Die Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg war für die städtische Versorgungsinfrastruktur in Jülich von Wachstum, aber auch von Anpassung an schwierige Rahmenbedingungen geprägt.
Trotz politischer und wirtschaftlicher Krisen – Besatzung, Separatismus und Hyperinflation – wuchs die Stadt weiter. Bis 1930 überschritt Jülich die Marke von 10.000 Einwohnern. Dieser Anstieg spiegelte sich unmittelbar im steigenden Verbrauch von Gas, Wasser und Strom wider, wie die Verwaltungsberichte der Zeit belegen.
Die Versorgungsbetriebe entwickelten sich in dieser Phase zunehmend zu einem zusammenhängenden System. Bereits 1911 wurden Gas- und Elektrizitätsversorgung organisatorisch zusammengeführt. In den 1920er Jahren setzte sich diese Entwicklung fort, indem mehrere technische Bereiche unter einer Leitung gebündelt wurden – ein wichtiger Schritt hin zur späteren Struktur der Stadtwerke.
Auch räumlich expandierte die Versorgung über die Stadtgrenzen hinaus. Ab 1927 wurde die Gemeinde Koslar mit Gas beliefert, während die Wasserversorgung bereits zuvor auf umliegende Orte wie Selgersdorf, Altenburg und Daubenrath ausgeweitet worden war.
Technologisch und wirtschaftlich markierte das Jahr 1930 einen Einschnitt: Die eigene Gasproduktion wurde eingestellt, da der Anschluss an die Ferngasleitung Alsdorf – Köln eine kostengünstigere Versorgung ermöglichte. Diese Entscheidung zeigt, wie stark wirtschaftliche Überlegungen bereits damals die Entwicklung der kommunalen Infrastruktur beeinflussten.
Gleichzeitig stießen insbesondere Wasser- und Stromversorgung zeitweise an ihre Grenzen. Der Bauboom nach der Ansiedlung des Bahnausbesserungswerks führte dazu, dass trotz Ausbau des Netzes rund 20 Prozent der Haushalte zeitweise ohne Wasseranschluss blieben.
Neben der Versorgung trat zunehmend auch die Entsorgung in den Fokus. Die wachsende Industrie belastete die Gewässer Ellbach und Rur mit Abwässern. Damit wurde deutlich, dass moderne Infrastruktur nicht nur Versorgung, sondern auch Umweltfragen berücksichtigen musste – ein Thema, das bis heute aktuell ist.
Insgesamt war diese Phase geprägt von Konsolidierung, Expansion und struktureller Weiterentwicklung – unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen.
Zu Teil 1 der Stadtwerkegeschichte.
















