
Ganz im Sinne des Digitalen, so bezeichnete Museumsleiter Marcell Perse den diesjährigen Museumstag für seine Institution. Denn nicht nur wurden unter dem Titel „SchlossgeSCHICHTEN“ die Erkenntnisse der Ausgrabungen im Innenhof zwischen 2013 bis 2015 visualisiert: Neu im festen Programm des Museums sind VR-Brillen, durch die sich Museumsgäste einen greifbaren Eindruck des Residenzschlosses um 1600 machen können.
Karl Philipp Gawel, 1. Stellvertretender Bürgermeister, plauderte in seiner Grußrede aus dem Nähkästchen: „Eigentlich wollte ich Archäologe werden“. Bei seinen „Ausgrabungen“ als Kind sei allerdings im Gegensatz zu den professionellen nichts herumgekommen. Die an diesem Tag vorgestellten Projekte des Museum verbänden Jülichs selbsterklärte Bestandteile der historischen Festungs- und modernen Forschungsstadt. Eine gute Gelegenheit, auch Jugendliche zu erreichen – mit Geschichte, die man erleben kann.

Geheimnisumwitterte Magier, die Löcher graben und gewisse Rituale vollziehen, um anschließend Leben zu sehen, wo für andere nur Erde ist: So beschrieb Christoph Fischer, Bau- und Technikbetreuer des Museums, den Beruf der Archäologie. Damit das nicht so bleibt, habe man mit der Ausstellung die Erkenntnisse für „Normalsterbliche“ sichtbar und verstehbar gemacht. Erwartet habe man Funde – Dinge, die man mitnehmen kann – und Befunde – Sichtbares vor Ort – aus der Geschichte der Zitadelle. Doch man habe „viel, viel mehr“ gefunden. Auch Strukturen aus dem Mittelalter und der Römerzeit seien dabei gewesen, obwohl das Schloss fast außerhalb der römischen Siedlung gelegen habe. Wie das alles ausgesehen haben könnte, zeigt ein Film anhand von computergenerierten Bildern. Dieser Film erklärt auch, was auf dem Lackabzug der Erdschichten zu sehen ist, der sich im Schlosskeller befindet.

Auf die zweite filmische Darstellung ging der Kurator für Stadt- und Festungsgeschichte Guido von Büren ein. Denn der achtminütige Film, der auf neun VR-Brillen gezeigt wird, beschäftigt sich mit der Stadtbaugeschichte. Dabei wurde auch auf Daten des Projekts „Virtuelles Jülich“ zurückgegriffen, das zur Landesgartenschau 1998 vom Förderverein Festung Zitadelle präsentiert wurde. Zu sehen ist das Schloss in einem idealisierten Zustand zur Entstehungszeit. Es handle sich um eine „atmosphärische Rekonstruktion“, gestaltet ist der Film des interregionalen Projekts „Terra Mosana“ wie ein Rundgang. Immer wieder gibt es dabei Fotos, die erklären, worauf die visuelle Interpretation fußt. Überraschend wirken wohl die Höhe des Schlosses sowie architektonische Besonderheiten, die im Inneren des Gebäudes gefunden werden. Das VR-Erlebnis kann entweder mithilfe eines Sprechers direkt im Film stattfinden oder durch eine persönliche Führung begleitet werden. Kommende VR-Führungs-Termine außerhalb des Internationalen Museumstages sind im Internet auf der Website des Museums zu finden.
Die Technik funktioniere mit einer intuitiven Steuerung und einer „implementierten“ Zukunftssicherheit, wie Perse betonte. Denn die Wahrheit gebe es nicht zu 100 Prozent und man nähere sich der Vergangenheit immer mit plausiblen Erklärungen an. Es gehe darum, nicht zum Stillstand zu kommen. Wie in der Demokratie sei der Prozess nicht beendet – und Platz im Film für neue Erkenntnisse.



















