Überraschende Erkenntnisse gab es auch für die Ausschussmitglieder im letzten Bau-Ausschuss. Laut Ausschussvorsitzendem Heinz Frey (UWG JÜL) hatte noch am Montag zuvor die „Rathaus AG“ mit der Annahme getagt, dass sowohl der „Kopfbau“ des Neuen Rathauses als auch das Westgebäude des Gymnasiums Zitadelle im Förderprogramm „REVIER.GESTALTEN“ finanziellen Platz fänden. Das Stichwort lautet „energetische Sanierung“. Nun, drei Tage später, sah die Lage offenbar ganz anders aus.
Die Ausschuss-Vorlage sah vor, mit Gesamtkosten von 4.511.733 Euro – 95 Prozent davon gefördert – ausschließlich das Neue Rathaus zu sanieren. Eva Strehl, Klimaschutzmanagerin, begründete die neue Situation mit neuen Zahlen des Planungsbüros. Montag sei man noch davon ausgegangen, dass die vorherigen Zahlen final waren. Dies sei allerdings Dienstag korrigiert worden. Es sei nur noch möglich, eins von beiden Gebäuden mit dem Förderprogramm zu sanieren. Die Verwaltung rate dazu, das Neue Rathaus zu sanieren, da die bereitgestellten Fördergelder damit so vollständig wie möglich genutzt würden. Beim Westgebäude käme man auf Kosten von etwa zwei bis zweieinhalb Millionen Euro. Damit würden Fördergelder liegen bleiben.
Diskutiert wurde, ob aufgrund der Kurzfristigkeit die Abstimmung nicht geschoben werden könnte. Die Antwort der Verwaltung darauf lautete, dass zwar offiziell und in der Beschlussvorlage ein verlängerter Einreichungs-Zeitraum bis zum 31. Juli angegeben sei, man aufgrund einiger Aussagen allerdings lieber die ursprünglichen Deadline einhalten wolle. Diese sei am folgenden Dienstag. Bürgermeister Axel Fuchs empfahl daher auch, in derselben Sitzung den Empfehlungsbeschluss zu stellen. Gleichzeitig betonte er, dass das Westgebäude dennoch ein sehr wichtiges Thema bleibe. Harald Garding (SPD) fragte in diesem Zusammenhang, basierend auf einem vorangegangen SPD-Antrag, ob es eine verbindende Aussage aus der Verwaltung zum Westgebäude gebe – sei man eher für einen Abriss oder eine Sanierung? Die Antwort des Bürgermeisters war eindeutig: Man wolle das Gebäude wieder ertüchtigen. Auch die Schule habe betont, dass sie darauf nicht verzichten könne.
Ausschussvorsitzender Frey regte unter dem finanziellen Gesichtspunkt an, ob die Verwaltung ermitteln könne, was die Kostenpunkte dreier verschiedener Varianten für das Westgebäude seien. Diese drei von ihm genannten Varianten seien entweder eine komplette Sanierung, ein vollständiger Abriss oder ein Teil-Abriss des Gebäudes. Damit habe man eine Argumentationsgrundlage und vermeide, Kosten in ein aussichtsloses Projekt zu stecken. Dazu gab Hochbauamtsleiterin Jaqueline Aust eine vorläufige Stellungnahme ab: Eine Sanierung halte sich mit Abriss und Neubau etwa die Waage. Sie freue sich darüber, dass die allgemeine Intention sei, das Gebäude zu erhalten. Dabei seien allerdings akute Brandschutzprobleme ebenso wie Probleme mit der Heiztechnik in den Blick zu nehmen. Die Frage sei, ob man Teile oder das Gebäude im Ganzen sanieren wolle – beispielsweise müsse im Rahmen einer Brandschutzsanierung auch eine Asbest-Sanierung stattfinden, da dies ebenfalls ein Problem im Gebäude sei. Die Frage aus Reihen der CDU, ob es weitere Förderungen für energetische Sanierungen gäbe die beim Westgebäude Anwendung finden könnten, versprach Fuchs: Man könne einmal den aktuellen „Förderdschungel“ durchforsten und wenn es eine Förderung gebe – insbesondere in der zweiten Förderphase – würde man sich selbstverständlich darum bemühen.
Es folgte eine von Julia Gruben (CDU) – aufgrund der Kurzfristigkeit – beantragte Beratungspause. An diese schlossen sich einige Begründungen an. Sie selbst betonte, dass die Entscheidung nötiger Verwaltungsbau gegen genauso nötigen Schulbau „wahnsinnig schwierig“ sei. Allerdings sei beim Neubau des Rathauses der Zeitplan bereits sehr eng. Daher sei vonseiten ihrer Fraktion entschieden worden, zuzustimmen. Mit einem protokollarischen Vermerk: Die Verwaltung werde gebeten, „dringlichst“ Möglichkeiten zu suchen, wie man auch das Thema Westgebäude zeitnah ansetzen könne. Dass die Entscheidung nicht einfach sei betonte auch Garding. In Hinblick darauf, dass aus Sicht seiner Fraktion die Zahlen beim Westgebäude „noch nicht so weit“ seien und auch auf das Versprechen des Bürgermeisters, dass das Schulgebäude im Fokus bliebe, stimme man der Vorlage zu.
Die Entscheidung dafür, nur das Rathaus zu sanieren und die Verwaltung mit dem Förderantrag zu stellen, fiel schließlich einstimmig. Ebenso die Entscheidung dafür, die Verwaltung mit der Kostenermittlung der drei von Frey vorgestellten Varianten zu beauftragen.



















