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Die Hobbits unter den Tieren

Was kreist da des Nachts über unseren Köpfen? Neben Vögeln sind gerade in der Dämmerungszeit oft Fledermäuse unterwegs. Und sonst ruhen sie im Winter hinter den Mauern der Kasematten. Bei der Fledermausnacht in der Zitadelle konnten Interessierte den besonderen Tieren ganz nah kommen.

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Michael Strobe erklärt Wissenswertes über Fledermäuse. Foto: Volker Goebels
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Flauschige Flieger so weit das Auge reicht: Schon beim Betreten des Zitadellenhofes von der Innenstadtseite aus begrüßte die Interessierten eine große Fledermaus. Und im Pädagogischen Zentrum (PZ) war es damit nicht getan: Plüsch-Fledermäuse, blinkende Fledermäuse, Batman-Masken und Papier-Fledermäuse zum Selbstbasteln machten schon beim ersten Blick klar, worum es an diesem Abend ging. Sogar mit einem tiefen „Klack, klack, klack“, wenn der Deutsche Amateur-Radio-Club (DARC) die Frequenz einer Fledermaus anhand eines Plüschtiers mit Sender und einem Fledermaus-Detektor simuliert.

Die echten Fledermäuse allerdings, die sind bedeutend seltener anzutreffen. Dass man trotzdem einen Eindruck von den lebenden Exemplaren erhält, dafür haben das Museum Zitadelle und der Arbeitskreis Fledermausschutz Aachen, Düren und Euskirchen bestens gesorgt. Dazu gehörten – schon zu Beginn der Veranstaltung ausgebuchte – Führungen durch die Winterquartiere in den Kasematten. Aber auch der Besuch bei jenen, die die kleinen Flug-Säuger einfangen, um sie zu wiegen und zu kategorisieren.

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Viele neue Erkenntnisse bot der Abend. „Ich wusste gar nicht, dass es so viele verschiedene Fledermausarten gibt!“, war etwa aus dem interessierten Publikum zu hören.

Warum die Fledermäuse trotz ihres Namens keine Nagetiere sind, dass ihre Herzen von ungefähr 400 Schlägen pro Minute im Ruhezustand auf etwa 1000 Schläge pro Minute bei der Jagd und drei bis vier Schläge im Winterschlaf variieren können, und warum die Kasematten ein geeigneter Überwinterungsort sind, das und viel mehr galt es bei der Führung durch selbige zu erfahren. Mit etwas Glück konnte auch die eine oder andere Fledermaus in ihren Jagdgründen oder direkt an den Eingängen entdeckt werden.

Christoph Fischer, technischer Leiter des Museums Zitadelle und Koordinator der Veranstaltung, nannte sie beispielsweise in seiner Führung die „Hobbits unter den Tieren“: Sie mögen es „am liebsten schön warm, kein Regen, kein Wind und möglichst immer ein gedeckter Tisch“. Außerdem wusste der promovierte Biologe, dass die einzigen fliegenden Säugetiere bis zu einem Drittel des Körpergewichts anfuttern können. Das veranschaulichte er mit einem Schmunzeln: „Bei mir wären das so 75 Pizzen.“

Hautnah kam man einzelnen Exemplaren anschließend bei der „Fangstation“, in der sie nach Art sowie Geschlecht bestimmt gewogen und seltene Fledermäuse außerdem beringt wurden. Allerdings nur im übertragenen Sinne, denn Fledermäuse übertragen eine spezielle Fledermaus-Tollwut, bei der eine Impfung innerhalb von 24 Stunden erfolgen muss, sonst endet sie tödlich – anfassen für Ungeimpfte also verboten.

Holger Körber, Mit-Leiter des AK Fledermausschutz, erzählte etwa davon, dass beringte Tiere dann möglicherweise auch in Spanien wieder auftauchten – die Sommer- und Winterquartiere lägen zuweilen weit auseinander. Das mache den Fledermausschutz so schwierig: Diese und die Zwischen- sowie Jagdquartiere schützen. Aber wichtig sei der Schutz auch deswegen, weil die Fledermaus das bedrohteste Säugetier in Europa sei.

Problem sei, so sagte Körber, dass zu wenig Nahrung – also Insekten – in der Luft sei. Und dass durch die warmen Winter die Fledermaus immer mal wieder das Gefühl habe, es sei Frühling, nicht zur Ruhe komme und aufwache – oder „auftaue“ –, was viel Energie verbrauche. Wie schön dagegen die Information, dass die Wasserfledermaus seit etwa zehn Jahren auch ihre Jungen in der Zitadelle großzieht.

Wer übrigens etwas für die gefährdeten Tiere tun wolle, solle etwa wilde Gärten anlegen und Steingärten ersetzen sowie seine Katzen als Wohnungskatzen halten – acht von zehn Fledermaus-Pfleglingen fielen Freigängern zum Opfer.

Übrigens: Sollte tagsüber eine Fledermaus auf dem Boden gefunden werden, gelte: Diesem Tier geht es nicht gut. Da sie nicht angefasst werden sollen, sollte die NABU Fledermaus-Hotline 030 / 284984 5000 von www.fledermausschutz.de angerufen werden.

Was man sonst noch selbst für Fledermäuse zu Hause tun kann, das konnte beispielsweise an den Infoständen des Arbeitskreises selbst und der Biologischen Station Düren besichtigt werden. Fledermaus-Nistkästen aus unterschiedlichen Materialien können heute erworben werden, die – mit den richtigen Nägeln – in Bäume gehängt oder ans Haus montiert werden können.

Sogar inklusive verbautem Dämmmaterial, um die Kästen direkt in die Hauswand einzubauen. Bis Ende September, so Sarah Hartmann von der Biologischen Station, kann bei ihnen ein solcher Kasten sogar kostenlos abgeholt werden.

Worum es ansonsten ging: beispielsweise Insektenschutz, denn die Fledermäuse brauchen auch etwas zu Essen, und Tierschutz generell. Dafür war etwa der NABU Kreis Düren vor Ort, bei dem auch Kinder ihre eigenen Fledermäuse basteln konnten.

Reiner Vogelsang zeigte sich am Stand auch mit dem Besuchs-Zustrom zufrieden. Der Zuspruch sei ganz gut, käme den Führungen folgend in Wellen. Ähnlich formulierte es der AK Fledermausschutz, der neben diversen Fledermaus-Angeboten auch Informationen für „fledermausbeliebtere“ Häuser dabei hatte.

Die Fledermausnacht, eine Kooperation des Museums Zitadelle mit dem Arbeitskreis Fledermausschutz, dem NABU Kreis Düren, der Biologischen Station Düren und dem DARC, findet seit 2005 alle zwei Jahre statt. Dieses Jahr war es das elfte Mal.

Seit 2018 findet sie im „kleinen“ Format mit weniger Ständen und 300 Plätzen für angemeldete Besucherinnen und Besucher statt. Die nächste Fledermausnacht lädt voraussichtlich 2028 Interessierte in die Zitadelle ein.

Fotos: Volker Goebels


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