„Man tippt ihn an, und dann kommt da Musik raus“, formuliert Marliese Roebers etwas flapsig und muss lachen. Gemeint ist Karl-Heinz Delahaye, der als Experte für die richtige Musikauswahl im dreiköpfigen Organisationsteam des „Jülicher Besucherrings der Kölner Philharmonie“ zuständig ist. Gemeinsam mit Ingeborg Kulig haben die zwei Musikfreunde den eingeschlafenen Besucherring „wiederbelebt“.
Beim Kaffeeklatsch mit Ingeborg Kulig sei die Frage „Sollen wir das nicht einfach selbst machen?“ aufgekommen, erläutert Marliese Roebers. Schon in den 1990er Jahren, schätzt sie, ist die Musikliebhaberin regelmäßig mit dem von Georg Bischof ins Leben gerufenen Besucherring in die Domstadt gefahren. Nach Bischof kam Herbert Lang und organisierte die Fahrten, von ihm übernahm dies Pedro Obiera. „Da gefiel mir die Musikauswahl nicht mehr ganz so gut“, übt Roebers leise Kritik. Aus verschiedenen Gründen fand der ehrenamtlich organisierte Ring schließlich sein Ende – vorübergehend zumindest.
„Ich habe keine Ahnung. Ich bin einfach nur eine Frau, die klassische Musik mag“, sagt Marliese Roebers über sich. Also brauchte es jemanden mit entsprechendem Sachverstand. Einer Inspiration folgend wandten sich die Damen an Karl-Heinz Delahaye. Zu ihrer großen Freude sagte dieser prompt zu. Die „erste Runde“ an den Rhein startete in der Saison 2022/23. Seither stellt Delahaye zu jeder Spielzeit ein neues Programm für den „Jülicher Besucherring“ zusammen – nicht ohne die einzelnen Programmpunkte ausführlich mit seinen Mitstreiterinnen zu diskutieren. So manches Mal müsse er ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, schmunzelt Roebers. „Keiner will Wagner“, seufzt Karl-Heinz Delahaye im Gegenzug. Meist aber findet wenigstens ein Werk Wagners doch den Weg ins Jülicher Programm. Und auch die von ihrem Fachmann gewählten Dirigenten und Orchester stoßen letztlich eigentlich immer auf Zustimmung. „Er weiß einfach Bescheid“, stellt Marliese Roebers pragmatisch fest und verlässt sich drauf, dass auch ab diesem September wieder ein paar echte klassische Leckerbissen auf dem Programm stehen.
Bei der Auswahl legt Karl-Heinz Delahaye viel Wert auf eine ausgewogene Mischung aus eher unbekannteren kleinen Orchestern, großen Künstlernamen und beliebten Werken. „Mischkalkulation“ nennt er das, und der Begriff ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn die schlichte Gleichung lautet: Je bekannter Dirigent oder Orchester, desto teurer die Karten. Da zu den Ticketpreisen die obligatorischen Vorverkaufsgebühren und die Kosten für den Bus hinzukommen, darf nicht jedes Konzert hochpreisig sein. Wichtig ist dennoch, dass die Sitze in Kategorie 2 fallen, schließlich wolle man das Musikerlebnis in vollen Zügen genießen können.
Zum Service gehört die Abfahrt an zwei Haltestellen in Jülich – vor dem Eingang des Krankenhauses an der Neusser Straße und am Wartehäuschen vor dem Schulzentrum an der Linnicher Straße. In Köln fährt der Fahrer quasi „bis vor die Tür“; vor allem für gehbehinderte Teilnehmerinnen wie Marliese Roebers ein wichtiges Argument, wie die 90-Jährige betont. Ein bisschen Extra-Zeit für ein Essen vor dem Konzert ist immer mitgeplant. „Ich nutze die Zeit meistens, um in der Salzgasse Reibekuchen zu essen“, verrät Mitorganisator Delahaye und gerät förmlich ins Schwärmen beim Gedanken an die heißen, knusprigen „Rievkooche“, die es eben nur dort gebe. Wenn das nicht ein weiteres Argument fürs Mitfahren ist. Zum Service des Rings gehören außerdem ein paar Hintergrundinformationen zu Dirigenten, Solisten und Orchester während der Busfahrt, die Marliese Roebers zusammenträgt.
In der kommenden Spielzeit umfasst das gemeinsam ausgearbeitete Angebot acht Konzerte. Los geht es gleich mit Wagners „Lohengrin“ am 18. September. Wer ebenfalls regelmäßig in die Kölner Philharmonie fahren möchte oder weitere Fragen hat, kann sich an Karl-Heinz Delahaye wenden, der verrät: „Es gibt so lange Plätze, bis der Bus voll ist. Das ist unser Limit.“ Er ist am besten per Email an khdelahaye@web.de erreichbar.
Britta Sylvester



















