Gut gelaunte Jugendliche in der Schule. Und das auch noch am Wochenende. Eigentlich schwer vorstellbar, aber bei „Open Minds“ im Overbacher Science College wird nicht nur viel gelernt, sondern auch gelacht. 60 Jugendliche aus der Region treffen sich hier, um befreit von Notendruck und außerhalb der alltäglichen sozialen Zwänge am Altar der Wissenschaft zu huldigen. Sie treffen hier außerdem nicht nur alte Freunde. Das zweijährige Stipendium ist so konzipiert, dass jedes Jahr neue Teilnehmende hinzukommen, wenn die Dienstältesten sich verabschieden. Jeden Sommer beenden 30 Jugendliche das Programm, und gleichzeitig rückt die nächste Gruppe nach. Seit 2023 gibt es das Stipendium. In diesem Jahr wird es im März das erste Alumni-Treffen geben, das zukünftig jedes Jahr im September stattfinden und die bestehenden Netzwerke fördern und erweitern soll.
Die geförderten Jugendlichen lernen jeweils an zwei mal sieben Terminen verschiedenste disziplinübergreifende Themen kennen. Man wolle den Heranwachsenden verschiedene Möglichkeiten akademischer und beruflicher Zukunft präsentieren und gleichzeitig Weltoffenheit und Kreativität fördern, unterstreicht die Koordinatorin Nataliya Danylyuk. Alle Kosten für Unterkunft und Verpflegung werden deshalb übernommen. In seiner Bewerbung, erinnert sich Felix Spiller, habe er darüber geschrieben, wie man seiner Ansicht nach offene Menschen erkennt. Mit seiner Perspektive auf die Konstruktivität von Meinungsverschiedenheiten hat er es zum Kennenlerntag geschafft, bei dem er dann mit seiner begeisterten Art überzeugen konnte.
Das Stipendium sei, wie die Koordinatorin Nataliya Danylyuk erklärt, nicht für die Schülerinnen und Schüler mit den besten Noten erdacht worden. Vielmehr sei es das Ziel, den Jugendlichen mit Freude am Lernen verschiedene neue Themen zu präsentieren, die so in den Lehrplänen nicht vorkommen, so die Ukrainerin. Benjahmin Rost erklärt, seine bisherige Lieblingsveranstaltung sei der Ausflug zum Heimbacher Wasserkraftwerk gewesen. Während der gesamten Tour durch das über 100 Jahre alte Gebäude im Jugendstil habe er das Grinsen nicht aus dem Gesicht bekommen.
Das Eröffnungsthema dieses Jahres wurde in drei verschiedenen Workshops von vier Dozenten vorgestellt. Die jungen von Neugier Getriebenen können hier wie bei jeder Veranstaltung eigene Interessenschwerpunkte setzen und sich eins der ganztägigen Seminare aussuchen. Deborah Neubecker erinnert sich freudestrahlend an die aus ihrer Sicht bisher beste Veranstaltung zum Thema Forensik. Die verschiedenen Gruppen konstruieren auf Basis des Gelernten unterschiedliche Tatorte, die es dann für die eine der anderen Gruppen zu lösen galt. Beim diesmaligen Thema Medien, so Henny Lang, erhoffe sie sich insbesondere neue Erkenntnisse zum Thema Recherche und Quellenarbeit. Alle vier Jugendlichen im Gespräch sind sich einig, dass Fake-News eins der bedeutenden Probleme unserer Zeit sind und gehen davon aus, am Ende des Wochenendes gewappneter zu sein.
Präsentiert wird der Themenkomplex „Medien“ von vier Dozierenden. Mediengestalter Jannik Saxler, mitunter verantwortlich für Live-Produktionen beim SWR und selbst ehemaliger Overbacher, und Nika Layegh, Redakteurin und Moderatorin beim SWR, stellen ihren Zuhörenden den redaktionellen Alltag vor und führen sie in die Produktion von Text und Videomaterial ein. Anhand von eigens gewählten Themen produzieren sie ihre eigenen Nachrichten-Reels vom Skript bis hin zu Aufnahme und Schnitt. Judy Herzog, Dozentin an der Universität Mainz und Medienpädagogin, zeigt Gefahren von Fake-News und Manipulation auf, indem sie ihre Seminarteilnehmenden anhand der Erstellung eines fingierten Instagram-Profils erkennen lässt, wie einfach es ist, ganze Existenzen zu erfinden. Natürlich nicht öffentlich.
Der zweite Herzog mit Vornamen Lukas, wissenschaftlicher Mitarbeiter und ebenfalls Dozent an der Universität Mainz, führt an die Recherchearbeit und Quellensuche heran. Dem HERZOG erklärt Herzog, ihm sei es wichtig, nicht nur steif einem inhaltlichen Plan zu folgen, sondern auf die Interessen und Fragen seiner Zuhörerschaft einzugehen, wodurch das Seminar mit einer Vertiefung in das Gebiet der Cybersicherheit und Anonymität im Netz geendet habe.
Felix Spiller erinnert sich an die letztjährige Sommerwerkstatt zum Thema Wellen, bei der in seinem Workshop eine Antenne konstruiert wurde, mit der sie sehr zur Freude aller das WLAN-Signal verstärken konnten. Nach dem Vertiefungskurs zum Thema Medien im März folgen in diesem Jahr Workshops zur Astrofotografie und ein dazu passender Exkurs. Wie jedes Jahr finden im Sommer das „Energy Lab der Zukunft“ und darauffolgend die bereits erwähnte Sommerwerkstatt statt, bevor das Projekt für dieses Jahr mit einem Eintauchen in die Welt der Architektur endet.
Die vier Jugendlichen sind alle bereits in ihrem zweiten Jahr des Stipendiums und haben sich schon lange darauf gefreut, zurück in die Community des gemeinsamen Lernens und Wachsens zurückzukehren. Im Verlauf des Stipendiums ist eine generationenübergreifende Gemeinschaft entstanden, in der beispielsweise das Quasi-„quasi“-Verbot überliefert wird. Lachend vermerken sich die Jugendlichen auf der eigenen Strichliste, als sie davon erzählen. Auch Vergehen der Dozenten seien da mittlerweile vermerkt.
Die aktuelle Bewerbungsphase läuft noch bis zum 28. Februar. Interessierte sind eingeladen, sich bei Fragen an Nataliya Danylyuk zu wenden oder die Website des Viktor Rolff Stipendiums aufzusuchen.


























