Start Stadtteile Jülich „Komm-wieder-Effekte“ nutzen

„Komm-wieder-Effekte“ nutzen

Jülichs neue Innenstadt ist weitgehend fertig. Für Gastronom Ben Lövenich und die Werbegemeinschaft beginnt damit die entscheidende Phase: Jetzt geht es vor allem an die zielführende Vermarktung des gelungenen Stadtbildes, das mehr Frequenz generiert.

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Die Kölnstraße ist wieder baustellenfrei. Foto: Timo Dolfen
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„Den Herzinfarkt haben wir jetzt überstanden und sind in der Reha.“ Ben Loevenich findet ein drastisches Bild für das, was die Jülicher Innenstadt in den vergangenen Jahren erlebt hat. Seit einer Woche ist die Hauptschlagader des Jülicher Einzelhandels, die Fußgängerzone der Kölnstraße, wieder baustellenfrei. Das hat der Gastronom, der im kommenden Jahr Silberjubiläum mit seinem „Liebevoll“ feiert, bereits gut gespürt.

Die optische Barriere ist weg. Das macht viel aus. Wer am oberen Ende der Kölnstraße auf Bauzäune, einen schmalen Notweg, Schmutz und eine verengte Passage geblickt hätte, so Loevenich, habe sich häufig schlicht gegen den Weg in den unteren Teil der Innenstadt entschieden. Jetzt sind Blick und Weg wieder frei, und Gäste, die während der Bauphase bewusst ferngeblieben seien, kämen zurück. Die Reaktionen auf die neugestaltete Innenstadt seien positiv, freut sich der Vorsitzende der Werbegemeinschaft. „Schön geworden, klasse, hat sich gelohnt“, fasst Loevenich zusammen, was er derzeit von Besuchern hört.

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Dabei geht es nicht nur um die Ureinwohner Jülichs selbst. Die Innenstadt lebt nach Loevenichs Beobachtung stärker von auswärtigen Besuchern, als mancher vermutet. Menschen kommen aus Titz, Aldenhoven, Linnich oder Elsdorf zum Einkaufen, Essen und Bummeln nach Jülich. Zusätzlich ist die Stadt ein Anlaufpunkt für Radtouristen etwa für Bett+Bike und Fiets Relax.

Viele der Gäste kommen aus Belgien und den Niederlanden. Gerade bei ihnen kann der erste Eindruck entscheidend sein. Wer eine Radtour plant, fährt Strecken häufig vorher ab, sucht nach Übernachtungsmöglichkeiten und Gastronomie. Wer durch den Hexenturm oder die Aachener Landstraße gekommen sei und am Bauzaun endete, machte kehrt. Jetzt könnte sich dieser Effekt umkehren.

Gastronom Ben Loevenich guckt auch als Vorsitzender der Werbegemeinschaft zuversichtlich auf das kommende Jahr. Foto: Dorothée Schenk | Archiv
Gastronomie als Magnet
Dass Jülich heute etwas zu bieten hat, macht Loevenich auch an der Entwicklung rund um Markt und Kirchplatz fest. Als das „Liebevoll“ vor fast 25 Jahren dort startete, gehörte eine größere Außengastronomie noch eher zur Ausnahme, sagt er. Heute ist rund um den Platz ein gastronomischer Schwerpunkt entstanden. Geboten wird eine große Vielfalt von deutscher bis italienischer Küche, Café bis Burger.

Für Loevenich ist diese Konkurrenz ausdrücklich kein Nachteil. Als 2019 das Extrablatt nach Jülich kam, habe es Stimmen gegeben, die darin eine Gefahr für bestehende Gastronomiebetriebe sahen. Vielmehr hat sich Loevenichs Einschätzung wohl bestätigt, die er bildlich formuliert: Der vorhandene Kuchen wurde nicht auf mehr Betriebe verteilt, sondern durch zusätzliche Angebote wurde der Kuchen größer.

Eine sanierte Innenstadt allein bringt allerdings noch keine Kunden. Für Loevenich beginnt deshalb jetzt die zweite, mindestens ebenso wichtige Aufgabe: Jülich muss das, was in den vergangenen Jahren entstanden ist, auch nach außen tragen. Werbegemeinschaft und Stadt würden bereits seit zwei Jahren gemeinsam daran arbeiten, die Innenstadt als Marke stärker zu positionieren und über Jülich hinaus zu vermarkten. Ziel sei es, Besucher (zurück) zu gewinnen und neue anzusprechen – und damit Frequenz in Handel und Gastronomie zu bringen.

Neben der Öffentlichkeitsarbeit sind ein Instrument dafür Veranstaltungen. Das Pasqualini-Zeitsprung-Festival sieht Loevenich ausdrücklich auch unter diesem Gesichtspunkt. Das überregional wahrgenommene Festival, das 2027 zum zweiten Mal stattfinden wird, soll Menschen nach Jülich bringen, die die Stadt möglicherweise neu entdecken – und im Idealfall einige Wochen später wiederkommen.

Dieser „Komm-wieder-Effekt“ ist für ihn entscheidend.
Auch der Feierabendmarkt gehört für Loevenich zur Innenstadtbelebung. Gleichzeitig müsse der Wochenmarkt nach schwierigen Jahren wieder gestärkt werden. Standortwechsel und Baustellen hätten auch den Marktbeschickern zugesetzt. Neue Händler für einen Standort zu gewinnen, sei naturgemäß schwer, solange dort sichtbar gebaut werde. Mit einem wieder normalen Innenstadtbetrieb verbessern sich auch dafür die Voraussetzungen.

So soll es wieder sein: Viel Volk tummelt sich beim Stadtfest 2018. Foto: Paul Wirtz | Archiv

Veranstaltungen sind damit nicht bloß Unterhaltung. Sie sind Teil einer Strategie, Menschen in die Stadt zu holen, ihnen die gelungene Innenstadt zu zeigen und daraus möglichst dauerhafte Besucher zu machen.

Dazu gehört für die Werbegemeinschaft ebenso der Blick auf den Branchenmix und mögliche Leerstände. Loevenich sieht Jülich hier noch nicht in einer Situation wie manche andere Innenstadt. In Jülich liegt der Leerstand – anders als in anderen Städten, wo die Quote mit 15 Prozent beziffert wird – bei rund zehn Prozent.

Dennoch müsse man aufmerksam bleiben. Ein Problem im inhabergeführten Einzelhandel sei dabei nicht immer fehlender wirtschaftlicher Erfolg. Geschäfte verschwinden auch, weil sich keine Nachfolger finden. Umso wichtiger sei es, wieder ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen bereit sind, unternehmerisches Risiko einzugehen und sich mit einem eigenen Geschäft in Jülich niederzulassen.

Noch nicht ganz am Ziel
Vollständig beendet ist die Baustellenzeit ohnehin noch nicht. Der Schlossplatz steht noch aus, weitere Straßen folgen. Voraussichtlich ab Januar soll die Kleine Rurstraße zur nächsten Baustelle werden. Für die dortigen Geschäfte und die Anrainer des Marktes bedeutet das erneut Einschränkungen.

Loevenich verschweigt diesen „Wermutstropfen“ nicht. Trotzdem ist seine Prognose für die Innenstadt positiv. Er erwartet, dass das kommende Jahr stärker werden kann als die vergangenen Jahre.

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HERZOGin mit Leib und Seele. Mein HERZ schlägt Muttkrat, Redakteurin gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach und Magistra Artium der Kunstgeschichte mit Abschluss in Würzburg. Versehen mit sauerländer Dickkopf und rheinischem Frohsinn.

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