Mit Raul Schrotts „Zeitgeist“ ist mir ein Buch als bibliophiles Wendebuch begegnet, das mich rundum begeistert. Der vielfach ausgezeichnete Autor ist eine Institution sowohl als Übersetzer als auch Denker und Gelehrter.
In seinem neuen Buch spürt er dem „Zeitgeist“ nach. Was genau dieser ist, und ob man ihm entkommen kann. Diese Analyse unserer Gegenwart, halb als Essay, halb als Gedichtband verfasst, enthält erhellende Texte zu unserem Alltag. Der Autor bietet keine einfachen Antworten, sondern eine kluge und vielschichtige Beurteilung unserer Zeit.
Das Zitat von Marc Aurel „Gut für einen Menschen ist nur, was hilft, ihn gerecht, gemäßigt, mutig und unabhängig zu machen, schlecht ist alles, was das Gegenteil bewirkt“ am Anfang des Werkes sagt viel über den Inhalt aus. Raul Schrott stellt zum Beispiel fest, dass die Angst vor der Zukunft Nostalgie nach der Vergangenheit auslöst, ohne zu hinterfragen.
Auch berichtet er über das Vakuum, das nach der bröckelnden Herrschaft der Kirche entstanden ist. Kritisch betrachtet der Autor die Ursprünge der Frauenfeindlichkeit sowie die Digitalisierung mit der Überfülle ungefilterter Informationen und hält außerdem ein Plädoyer für die Förderung der Vielfalt und Menschlichkeit.
Dieses Buch bietet dem Lesenden sowohl ein Sachbuch als auch eine Lyriksammlung – und das in einem Werk! Sobald er ein wenig Zeit investiert und sich auf ungewöhnliche Ideen einlässt, wird ihn dieses „Plädoyer“ für Menschlichkeit begeistern.
BUCHINFORMATION
Raoul Schrott: Zeitgeist – Ein Plädoyer für die Menschlichkeit / Über uns, jetzt | Hanser Verlag | ISBN 978-3-446-28588-0 | 28 Euro



















