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Jura macht Spaß

Der Herzog titelt diesen Monat mit der herrlich einladenden Sommer-Headline „Spaß“. Das animiert den Autor der monatlichen herzoglichen Rechtskolumne diesmal dazu, sich an die aktuellen Abiturienten, mithin die jüngeren möglichen Rechtsaspiranten zu wenden, auf dass ihnen der Jura-Spaß lebenslang erhalten bleibt.

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Rat & Recht in und um Jülich Foto: ©Andrey Burmakin - stock.adobe.com / Bearbeitung: la mechky
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Der wenig erbauliche Satz geistert herum:
„Juristen haben keine Freunde, sie haben aber ein tolles Jurastudium und dicke Rechtskommentare.“

Das ist auch und gerade gemäß den autobiographischen Erfahrungswerten des Autors dieser Kolumne, der bekanntlich seit etlichen Jahren den wunderbaren Beruf des Advokaten ausüben darf, blanker Nonsens.

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Die juristische Ausbildung erhält eher Freundschaften, wird ein guter Rechtsrat doch immer gerne gehört. Denn ein guter Rechtsrat bedeutet meistens auch konkrete Lebenshilfe.

Also gilt der Aufruf an Euch, die Ihr gerade Euer Abitur – im höheren Notenbereich – geschafft habt: Wagt Euch an die Juristenfront und ergötzt Euch am universalen Kosmos des Jurastudiums! Es wird auch viel Spaß machen!

Eure Berufschancen sind enorm aussichtsreich und eure berufliche Verwendung sehr breit gefächert.

Als Volljuristen, ausgestattet mit beiden ordentlichen Examina, seid ihr in der Rechtspflege, ob in der Justiz im Richteramt oder bei der Staatsanwaltschaft oder auf der anderen Seite als Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen bestens geeignet und willkommen.
Aber auch die öffentliche Verwaltung, der Staatsdienst, die freie Wirtschaft, die Politik, der Bereich der NGOs und GOs oder die Medienlandschaft liegen Euch zu Füßen.

Ihr merkt, das Jurastudium ist so etwas wie ein „studium generale“, das zu vielfachen Eignungen führt.
Daher macht es trotz mancher Lernbeschwerlichkeiten, die nicht zuletzt den sehr breit ausgelegten Studieninhalten geschuldet sind, durchaus Spaß.

Neben der von Euch bereits erfüllten Zugangsvoraussetzung des Abiturs solltet ihr für ein Jurastudium insbesondere Sicherheit in der deutschen Sprache, Nervenstärke, Selbstdisziplin, logisches Denken, aber auch einen pragmatischen Bezug zur Lebenswirklichkeit mitbringen.

Gute juristische Fakultäten gibt es an einigen deutschen Universitäten.
Mit Bonn, Köln, München, Berlin, Münster und Freiburg benenne ich nur eine (fast) zufällige Auslese.

Das Jura-Studium dürfte in all‘ diesen und anderen Städten Spaß machen.

Der Studiengang selbst gliedert sich in das Grund- und Hauptstudium, getrennt von einer Zwischenprüfung.

Das Grundstudium führt in die großen Rechtshemisphären Zivilrecht und Öffentliches Recht mit Strafrecht ein.
Hierzu werden Klausuren und Hausarbeiten geschrieben.

Im Hauptstudium werden die im Grundstudium erlangten Kenntnisse verfeinert und zudem Spezialrechtsfelder wie z.B. Handels-, Europa-, Arbeits-, Sozial-, Familien-, Erb- und Steuerrecht beackert, wobei in jeder Disziplin eine Klausur geschrieben wird. Überdies sind je nach Universität diverse Praktika vorgeschrieben.

Nach dem Hauptstudium folgt das 1. Juristische Staatsexamen.

Danach darf man sich Jurist nennen, wobei damit allein die Berufschancen zumindest mit für einen Akademiker auskömmlichen Einkünften eher bescheiden sind.

Man sollte daher sodann ins Referendariat einsteigen, um Volljurist zu werden.

Das Referendariat erstreckt sich auf 2 Jahre und ist in sogenannte Stationen bzw. Stagen aufgeteilt.

Der/die Rechtsreferendar(in) darf in die gesamte Breite der Rechtsberufe hineinschnuppern und dabei auch aktiv Einsatz fahren. Und für dieses sich einfach mal vielfältig juristische Ausprobieren gibt es sogar eine zwar maßvolle, aber im Vergleich zum einkommenslosen Studium einträgliche Vergütung von Staats wegen.

In der Zivilstation wird beim beim Amts- oder Landgericht, die Strafstation bei der Staatsanwaltschaft, die Verwaltungsstation zumeist bei einer Stadt- oder Gemeindeverwaltung, die Anwaltsstation bei einem/einer freien Anwalt/Anwältin und die Wahlstation dem Begriffe nach wahlweise z.B. in einem Unternehmen oder sogar im Ausland absolviert.

Das Finale der intensiven und spannenden juristischen Ausbildung bildet das 2. Staatsexamen.

Dieser Studienverlauf ist gewiss zeitlich und inhaltlich ambitioniert, macht aber letztlich einen großen beruflichen Spaßfaktor aus, sind doch nach einschlägigen Umfragen ca. 86 % der Absolventen späterhin im juristischen Beruf sehr zufrieden und haben 100 % (!) von ihnen nach 10 Jahren noch eine feste berufliche Beschäftigung.

Und wenn ihr obendrein einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn ausleben wollt, Menschen konkrete Lebenshilfe zukommen lassen und eloquent und sauber aus unterschiedlichen Blickwinkeln argumentieren lernen wollt, wenn ihr die Fähigkeit des sorgfältigen und wissenschaftlich strukturierten Abstrahierens in Form der Subsumtion eines Lebenssachverhalts in den geeigneten rechtlichen Rahmen erlangen und schlicht lernen wollt, wie unsere Gesellschaft und unser Staat funktionieren und wenn ihr nicht zuletzt auf Dauer finanziell abgesichert sein wollt, dann steigt in dieses großartige Studium ein und lasst Euch im unendlich erscheinenden Rechtsuniversum „bespaßen“.

Und das Gefühl wird Euch nicht trügen:

Ob in der Medizin, der Verwaltung, bei der Polizei, in der Arbeitswelt, in der Wirtschaft oder Politik, Jura ist überall!

Und lasst Euch nicht durch etwaige Enttäuschungen im Studium irritieren.
Ihr werdet Eure Frustationstoleranz steigern, denn die Stoffmenge oder der Schwierigkeitsgrad werden Euch möglicherweise gelegentlich an die Grenzen der Überforderung bringen.

Aber ihr werdet die Zähne zusammenbeißen, ihr werdet lernen durchzuhalten, um die Herausforderungen, die ein schwieriges und lernintensives Studienfach wie Jura, aber auch andere Studienfächer mit sich bringen, zu bestehen.
Das wird Euch auch für das spätere (Berufs)Leben stärken und Euch aufzeigen, was ihr zu leisten in der Lage seid.

Nicht zuletzt macht das Jurastudium auch und gerade Spaß, da es nicht so rigide und verschult ausgelegt ist wie Bachelor-Studiengänge.
Ihr könnt Euer Studium recht frei gestalten, da die meisten Kurse nicht unmittelbar aufeinander aufbauen.

Im Jurastudium sind Euch im Unterschied zu manchen anderen Studiengängen eben einige Freiheiten mehr vergönnt.
Das kann für manch einen Phlegmatiker vielleicht Fluch und Segen zugleich sein, aber dürfte letztlich in der Gesamtschau den Spaßfaktor des Studierens erhöhen.

Nun wisst Ihr, warum Jura Spaß macht oder zumindest machen kann, und könnt ihr hoffentlich euren Einstieg in dieses Studium besser wägen.


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