Start featured Die Königshäuser, meine Oma und ich – eine royale Leidenschaft

Die Königshäuser, meine Oma und ich – eine royale Leidenschaft

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Illustration: Sopio Kiknavelidze | Foto: privat | Montage: Claudia Kutsch
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Einmal im Monat treffen wir uns zur Redaktionskonferenz, in der wir die nächsten Ausgaben inklusive Titelthema des herzöglichen Magazins besprechen. Dieses Mal ging es um das Thema Adel. Kaum war das Wort „Königshaus“ gefallen, drehten sich alle Köpfe zu mir – wie bei einer Krönung, nur ohne Krone. „Nicola, das ist dein Thema.“ Einstimmig. Ohne Diskussion. Ich hätte fast einen Knicks gemacht, habe mich zurückhaltend königlich vor dem „Publikum“ verneigt und habe zugesagt.
Und ja, sie haben recht. Meine Sammelleidenschaft ist noch ausbaufähig, aber die Grundausstattung ist da: Tassen mit royalen Gesichtern, Postkarten, Bücher, Kissen – quasi ein kleiner Buckingham Palace in unserem Zuhause. Meine Familie rollt die Augen, unterstützt mich aber tapfer. Vor allem wenn es um das englische Königshaus geht. Da bin ich Fan durch und durch.

Unvergesslich: der 8. September 2022, an dem Queen Elizabeth II. starb. Auf dem Weg nach Hause hörte ich im Autoradio, dass es ihr schlecht gehe, die Familie auf dem Weg zu Schloss Balmoral sei. Ich ahnte nichts Gutes. Zuhause angekommen, rief ich: „Bitte nicht ansprechen, ich muss recherchieren!“ – Als ginge es um die Weltpolitik. Dannw die Meldung: „London Bridge is down.“ Das Telefon klingelte, und ich wurde gefragt, ob ich schon Kenntnis vom Tode der Queen hätte. Ich hatte das Gefühl, dass die Anrufer kurz davor waren, mir zu kondolieren. Ich war erschüttert. Schließlich war sie für mich schon immer da. Natürlich habe ich die Beerdigung verfolgt – wie damals die von Prinzessin Diana und auch die von Prinz Philip. An solchen Tagen gibt es keine Termine außer royale.
Die Krönung von Prinz Charles? Ein Fest! Geplant war ein Event mit Freundinnen, englischem Tee, Scones und einem Outfit, welches dem Anlass angemessen wäre. Leider musste ich absagen – Familienpflichten. Da nun aber meine Familie wusste, dass diese Krönung für mich schon wichtig ist, hat man versucht, mir ein Fernsehprogramm bereitzustellen, so wie andere halt bei Familienevents, egal ob es eine Hochzeit, ein runder Geburtstag oder ein Grillfest ist, die Fußball-WM schauen. Das ist dann auch selbstverständlich.

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Warum mich der Adel so fasziniert? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich als Siebenjährige mit meiner Oma die Hochzeit von König Karl Gustaf und Silvia Sommerlath im Fernsehen sah – im Wohnzimmer meiner Großeltern. Es hat mich seinerzeit sehr beeindruckt, wieviel Menschen zu einer Hochzeit gehen und wie schön alle gekleidet waren. Im gleichen Jahr war mein Vater Karnevalsprinz; ich durfte als „Prinzessin“ im Hintergrund glänzen. Oma nähte mir ein rotes Kleid mit goldenen Applikationen. Ich fühlte mich wie eine kleine Königin und hatte damals das Gefühl, dass ich eigentlich in den falschen Kreisen aufgewachsen bin.
Serien wie „The Crown“, „Downton Abbey“ oder früher „Das Haus am Eaton Place“? Mein persönliches Pflichtprogramm. Nicht nur der Adel, auch die Dienerschaft – diese Liebschaften vom Lord bis zum Chauffeur! Faszinierend. Wenn im Fernsehen eine Doku über Königshäuser läuft, gilt: „Bitte nicht stören – nur im Notfall.“

Die jungen Prinzen und Prinzessinnen heute? Nett, aber irgendwie fehlt das aristokratische Benehmen. Das Interesse für den Adel in Norwegen, Schweden, Niederlande etc. ist bei mir nicht sehr ausgeprägt. Die Queen war meine Ikone. Vielleicht weil sie dieselbe Frisur hatte wie meine Oma: immer perfekt, farblich abgestimmt – von Kopf bis Fuß. Das hat mich als Kind schon fasziniert. Stil ist eben zeitlos.
Ach ja, mein London-Aufenthalt: Schulenglisch aufpoliert mit „Coronation Street“ – der britischen Lindenstraße. Und ich habe sogar in einem royalen Krankenhaus gearbeitet. Wenn das nicht adelig ist, dann weiß ich es auch nicht.
So, jetzt Schluss. „Downton Abbey III – Das große Finale“ wartet. Tee aus der „Queentasse und Shortbread stehen bereit. God save the King – und meine Fernbedienung.

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Nicola Wenzl
Macht alles, laut Auskunft des Manns an ihrer Seite falls nötig auch eine OP am offenen Hirn. Mit großer Leidenschaft für das gesprochene Wort überzeugt sie gerne auch durch Comedy-Qualitäten. Hält sich gerne fit - geistig wie körperlich und ist ständig im Einsatz. Als Heinsberger "Mädschen" schon seit fast 20 Jahren überzeugte "Wahl-Muttkrat".

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