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Eine Schalterhalle für die Vielfalt

Zum ersten Mal gab es in Jülich einen Aktionstag, bei dem es explizit darum ging, dass sich queere Angebote aus der Stadt und Region präsentieren können. Eine Premiere der Vielfalt.

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Was für die Anwesenden "Queerness" bedeutet. Foto: Ariane Schenk
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Eigentlich sollte es mittlerweile normal sein, dass queere Identitäten ganz selbstverständlich im Alltag stattfinden. Da dies aber nicht so ist und Angriffe auf queere Menschen wieder ansteigen, ist es umso wichtiger, Räume zu schaffen. So zum Beispiel beim Aktionstag „Jülich goes Queer“, einer Kooperation zwischen der Gleichstellungsstelle und dem Kulturbüro Jülich.

Bühnenprogramm und eine Kunstausstellung wurden angekündigt, um Interessierte in den Kulturbahnhof zu holen. Vor Ort prägten zusätzlich Informationsmaterial und Bücher das Bild – man könnte sagen: Eine gute Gelegenheit für einen ersten Kontakt. Herzlichkeit und Leidenschaft fanden sich an allen Ständen wieder: Überall gab es Menschen, die sich mit einem Lächeln viel Zeit für Erklärungen und Rückfragen nahmen. Denn, so ähnlich formulierte es auch die Initiative SCHLAU Aachen für ihre Schul-Workshops: Besser ist es doch, miteinander statt über einander zu reden.

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Perspektivverändernd war dabei auch ihr „Queer History Quiz“: Verschiedene Ereignisse oder rechtliche Errungenschaften sollten auf einer Zeitlinie platziert werden – mit oftmals überraschenden Ergebnissen. Sachlich ging es auch am anderen Ende des Raumes zu: Es war eine Art Umfrage zur Beteiligung aufgebaut. Dabei ging es um Wünsche und persönliche Bedeutungen, aber auch um offene Fragen: Zum Beispiel, welcher Begriff noch ein Fragezeichen aufwirft – zur Aufklärung.

Einen künstlerischen Einblick darin, was es heißt, queer zu sein, konnte das Publikum bei der Ausstellung von Aurelie Steven Nowack Azak erhalten. In verschiedensten Materialien – viel davon Altpapier-Pulpe, nicht zu verwechseln mit Pappmaché – ging es um Identitätsverlust, um (politische) Missstände und negative Dinge, die erst in etwas Positives geformt werden müssen. Viele unterschiedliche Werke, die ein Gesamtwerk ergeben sollen – und immer auch etwas Persönliches des schaffenden Menschen beinhalten. Wer fragte, konnte eine „Werkschau“ bekommen, die tiefe Einblicke offenbarte.

Dies war übrigens die erste Ausstellung Aurelie Steven Nowack Azaks. Und der Premieren nicht genug: Auch der „Queer/LGBTQIANP+ Stammtisch Jülich“ hatte aus Anlass der Veranstaltung seinen allerersten Infostand aufgebaut – um gleich am nächsten Tag den zweiten in Heinsberg aufzubauen.

Untermalt wurde der Tag vom Bühnenprogramm. Hängen blieb bei den Anwesenden der zweite Poetry Slam Beitrag: Hierin ging es um einen sexuellen Übergriff. Die Musik von Kilian Haunschild, auch bekannt unter Kilian Elias, war nicht nur im Hintergrund schön anzuhören, sondern sorgte auch dafür, dass mancher Mensch kurz innehielt und auf den Bänken Platz nahm. Eine Mischung aus langsamen und Stücken, die eher upbeat waren – wie der Musiker erklärte: „Normalerweise mache ich nur Langsameres.“ Für „Jülich goes Queer“ habe er sich lieber Abwechslung vorgenommen.

„Voll“ konnte man die ehemalige Schalterhalle vielleicht nicht nennen, doch gab es mitunter durchaus Wartezeiten für die einzelnen Stände des „Marktes der Möglichkeiten“. „Es ist mehr los als erwartet“, hieß es unter anderem von „Queeres Leben Jülich“, die viele Sticker und Buttons im Gepäck hatten. „Artemis Books“ aus Aachen meinten viel Zulauf gebe es nicht, zogen allerdings das Fazit: „Aber das ist egal, Hauptsache die Veranstaltung supporten.“ Der Aktionstag hatte offenbar gleich zwei Hürden zu nehmen: Zum einen ist es bei einer Premiere oft schwieriger als bei bereits etablierten Events. Das hat auch mit dem Bekanntheitsgrad zu tun. Zum anderen, so die Wahrnehmung, die in verschiedenen Gesprächen durchschimmerte: Die Werbungsdichte sei, zumindest gefühlt, eher überschaubar gewesen. Nichtsdestotrotz betraten nach und nach immer mehr Personen den Saal, blieben oder tauschten sich mit anderen Neugierigen aus.

Dass diese Veranstaltung auch eine gute Gelegenheit zum Austausch war, erzählte auch Stadtbüchereileiterin Birgit Kasberg. Sie hatte einen Teil des Stadtbücherei-Angebots „genderfreundlicher“ und queerer Literatur mitgebracht. Als außenstehende Person lerne man ja stets weiter – zum Beispiel, dass der am Tisch der Initiativen „trans*unity“ und „Rainbow Aachen“ liegende Stofftier-Hai auch ein Symbol der queeren Community ist. Für ihr Angebot betonte sie, dass es wichtig sei, dass Bücher auch ohne direkten Kontakt ausgeliehen werden könnten. So brauche man keine Sorge haben, von Bekannten gesehen und abgestempelt zu werden, wenn man unsicher sei – eine Sorge, die in einer Kleinstadt wie Jülich groß sein könne.

Ein Auftakt zum Wiedersehen: Nächste Station ist der erste Jülicher Christopher Street Day (CSD) am 20. Juni. Einige der Ausstellenden merkten an, dass sie auch zu dieser Gelegenheit vor Ort dabei seien.

Fotos: Ariane Schenk


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