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Rote Karte für Rechtsaußen

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Joe Ecker steht für sein Engagement gegen rechts. Foto: Kreis Düren (Ausschnitt)
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Das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Ehrenbürgerschaft der Stadt Düren, der Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußballbundes DFB – die Liste der Auszeichnungen, die der Dürener Jo Ecker im Laufe von 25 Jahren „gesammelt“ hat, ist lang. Dabei war das gar nicht seine Absicht, als er 2001 die Initiative „Fußballvereine gegen Rechts“ ins Leben rief. Vielmehr sah sich Jo Ecker schlicht mit der Tatsache konfrontiert, etwas tun zu müssen.

„Wir hatten eine sehr gute Mannschaft, mit der wir zum Pokalspiel gefahren sind“, erinnert sich Ecker an den Tag, der sein Engagement ins Rollen brachte. Eine große Gruppe „Glatzen in Springerstiefeln“ hatte damals die Jugendmannschaft des FC Düren-Niederau 08 mit verbaler ausländerfeindlicher Gewalt förmlich überschüttet. „Die Eltern hatten Angst, die Kinder haben geweint, und keiner hat etwas getan“, berichtet Ecker und entschied sich „beim Stand von 7:0 für uns“ dafür, das Spiel abzubrechen. Ein Novum im Amateurfußball, für das es keine Regel gab. Am Ende standen für Jo Ecker ein achtmonatiges Arbeitsverbot als Trainer, eine Geldstrafe für seinen Verein und der Entschluss, aktiv gegen Rassismus und Gewalt werden zu wollen. Anfänglich hätten sie noch Transparente gebastelt, heute sind es vor allem die Schilder mit der Aufschrift „Kein Platz für Rassismus und Gewalt“, die jeder Verein kostenlos auf seinem Gelände anbringen kann.

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War die Initiative anfangs auf den Kreis Düren beschränkt, hat sie inzwischen bundesweite Bekanntheit erlangt. „Wir sind jetzt bei 2000 Schildern“, berichtet der Initiator mit einem gewissen Stolz. Doch damit nicht genug: Fünf Schiedsrichter aus dem Dürener Fußballkreis haben ein Banner mit gleichlautender Aufschrift bekommen. Vor jedem Spiel posieren die Schiris mit beiden Teams und dem Bekenntnis gegen Hass und Gewalt für ein Foto, das dann über die sozialen Medien verteilt wird. Das schafft Aufmerksamkeit, ist sich Ecker sicher.

Bei der Fußballkreismeisterschaft in der Jülicher Nordhalle gehören Mannschaftsfotos mit dem Aufruf, sich gegen Rassismus und Gewalt zu stellen, ebenfalls fest dazu. In Kooperation mit einigen Dürener Sporthändlern gibt es für alle Vereine, die möchten, den kostenlosen Aufdruck auf dem Trikotärmel. Und die Schilder, die unter der Überschrift „4 Schrauben für Zivilcourage“ firmieren, sind mittlerweile auch in anderen Sportarten präsent – leider, wie Jo Ecker resümiert. Sein trauriges Fazit nach 25 Jahren „Fußballvereine gegen Rechts“ lautet: „Trotz Aktion ist es schlimmer geworden.“

Aufgeben ist gerade deshalb allerdings keine Option, betont Ecker, der gleichzeitig weiß: „Die Initiative bin ich.“ Dahinter steht eine bewusste Entscheidung, denn die massiven Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen, mit denen er sich konfrontiert sieht, möchte er weder Familie noch Freunden zumuten. Dennoch weiß Jo Ecker, dass er auf Unterstützung zählen kann. Die letzten drei Bundespräsidenten haben jeweils die Schirmherrschaft über die gesamte Initiative übernommen, auch Fußballprofi Yannick Gerhardt engagiert sich. Die beiden Jülicher Mo Khomassi und Bilal Salim sind ebenfalls mit dabei; unter anderem immer dann, wenn die „Fußballvereine gegen Rechts“ ihren Stand beim DFB-Pokal-Endspiel der Frauen in Köln aufbauen. Dort kämen dann auch immer gerne ein paar Promis für ein Foto mit Jo Ecker und dem Schild, das auch dort „Kein Platz für Rassismus und Gewalt“ fordert, vorbei.

Die Anerkennung, die Unterstützung und auch die Freundschaften, die im Laufe der Jahre entstanden sind, seien „der schöne Teil“, stellt Jo Ecker für sich fest und weiß, dass er wohl noch lange weitermachen wird. Und wenn es in Zukunft weitere Auszeichnungen geben sollte, wäre das auch schön, denn „die sind meist mit einem Preisgeld verbunden“, lächelt Ecker. Geld, das selbstredend in weitere Aktionen fließt und vielleicht irgendwann dazu führt, dass rechte Gewalt und Rassismus auf den Fußballplätzen in Jülich, Düren und dem Rest der Republik tatsächlich keinen Platz mehr findet.
Wer als Verein ebenfalls die rote Karte gegen Rechts zücken möchte, kann per E-Mail an gegen-rechts@gmx.net sein eigenes Schild bestellen.

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Britta Sylvester
Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinische Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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