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Von Wurzeln und digitalen Zwillingen

Es ginge bei regenerativer Landwirtschaft nicht um "Bio", es ginge um den schonenden Umgang mit Böden, formulierte eine gut informierte, offensichtlich sehr am Thema interessierte Ministerin Silke Gorißen beim Ortstermin im Forschungszentrum.

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Professor Ulrich Schurr, Ministerin Silke Gorßien und Karin Guendel Gonzalez. Foto: Britta Sylvester
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Kühe auf der Wiese, Schweine im Stall, auf den Feldern wiegen sich die reifen goldgelben Ähren von Roggen, Gerste oder Weizen und vor dem Hoftor gackert am beten noch eine Schwar Hüher – so weit, so idyllisch mag die Vorstellung vom Leben auf dem Bauernhof in vielen Köpfen sein. Spätestens aber, wenn im Gespräch Worte fallen wie „digitaler Zwilling“, „Bodengesundheit“ oder auch „Bodenmikrobiom“ beginnt man zu ahnen, dass das romantische Bild vom Leben auf dem Bauernhof ein wenig veraltet sein könnte.

Das Forschungszentrum Jülich FZJ und die Bayer AG forschen gemeinsam mit den Praktikern vom Damianshof an sogenannter regenerativer und damit – so die Hoffnung – letztlich verstärkt klimaresilienter Landwirtschaft. Nun haben die Beteiligten im Institut für Bio- und Geowissenschaften, Fachbereich Pflanzenwissenschaften, (IBG-2) das Projekt „ReGenFarm“ sozusagen offiziell vorgestellt: Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) und Dr. Patricia Peill (CDU), Vorsitzende des Ausschussses für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz im Landtag, waren zu Gast.

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Im Zentrum des Projekts steht der Damianshof in Rommerskirchen, der als Modellbetrieb der Bayer ForwardFarming-Initiative mit den Forschungsteams kooperiert. Geforscht wird in drei Hauptarbeitsbereichen, erläuterte Professor Johan Alexander Huisman, der als Koordinator am Jülicher Ende die Fäden in Händen hält. Die Bodengesundheit, der digitale Zwilling des Damianshofs und die unterschiedlichen Pflanzensorten, die auf den Feldern wachsen, bilden jeweils einen Bereich. Beim Ortstermin boten die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ebenso spannende, wie gut verständliche Einblicke in ihr Forschungsgebiet. So nahm Helena Bochmann ihre Besucher mit an ihren Arbeitsplatz, wo sie in Rhizotron genannten, flachen Glaskästen nach einem ausgeklügelten System den Wurzeln diverser Feldfrüchte beim Wachsen im Wortsinne zuschauen kann. Damit nicht genug, zeigte Bochmann schließlich noch, wie sie und ihr Team das sonst verborgene Geschehen mittels Magnetresonanztomografie (MRT) sichtbar machen. Dass Wissenschaft manchmal kreativ sein musste, durfte die schmunzelnde Besuchergruppe am Rande auch noch entdecken: Die „Töpfe“, mit denen Roggen, Rettich und Co im MRT versenkt werden, sind aus Regenrohren selbstgebaut. „Alles andere, war nicht klang genug“, sieht es die Pflanzenwissenschaftlerin pragmatisch.

Während am IBG-2 der Einfluss von Wurzeln auf den Boden – genauer auf den letztlich entscheidenden Gehalt an Kohlenstoff – untersucht wird, erstellt Kollege Dr. Felix Bauer den erwähnte digitalen Zwilling des realen Bauernhofs. Für den Ingenieur bedeutete der Ministerinnen-Besuch eine Premiere, wie er mit leichtem Grinsen verriet, denn bisher kannten nur die Beteiligten diesen Teil des Projekts. Auf einem großen Bildschirm zeigte Bauer Felder und Wiesen rund um den Damianshof – mitsamt zugehöriger Details, wie etwa den angebauten Feldfrüchten, dem Wasserspeichervermögen, der Bodenzusammensetzung und dem Kohlenstoffgehalt. Auch eine Prognose zum künftigen Humus- und Kohlenstoffgehalt und damit der weiteren effektiven Nutzung des jeweiligen Feldstücks ist Teil des digitalen Abbilds. Fernziel ist es, so Bauer, den Landwirten mit moderner Technik Entscheidungsgrundlagen und Hilfen zu bieten. „Wir wollen die Landwirte nicht bevormunden“, betont Felix Bauer entschieden und betont, wie wichtig die Zusammenarbeit mit einem aktiven landwirtschaftlichen Betrieb für das gesamte Forschungsprojekt ist. Auch wenn der fruchtbare Lößboden des Damianshofs aus Wissenschaftlersicht eher „langweilig“ ist, wie er schmunzelnd zugibt.

Zusammenarbeit ist der entscheidende Begriff innerhalb des Projekts, wie IBG-2-Direktor Professor Ulrich Schurr und Karin Guendel Gonzalez, Geschäftsführerin der ebenfalls involvierten Bayer CropScience Deutschland GmbH, gleich mehrfach verdeutlichen. „Man kann nicht alle Herausforderungen alleine stemmen“, stellte Gonzalez schlicht fest. Aus ihrer Sicht ist es der „Saatgutbereich“, der letztlich von der gemeinsamen Forschung profitieren werde. Die Ergebnisse würden auf lange Sicht zeigen, welche Pflanzen zum einen mit dem veränderten Klima zurecht kämen und zum anderen etwa auch, von welcher Pflanze der Boden besonders profitiere. Von besonderem Interesse ist beispielsweise der Gehalt an Lignin – einem großen Molekül, das vereinfacht dargestellt die Verholzung von Pflanzen fördert und damit für langsamer verrottendes organisches Material im Boden sorgt.

Das Besondere am ReGenFarm-Projekt aber ist der direkte Draht in die Praxis. Statt komplizierten, kleinschrittigen Vorgehens erfolge der Transfer schon während des Forschens. Mit der Verschränkung aus Forschung, Industrie und Praxis wollen die Beteiligten vor allem für Schnelligkeit sorgen, so Ulrich Schurr, für den nunter anderem die Pflanenzucht „immer noch zu langsam“ ist. Dafür gab es unumwundene Zustimmung der Ministerin, die deutlich machte, dass „der Klimawandel uns wegläuft“. „Landwirte haben viele Stellschrauben, an denen sie drehen können, wie Sortenwahl oder den Bewirtschaftungsplan. Diese sind sehr komplex und werden in Zeiten von Klimawandel immer schwieriger“, ergänzt Professor Huisman und betont damit noch einmal die Bedeutung dieses Projekts.

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Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinische Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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