweise Drahtgitter zum Schutz an Baumstämmen oder Drainagen in Biberdämmen sein, die dabei helfen, den Wasserstand konstant zu halten. Halten sich Biber beispielsweise schadlos an den Feldfrüchten auf dem Acker nebenan, kann es helfen, Strauchweiden als zusätzliches Nahrungsangebot zu pflanzen.

Anfang des 20. Jahrhunderts war das größte Nagetier Europas fast vollständig ausgerottet. In Eifel und Rheinland lebten keine Biber mehr. 1981 sind zwölf Tiere in der Eifel angesiedelt worden. Seither haben sich die Tiere kontinuierlich entlang der Rur und ihren Nebengewässern ausgebreitet.
Alle drei Jahre überprüft die Biologische Station gemeinsam mit zahlreichen Freiwilligen in einer „Volkszählung“, wie groß die Population inzwischen ist. Der letzte „Biber-Zensus“, so Dalbeck, hat kreisweit rund 150 Territorien ergeben. Wie viele Tiere pro Siedlung zuhause sind, lässt sich nicht eindeutig beziffern. Die nachtaktiven Tiere verstecken sich meist, so dass nur ihre Spuren zu sehen sind.
Wer sich auf Bibers Spuren rund um Schloss Overbach begeben möchte, kann dem eigens angelegten Biberpfad folgen.



















