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Von Gründungen und Wirksamkeit

Professor Martin Keller, neuer Präsident der Helmholtz-Gesellschaft, stattete dem Forschungstandort Jülich einen Antrittsbesuch ab. Beim "Abstecher" ins Startup Village stand die Frage im Mittelpunkt, wie Forschung wirksam werden kann.

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Ein praktisches Beispiel, wie Forschung wirksam werden kann, zeigte dieses Modell eines Qbits. Foto: Britta Sylvester
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In Jülich wird reichlich geforscht – ob im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR, an der Fachhochschule oder im Forschungszentrum FZJ, um nur einige Orte zu nennen. Doch wie wird Forschung eigentlich praktisch, sprich: wie können die gewonnenen, sicherlich spannenden Ergebnisse in praktische Anwendungen umgesetzt werden? Eine Frage, mit denen sich besonders jene Forschenden auseinandersetzen, die aus Wissenschaft ein Unternehmen machen wollen.

Anlässlich des Antrittsbesuchs von Professor Martin Keller, der seit November letzten Jahres als Präsident die Geschicke der Helmholtz-Gesellschaft lenkt, hatte das FZJ eingeladen, die Frage „Wie wird Forschung wirksam?“ gemeinsam zu erörtern. Mit dabei waren Atmosphärenchemikerin Dr. Eva Pfannerstill, die unter anderem das Zusammenspiel von Luftverschmutzung und Klimawandel erforscht, und Dr. Jette Degenhardt, die sich mit ziviler Sicherheitsforschung befasst. Beiden Forscherinnen ist nicht die Gründung eines Unternehmens ein Anliegen. Vielmehr geht es ihnen darum, ihre Erkenntnisse in die Umsetzung zu bringen. Degenhardt nannte mit der Beteiligung an Sicherheitsplanungen für eine vergangene Fußball-Europameisterschaft ein gelungenes Beispiel, während Eva Pfannerstill vor allem dran gelegen ist, ihre gesellschaftsrelevante Forschungsergebnisse in konkrete Maßnahmen umgesetzt zu sehen – dafür brauche es unter anderem die Politik.
Anders bei Dr. Markus Beckers: Der Ingenieur hat als Co-Gründer das Startup ARQUE Systems ins Leben gerufen, dass Quantencomputersysteme auf Basis von Halbleiterchips entwickelt und vertreibt. Kollege Jonas Bühler forscht währenddessen daran, wie die für den Betrieb der Quanten-Hochleistungsrechner notwendige große Kälte geliefert werden kann. Ziel seiner Gründung ist es, entsprechende Kühlsystem auf den Markt zu bringen. Simon Hahn hingegen befasst sich mit dem Gegenteil: Große Hitze zu erzeugen, ist das Kerngeschäft seines Startups Clean H2eat. Dazu soll Wasserstoff möglichst rückstandslos verbrannt werden. Diese drei Beispiele illustrierten eindrucksvoll, dass es tatsächlich möglich ist, aus zunächst abstrakt wirkender Wissenschaft praktisch umzusetzen. Welche Hindernisse es geben kann, woher das notwendige Geld kommen und wer Hilfe im Behördendschungel bieten kann, wurde in einer kurzen Diskussion – inklusive Abstecher ins Fachliche rund ums Kryo-Computing – mit Martin Keller beleuchtet.

Frank Drewes (rechts) führte Professor Martin Keller samt Begleitung durchs Gründerdorf. Foto: Britta Sylvester
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Der Ort für die sogenannte Dialogrunde war mit dem Startup Village ebenso bewusst wie passend gewählt. Schließlich geht es hier genau darum: Gründern mit dem notwendigen Know-how und den so wichtigen Netzwerken unter die Arme zu greifen. Denn, wie der Helmholtz-Präsident zusammenfassend motivierte: „Wenn man Zeit, gute Ideen und Netzwerke hat, kommt meistens auch das Geld.“ Eine Frage, die Keller in diesem Zusammenhang offenbar umtreibt, ist, warum sich seiner Ansicht nach in Deutschland so wenige Gründer trauen, externe Investoren ins Boot zu holen. Geklärt werden konnte dieser Gedanke während des Gesprächs zwar nicht, einen guten Einblick ins Leben und Arbeiten im Startup Village gab es für die FZJ-Delegation gleichwohl.

Genau das war die Idee hinter dem Besuch, wie Armin Großek, Leiter der Abteilung Strategische Kommunikation, mit einem kleinen Augenzwinkern erläuterte: „Wir wollten, und das ist durchaus wörtlich gemeint, den Zaun überwinden.“ Folgerichtig gaben Frank Drewes, Brainergy Park-Geschäftsführer, und der Leiter des Startup Village, Ingmar Stock, ihren Gästen auch noch die fast schon obligatorische Besucherführung und zeichneten dabei das schöne Bild der Gemeinschaft, die nicht nur zusammenarbeitet, sondern auch voneinander profitiert und am besten auch noch Spaß dabei hat. „Letztlich soll das hier ein Ort werden, an dem Spaß und Arbeit zusammenkommen“, formulierte Drewes. Eine Sog-Wirkung des Gründerdorfs erhofft sich Kollege Stock, stellte aber gleichzeitig fest, dass die Nachfrage potentieller Neu-Unternehmen groß ist und „immer weitere Kreise“ über die Region hinaus zieht. Gute Aussichten also für die eingangs geäußerte Frage danach, wie sich denn Forschung nun tatsächlich anwenden, umsetzen und bestenfalls in bare Münze verwandeln lässt.

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Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinische Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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