Leuchtend pinke, manchmal auch zartrosafarbene Blüten krönen die mindestens mannshohen Stengel. Dichte grüne Blätter sorgen für den passenden Farbkontrast. Keine Frage: Das Drüsige Springkraut ist nett anzusehen. Am Geruch scheiden sich die Geister. Einig sind sich aber vor allem Naturschützer darin, dass das hübsche Kraut unbedingt weg muss. Denn „Impatiens glandulifera“, so die botanische Bezeichnung, verdrängt die heimische Pflanzenwelt, auf die wiederum verschiedenste Tierarten zum Überleben angewiesen sind.
Ursprünglich im Himalaya heimisch zählt das Springkraut zu den invasiven Neophyten, die der heimischen Pflanzenwelt das Leben schwer machen, indem sie sich in ihrem Lebensraum breit machen, so dass Blutweiderich, Mädesüß oder Lichtnelken keinen Platz mehr zum Wachsen finden. Genau wie der Riesen-Bärenklau, der sich inzwischen mit gigantischen Samenständen schmückt und so für seine weitere Ausbreitung sorgt, und der etwas weniger bekannte Japanische Staudenknöterich wuchert Drüsiges Springkraut entlang von Inde, Rur oder auch dem Barmener Baggersee. Dem Ausbreitungsdrang der Pflanzen Herr zu werden, erweist sich als schwierig, vor allem für Laien. Besonders wichtig sei es, so Biologin Dr. Henrike Körber von der Biologischen Station Düren, die Pflanzen vor der Blüte, spätestens aber vor der Samenreife zu bekämpfen.
Während das bei Drüsigem Springkraut noch vergleichsweise einfach machbar ist (samt Wurzel herausreißen und liegen lassen genügt, solange keine Blüte dran ist), sollten sich an den Riesen-Bärenklau ausschließlich Menschen mit einer vollständigen Schutzkleidung inklusive Brille heranwagen. Denn eine Berührung mit der Pflanze kann bei gleichzeitigem Lichteinfall zu schweren Verbrennungen der Haut bis hin zu Grad III mit tiefen Wunden und Blasenbildung führen. Japanischer Staudenknöterich ist zwar nicht gefährlich für Menschen, dafür aber außerordentlich hartnäckig. „Japanischer Staudenknöterich wurzelt extrem tief, so dass hier einfaches Rupfen oder bloßes Abschneiden gar nicht hilft, sondern die Pflanzen meist noch stärker verteilt, weil jeder Schnipsel anwurzeln kann“, erläutert Henrike Körber. Auch bedient sich das Springkraut – nomen est omen – einer besonderen Technik zur Verbreitung: Sind die Samenkapseln reif, genügt eine leichte Berührung, sie platzen auf, und die Samen werden meterweit herausgeschleudert.
In Barmen hat sich bereits 2015 die LaNTD-AG zusammengefunden, deren Ziel es unter anderem ist, invasive Neophyten mit Hilfe einer Herde Rinder zu bekämpfen, um so die ursprüngliche Kulturlandschaft auf dem „Driesch“ zwischen Barmen und Broich zu erhalten. In diesem Fall lässt sich festhalten: Mission geglückt, wie Thomas Muckenheim für die LaNTD-AG vermelden kann. Das einstige Leader-Projekt ist inzwischen „verstetigt“. Landwirt Tobias Tholen hat die Herde übernommen, die immer noch auf der Barmener Weide das Springkraut vernichtet. „Die Wiese ist frei von Springkraut“, stellt Muckenheim sachlich fest.

Auch die Biologischen Stationen in Aachen und Düren bekämpfen aktiv die invasiven Gewächse. So gibt es beispielsweise in Monschau regelmäßige „Monschau rupft“-Aktionen. Wenn auch weit entfernt kann auch die Jülicher Rur von den Monschauer Aktionen profitieren, so Körber. Denn die „Samenfracht“ der Pflanzen kommt auch auf dem Wasserwege bis in die Herzogstadt – auch über die Inde, die dann in Kirchberg ebenfalls Samen mitbringt, denn auch die Ufer des Nachbarflüsschens sind mit Bärenklau und Co bewachsen. Die Bekämpfung der Kräuter erweist sich denn auch als Sisiphos-Arbeit, wie auch Heidrun Düssel, Geschäftsführerin der Biologischen Station in Düren, betont: „Wir haben vor etwa vier Jahren in den Oberläufen der Kall angefangen, das Drüsige Springkraut zu rupfen, damit zunächst die Nebentäler frei werden. Dies ist allerdings ein sehr intensives und langwährendes Verfahren, und wir freuen uns über jede Unterstützung, die wir hierzu erhalten.“ Da weder die Nebentäler der Kall noch die der Rur bisher vom unerwünschten Bewuchs befreit werden konnten, kommt nach wie vor das gesammelte Saatgut im Jülicher Land an, bedauert die Leiterin der Station.
Insbesondere an Wander- und Radwegen würde der aufgrund seiner fototoxischen Wirkung so gefährliche Riesenbärenklau teilweise vom Wasserverband Eifel-Rur WVER und den zuständigen Kommunen zurückgeschnitten, ergänzt Heidrun Düssel. Der Kreis Düren als untere Naturschutzbehörde UNB verweist darauf, dass „eine Eindämmung, wenn überhaupt, nur durch flächendeckende systematische Bekämpfungskonzepte möglich“ sei. Seitens der UNB gebe es eine „Beauftragung zur fachlichen Bekämpfung“ der Neophyten speziell entlang der Kall und ihren Nebenbächen. Für die Beseitigung konkreter Gefahren, etwa durch den Bewuchs von Riesen-Bärenklau an Wegen im öffentlichen Raum, seien die jeweiligen Eigentümer dieser Flächen zuständig, so die Kreisverwaltung. Folgerichtig, so bestätigt es die Stadtverwaltung, werden die Riesen-Bärenklau-Bestände an den Wegen entlang der Rur vom städtischen Bauhof häufiger gemäht als andere Stellen. So kann zumindest die Gefahr für Spazierende minimiert werden.
Auf eigene Faust sollte übrigens niemand die Bekämpfung der Neophyten in die Hand nehmen, bittet die UNB. Denn abgesehen von der persönlichen Gefährdung könnte es versehentlich auch zu größeren Schäden wie der versehentlichen Vermehrung des Pflanzenbestands oder auch der Störung sensibler Tierarten kommen. Zudem seien viele Gebiete entlang der Flüsse als Naturschutzgebiete ausgewiesen und dürften deshalb nicht betreten werden.



















