Mit „The All-American Arztroman“ brachte das Kollektiv Zuckerrübe eine ungewöhnliche Theaterproduktion auf die Bühne. Die studentische Laiengruppe präsentierte vor nahezu voll besetztem Gerlingpavillon ein Stück, das zunächst wie eine stereotypische Krankenhausserie beginnt und sich nach und nach zu einer skurrilen Geschichte über Freiheit, Identität und die Macht von Autoren und Autorinnen entwickelt. Trotz der sommerlichen Temperaturen herrschte eine entspannte Atmosphäre. Getränke und Popcorn wurden angeboten, die Türen blieben geöffnet, und auch in der Pause blieb die Stimmung locker und ungezwungen.
Auf der Bühne drehte sich zunächst alles um das Leben in einem Krankenhaus. Zwischen ehrgeizigen Ärzten, einer attraktiven Medizinerin, einer jungen Lernschwester und einem gefeierten Oberarzt vollzog sich eine Handlung voller Klischees und überbetonter Figuren. Doch im Verlauf des Stücks nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung: Die Charaktere erkennen, dass sie Teil eines Romans sind und ihr gesamtes Leben von einem Autor bestimmt wird. Von diesem Moment an entwickelt sich „The All-American Arztroman“ zu einer humorvollen und kreativen Auseinandersetzung mit der Frage, wie viel Kontrolle Figuren über ihre eigene Geschichte haben können. Die Krankenhauswelt gerät zunehmend aus den Fugen, die Figuren beginnen, sich gegen ihre vorgegebenen Rollen zu wehren, und träumen von völlig neuen Leben, sei es in einer bayrischen Gastwirtschaft oder in einem Herz-Schmerz-Romantikroman. Dieses literarische Chaos forderte die Laiengruppe auch darstellerisch heraus: Die sieben Studenten und Studentinnen schlüpften reibungslos in insgesamt neun verschiedene Rollen.
Besonders beeindruckend war, mit welchem Aufwand die Laiengruppe die Inszenierung umgesetzt hat. Die Requisiten und das Bühnenbild waren detailreich gestaltet, die zahlreichen Szenenwechsel gelangen zügig und sorgten dafür, dass die Handlung trotz vieler Krankenhausraumwechsel in Bewegung blieb. Dass sämtliche Kulissen und Utensilien von der Gruppe selbst organisiert, besorgt und gebaut wurden, verlieh der Produktion zusätzlichen Charme. Das Projekt stellten die Studenten und Studentinnen ausnahmslos selbst auf die Beine. Seit Januar probte die Gruppe regelmäßig für die Aufführung. Aus mehreren gelesenen Stücken wurde „The All-American Arztroman“ ausgewählt, weil ihnen die Theaterinszenierung besonders gefiel.
Wie Viktorina, die im Stück die Oberschwester Maine spielt, erklärt, habe sie vor allem „Lust, zusammen etwas auf die Bühne zu bringen“ und in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Die Freude am gemeinsamen Theaterspielen konnte man während des gesamten Stückes gut spüren. Auch wenn die verschachtelte Handlung stellenweise Aufmerksamkeit verlangte und nicht jede Wendung sofort nachvollziehbar war, überzeugte die Aufführung durch Kreativität, Spielfreude und sichtbar investierte Arbeit. Das Kollektiv Zuckerrübe zeigte, wie viel Engagement, Fantasie und Teamgeist durch Eigenproduktion auf die Bühne gebracht werden können.























