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Sicherheit hat Vorfahrt

„Das Bundeskabinett hat eine Reform der Fahrschulausbildung auf den Weg gebracht. Das Ziel: den Führerscheinerwerb deutlich bezahlbarer, digitaler und verkehrssicher zu gestalten – und zudem Fahrschulen von Bürokratie zu entlasten.“ Soweit Aussage und Idee der Bundesregierung (www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kabinett-startet-reform-fahrschulausbildung-2431088). Ein neuer Teil der HERZOG-Reihe "Lokal betrachtet".

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Foto: unsplash.com/ @markusspiske
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Schon länger ist an verschiedenen Stellen die Rede davon, die Fahrausbildung zu reformieren. So soll der Theorieunterricht vereinfacht werden, ein Teil der Fahrstunden soll künftig im Simulator absolviert und die sogenannte Laienausbildung ermöglicht werden. Der HERZOG hat sich bei Fahrschulen im Jülicher Land erkundigt, wie diese zu den Plänen von Verkehrsminister Patrick Schnieder (www.bmv.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2026/043-schnieder-bezahlbarer-fuehrerschein.html) stehen.

„Ich bin absolut gegen einen vereinfachten Theorieunterricht“, bringt es Fahrlehrer Niki Combach von Nikis Fahrschule gleich eingangs auf den Punkt. Aus seiner Sicht ist die Vereinfachung ein falscher, weil gefährlicher Weg. Im Straßenverkehr müsse Sicherheit ganz oben stehen, und dazu gehöre nun einmal die Beherrschung der entsprechenden Regeln. Ähnlich sieht das auch Kollege Maximilian Jankowski von maxis.group, der betont, dass das bisherige Konzept in Deutschland ein sehr gutes sei. Auch von Fahrlehrer Jürgen Ulrich kommt ein „klares Nein“ zur Vereinfachung der theoretischen Prüfung. „Der hohe Anspruch an das theoretische Wissen sichert die Qualität der Ausbildung und damit auch ein hohes Maß an Verkehrssicherheit. Genau das sollte selbstverständlich sein“, so Ulrich. „Außerdem“, findet Niki Combach, „wer lernt, der besteht auch die theoretische Prüfung.“

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Einer stärkeren Digitalisierung des theoretischen Unterrichts kann Maximilian Jankowski einiges abgewinnen: „Ich halte es für schlau, den Theorieunterricht auch online anzubieten.“ Das unterstützt auch Combach, der „grundsätzlich offen digitalen Formaten gegenübersteht“, aber gleichzeitig darauf hinweist, dass viele Jugendliche den Präsenzunterricht bevorzugen. Laut Verkehrsministerium soll es künftig möglich sein, den kompletten theoretischen Stoff online zu erlernen – auch das würde Kosten senken. Dem widerspricht Jürgen Ulrich: „Die Digitalisierung der Theorie klingt zunächst nach einer möglichen Ersparnis, betrifft aber nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten.“ Jankowski ist zudem der Meinung, dass manche Inhalte sich im Präsenzunterricht schlicht besser erläutern ließen, als wenn man sie alleine vor dem PC erarbeiten müsse.

Fester Bestandteil der Fahrausbildung sind die sogenannten Sonderfahrten: Fahrschüler müssen im Dunkeln mit Beleuchtung, über die Autobahn und auch mehrfach „über Land“ fahren – zwölf Fahrten kommen so zusammen. Geht es nach dem Verkehrsminister, sollen die verpflichtenden Extratouren künftig deutlich reduziert werden. Nach Ansicht aller drei Fahrlehrer ist das keine gute Idee. „Gerade auf Autobahnen, Landstraßen und bei Nacht passieren viele schwere Unfälle – genau deshalb sind diese Fahrten ein zentraler Bestandteil der Ausbildung. Hier wird möglicherweise an der falschen Stelle gespart zulasten der Sicherheit von Fahranfängern und anderen Verkehrsteilnehmern“, erläutert Ulrich seine Bedenken. „Das Haupt-Unfallrisiko sind Fahrten auf Landstraßen“, flankiert Maximilian Jankowski, und auch Combach unterstreicht, dass eine Reduzierung auf Kosten der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer ginge.

Ein gequältes Lächeln bei Niki Combach quittiert die Frage nach der Sinnhaftigkeit der „Experimentierklausel“. Diese sieht vor, dass Fahrschüler nach bestandener Theorieprüfung „unter Anleitung von nahestehenden Personen, z.B. den Eltern, Fahrpraxis auf öffentlichen Straßen erwerben dürfen“. Günstiger würde die Fahrerlaubnis damit sicher nicht, meinen die Fachleute. Laien wüssten nicht, was bei der Prüfung gefragt ist, würden möglicherweise falsche Gewohnheiten vermitteln und könnten erst recht nicht eingreifen, wenn es mal brenzlig würde. „Ich persönlich werde mich jedenfalls nicht neben einen Führerscheinbewerber setzen, der überwiegend durch Laien ausgebildet wurde und anschließend zur Prüfung antritt“, betont Jürgen Ulrich.

Grundsätzlich halten alle Befragten das Rezept des Verkehrsministeriums für „zu einfach“. Das gilt auch in Hinblick auf die zu erwerbende „Schaltkompetenz“, für die künftig verstärkt Simulatorfahrten genutzt werden sollen. Auch ein guter Simulator sei kein Auto; das dürfe man nicht vergessen. Wenn es ein sehr gutes Gerät sei, so Jankowski, sei das sicherlich eine Alternative. Aber ein sehr guter Simulator koste auch sehr viel Geld, ergänzt er und verweist auf die Cockpit-Simulatoren, die in der Pilotenausbildung gang und gäbe seien. Zum einen sei die Technik für den Auto-Simulator hier wohl noch nicht so weit, zum anderen, ergänzt Kollege Combach, seien die Kosten auch jetzt bereits erheblich. Mit Kostenersparnis habe das, zumindest für die Fahrschulen, gar nichts zu tun.

Unter dem Strich machen die Fahrlehrer einstimmig deutlich, dass jedwede Reform auf keinen Fall zu Lasten der Sicherheit auf den Straßen gehen dürfe. Jürgen Ulrich zitiert an dieser Stelle den ersten Paragraphen der Fahrschulausbildungsordnung: „Ziel der Fahrschülerausbildung nach § 1 FahrschAusbO ist es, Fahrschüler zu sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Verkehrsteilnehmern auszubilden und sie auf die Fahrerlaubnisprüfung vorzubereiten (www.gesetze-im-internet.de/fahrschausbo_2012/BJNR131800012.html).“

Dort heißt es übrigens auch, dass der „Fahrlehrer die Ausbildung erst abschließen darf, wenn er überzeugt ist, dass die Ausbildungsziele nach § 1 erreicht sind.“

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Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinische Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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