Wer sich für den Beruf des Heilerziehungspflegers beziehungsweise der Heilerziehungspflegerin im Stammhaus Jülich entscheidet, kann sich auf einen facettenreichen Job und eine praxisnahe Ausbildung freuen. Einrichtungsleiterin Melanie Bickschäfer gewährt einen Blick hinter die Kulissen.
Heilerziehungspflegerinnen begleiten die Bewohner im Stammhaus im Alltag. Sie helfen je nach Bedarf im Haushalt, beim Waschen, beim Anziehen, bei Freizeitaktivitäten und bei individuellen Problemen. Außerdem begleiten sie die Bewohnerinnen auf Ausflüge, in den Urlaub und bei Projekten, bei denen der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind.
Übergeordnetes Ziel sei es, „die Menschen zu befähigen, im Leben anzukommen und die soziale Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern“, erklärt Melanie Bickschäfer. Ihre Persönlichkeitsentwicklung wird individuell begleitet. Wichtig dabei ist laut Bickschäfer, die Menschen an den richtigen Stellen praktisch zu fordern. Anstatt ihnen jede Aufgabe einfach abzunehmen, sollen sie durch die Fachkräfte angeleitet und unterstützt an ihren Herausforderungen wachsen.
Neben körperlichen und pflegerischen Aufgaben gilt es, emotionale und zwischenmenschliche Herausforderungen zu bewältigen. Dazu gehört es auch, Krisengespräche zu führen. Um auf diese vielfältigen Aufgaben optimal vorbereitet zu sein, wird in der Ausbildung sowohl auf die pflegerische als auch auf die pädagogische Schulung Wert gelegt.
Für das Miteinander im Stammhaus gilt grundsätzlich: „Hier passiert alles auf Augenhöhe. Alle sind erwachsene Menschen und wollen auch so behandelt werden.“ Das Stammhaus setzt auf eine Mischung aus professionellem Arbeiten und familiärem Verhältnis zwischen Mitarbeitenden und Bewohnern. Bickschäfer erklärt das so: „Man lebt das Leben der Menschen hier ein Stück mit, denn das hier ist ihr Zuhause, und man muss dazu beitragen, dass es sich auch wie ein Zuhause anfühlt.“
Melanie Bickschäfer betont, dass der Beruf ein hohes Maß an Professionalität erfordert: „Man trifft die Entscheidungen hier nicht aus dem Bauch heraus. Das theoretische Wissen ist sehr wichtig, damit die Förderung der Menschen zielgerichtet abläuft.“
Teil des Berufs ist auch, individuelle Hilfepläne mit Zielen und passenden Maßnahmen zu formulieren. Realistische Ziele für die jeweilige Person müssen erkannt werden, und es braucht das nötige Fachwissen, um die Zielerreichung effizient zu gestalten. Zusätzlich werden sogenannte Hilfebedarfsgespräche mit den Bewohnerinnen geführt, in denen in entspannter Atmosphäre zusammen erarbeitet wird, was die einzelnen Menschen wollen und brauchen.
„Die Menschen hier zeigen oft herausfordernde Verhaltensweisen. Dafür muss man sich individuelle Strategien aneignen“, erklärt Bickschäfer. Darauf werde in der Ausbildung vorbereitet, und auch danach lasse man die frisch ausgebildeten Fachkräfte damit nicht allein, betont sie.
Wer in der Pflege arbeiten möchte, sollte Freude am zwischenmenschlichen Kontakt haben, sich auf verschiedenste Menschen einstellen können, flexibel und strukturiert arbeiten und über gute kommunikative Fähigkeiten verfügen.
Zusätzlich sollte man keine Hemmung vor Körperkontakt und pflegerischen Aufgaben haben. Außerdem muss man dazu bereit sein, im Schichtdienst und am Wochenende zu arbeiten.
Das Stammhaus kooperiert mit dem Nelly-Pütz-Berufskolleg in Düren. Im Zuge dieser Zusammenarbeit werden maximal drei Personen pro Jahr ausgebildet.
Die praxisintegrierte Ausbildung bietet sowohl das theoretische und pädagogische Hintergrundwissen als auch die nötige Praxiserfahrung. Am Anfang stehen drei Schultage zwei Praxistagen gegenüber. Mit 1100 Euro Gehalt starten die Azubis ins Berufsleben. Darüber hinaus werden sie mit weiteren Zulagen unterstützt.
Melanie Bickschäfer würde gerne mehr Menschen für soziale Berufe neugierig machen, denn „diese Berufe dürfen nicht in den Hintergrund geraten, und man sollte sie sich zumindest angucken und in Erwägung ziehen“.
Wer mehr über die Ausbildung erfahren möchte, kann sich entweder an das Stammhaus selbst wenden oder aber sich beim Nelly-Pütz-Berufskolleg informieren.
















