„Das ist ja Müll!“ Die Beinahe-Empörung beim Anblick des Rohmaterials stand Clara ins Gesicht geschrieben. „Neu kann doch jeder“, lachte Cornelia Broeckerhoff gut gelaunt diesen Einwand weg und erklärte erst einmal, was sie sich bei der bunten Sammlung gedacht hatte. Kronkorken und Flaschendeckel aus Plastik, knallrote Blechbüchsen, die mal Tomatenmark enthielten, kugelige Fläschchen in diversen Farbtönen und stapelweise Getränkekartons warteten aufgetürmt auf kreative Hände und Köpfe.
Fünf Mädchen waren der Einladung des Museums Zitadelle zum Marionettenbau gefolgt und versuchten sich gemeinsam mit Cornelia Broeckerhoff daran, ausrangierten Dingen, die sonst in der Tonne landen, neues Leben einzuhauchen. Waren die Fünf anfangs noch ein wenig zögerlich, dauerte es nicht lange, bis sie beherzt zugriffen, sich gezielt Materialien auswählten, Löcher bohrten und Perlen auf Schnüre fädelten. Kursleiterin Broeckerhoff hatte ein buntes Anschauungsobjekt mit klappernden Füßen mitgebracht, das als „Eisbrecher“ zeigte, was möglich ist. Während Hüsna gezielt rote und orange Farbtöne auswählte und sofort wusste, dass sie einen Fuchs bauen möchte, hatte sich Lotta bei der Auswahl eher von verschiedenen Formen leiten lassen und probierte erst mal aus, was es werden könnte.
Waren die Baustoffe ausgewählt, wurde es ernst. Denn schließlich mussten vor allem Löcher gebohrt werden, um die Einzelteile beweglich miteinander zu verbinden. Dafür hatte Cornelia Broeckerhoff ein ganzes Konvolut Werkzeug mitgebracht, einiges davon mit fast schon antikem Wert. Der „Uralt-Bohrer von meinem Opa“ erwies sich als besonders geeignet. Laut quietschend sorgte der mechanische Kurbelbohrer zuverlässig dafür, dass selbst Kronkorken und Blechbüchsen „gelocht“ wurden. Die kleine Herausforderung dabei: das runde Material so festzuhalten, dass weder die Finger verletzt wurden noch das Werkstück verrutschte. Alternativ – und überraschend gut – funktionierten die dicken Nadeln mit Holzgriff. In einer Kerzenflamme kurz erhitzt, glitten sie „butterweich“, wie Cornelia Broeckerhoff freudig feststellte, durch die Verschlüsse aus Plastik. Und brauchte es mal eine zweite Hand, stand neben der Kursleiterin auch Bundesfreiwilligendienstleistende Rebekka Schütz hilfreich zur Seite.
Bis allerdings aus der silbernen Blechbüchse ein Herzog an Schnüren werden konnte und der rot-orange Fuchs auf leisen Pfoten an der Stadtmauer entlang schleichen konnte, brauchte es Zeit und Geduld. Ein ausgedehntes Picknick im Schatten später machte sich das kreative Quintett schließlich gemeinsam auf, um die fertigen Marionetten zusammen auszuprobieren.
Wer auch Lust hat, seine kreative Ader auszuprobieren, bekommt im August noch drei Mal die Gelegenheit, den eigenen „Kulturrucksack“ zu packen: Am 20., 24. und 27. August stehen die Themen „Selfie mal anders“, „Kreativ sein mit Naturmaterialien“ und „Basteln mit Pappmaché“ auf dem Ferienprogramm.



































